Mittwoch, 2. September 2009

BAUMGESICHT - STOLPERGEIST HOPPLA HOPP


Burg Posterstein (seit ca 1191) Posterstein / OstThüringen 
zwischen Altenburg & Gera
WebSite BURG POSTERSTEIN
        
ER IST DOCH ZU NEUGIERIG DER KLEINE 
STOLPERGEIST HOPPLA HOPP von POSTERSTEIN


Immer wieder schaut er unter seiner tarnenden Decke hervor, wenn er Schritte und Stimmen hört. Das er dennoch nicht entdeckt wird liegt daran, dass die wenigsten Menschen darauf achten, wo sie ihre Füße hinsetzen. Es gibt ja auch so viel zu sehen, auf der Burg Posterstein, in den Museumsräumen, der Plattform des Turmes und im Verlies. Wer kommt da schon auf die Idee, dass unter den Blanken der imposanten Burg-Treppe im Treppenhaus des Postersteiner Museums ein kleiner StolperGeist wohnen könnte, der dort seinen Schabernack treibt.


"Hoppla Hopp" kichert er unhörbar, wenn wieder einmal so ein Menschlein den Abstand der großen Treppenstufen falsch einschätzt, aus dem Tritt kommt, und ins Stolpern gerät. Keiner freut sich wie er über solche Slapstick-Einlagen. Manchmal, hilft er darum ein bisschen nach, bäumt sich auf, ruckelt hin, ruckelt her, stellt ein Bein, oder kitzelt an den Fußsohlen. Wie gut, das die Trittfläche so groß ist, schnell kann man wieder Halt finden, wenn der kleine Schlingel einem einen Streich spielt.


Zum Glück sind zum Festhalten Kordel an den Wänden angebracht.
HOPPLA HOPP - FALL' NICHT STOP
Das Jemand fällt, das will er nicht. Das ist dann ja auch wirklich nicht mehr spaßig. Mit Ausnahme, wenn beispielsweise die Braut ihrem Bräutigam in die Arme fällt.
Seinen Spaß hat der kleine StolperGeist an dem Balanceakt: am Gleichgewicht verlieren und wiederfinden - wie man es in den alten Stummfilmen sehen konnte.




Wie Viele träumte StolperGeist als Winzling gerade am Häufigsten von dem, was er selbst nicht haben konnte. So gern wäre er auch einmal treppauf, treppab gesprungen, aber in seinen Bewegungen war und ist StolperGeist eingeschränkt. Seine Treppenstufe kann er nicht verlassen. Das ist sein Los. Kein schweres Los nur ein Spezielles. Nein traurig ist er nicht. Jedwedes hat seine Nachteile, aber was am Wichtigsten ist, natürlich auch seine Vorteile.


Wer kann schon so viele Jahre in einer richtigen Burg leben?
Wer hat schon so viel Zeit zum träumen und Späße ausdenken?
Wer kann einfach immer die Ruhe bewahren, während alle rennen und rennen?


Hoppla Hopp selbst weiß, er ist privilegiert durch sein Anderssein. Was er nicht kann und auch nie können wird, das hat er längst akzeptiert - das wandert in den Bereich der Phantasiewelt. Wenn die anderen Geister ihn besuchen, was die meisten sehr gern tun, denn es ist so bequem und friedlich auf dem breiten Treppenabsatz, erzählt StolperGeist von dem was er gehört und gesehen hat und am liebsten lauschen die Gäste seinen ausgedachten Geschichten. Niemand kommt auf die Idee ihn zu bedauern, im Gegenteil.




text 2009:      © johanna zentgraf
fotos 2009: © johanna zentgraf & @hu