Dienstag, 27. Oktober 2009

BAUMGESICHT - SCHNEPFCHEN DAS SCHNECKENPFERD


DIE BALLADE
VON SCHNEPFCHEN
DEM SCHNECKENPFERD
von kristina sahlin
für johanna zentgraf
oktober 2009














An einem grauen Wintertag
wie man ihn keinerorts sehr mag
der Wind bließ herb, es regnete leise
da machte sich das Schneckenpferd
auf eine lange Reise  
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Es war noch früh, die Nebel sangen
im feuchten Gras die Grillen sprangen
da kroch aus seinem Schneckenhaus
des Schneckenpferdchens Kopf heraus 
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Sah keck in die weite Welt hinaus
die Fühler spitz, das Fell ganz kraus
es fror am ganzen Schneckenleib
und dachte sich: "Hui! Höchste Zeit!" 
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Voll Sehnsucht sah's nach Süden hin
voll wilden Muts in Herz und Sinn
träumte von Stürmen und Meeresstrand
von Abenteuern und fernem Land 
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Durch dichtes Buschwerk gings alsdann
im Schneckentempo glatt voran
hintendrein zog schillernde Spur
sich querfeldein durch Hessens Natur
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Ein kleines Bündel auf dem Rücken
kriecht es durch Pfützen und über Brücken
quer durch Westfalen und durchs Sauerland
wo es so manchen Gefährten fand 
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Schon erreichts Wald Niedersachsen
wo Pilze, Farne und Eichen wachsen
dort kehrts in einen Gasthof ein
und sonnte den Bauch im Sonnenschein 
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In Brandenburg kam's an die Spree
bestieg ein Boot und fuhr zur See
und in der Ostsee wilden Wellen
muss es sich üblen Piraten stellen 
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Weiter gings auf der Wellen Kronen
in die neue Welt zu den Shoshonen
von dort bis zu dem Himalaya
der Himmel schön zum Greifen nah 
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Später dann auf den Seychellen
surfte Schnepfchen in den Wellen
und auf eines Wales Kamm
es durch alle Meere schwamm 
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Immer weiter ging die Reise
teils auf höchst kuriose Weise
mit einem Rad nach Singapur
auf dem ein alter Inder fuhr 
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Auf einem Schlitten gings dannn weiter
dunkle Nächte als Begleiter
an den Nordpol, durch Eis und Schnee
von dort aus weiter nach Gizeh 
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Mit müder Kraft kriecht Schneckenpferdchen
unrasiert mit vollem Bärtchen
Stieg und stieg die Pyramiden hinan
und fühlt sich wie ein greiser Mann 
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Voll Wehmut denkt es an Zuhaus
zieht die Schneckenstirne kraus
"Die ganze Welt hab ich umkrochen
und mehrmals mir den Fuß gebrochen." 
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"Nun bin ich müd und will zurück
ich brauch nur noch ein kleines Glück
ein bisschen Klee, ein wenig Gras
ein Schneckenweib und etwas Spass." 
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Doch dichte Wolken, schwarz und grell
stürmten heran, finster und schnell
wirbelten Schnepfchen wild umher
zogen's hinaus aufs off'ne Meer 
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Und mitten in stürmischer Meeresglut
zerschellte er an Klippen inmitten der Flut
schlug auf an fremden Pamenstrand
auf öde verlassenes Inselland 
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Dem Tode nah leckt sich die Wunden
dreht verzweifelt manch einsame Runden
es scheint dort ein Fluch von toten Seelen
ihn mit ihren Stimmen still zu verhöhnen 
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In einer Höhle sucht es Schutz
dort findet es unter Stein und Schmutz
'nen Schatz aus Gold und Edelstein
und doch kann es nicht glücklich sein 
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So träumt das kleine Schneckenpferdchen
von seinem alten Heimatgärtchen,
wo wildes Gras und Ginster blühen
und kühle Winde weiterziehen 
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Die Insel nur vom Meer umschlossen
deren Schönheit ist er bald verdrossen
schon denkt die Schneck in ihrer Not
an einen Ausweg durch den Tod. 
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Doch g'rad als es sprang die Klippen hinab
in das tiefe Meeresgrab
da spannte ein Fink die Flügel aus
und brachte Schneckenpferdchen wohl nach Haus
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Lange noch lebte das Schneckenpferdchen
in seinem alten Heimatgärtchen
Heut ist's vielleicht tot, vielleicht lebt es noch
in einer alten Sage heißt's jedoch: 
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Willst du das Schneckenpferdchen sehen
so musst du in die Wälder gehen

Vor einer Linde wirst du staunen
Bad Wildungen ist der geheime Ort,
wo Schneckenpferdchen fortlebt, fort und fort...
 

 


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Beim Baumgesichter - Finden - Steckenpferd
entdeckte ich das Schneckenpferd


Auf Theater-Tournee bleibt wenig Zeit,
doch dieses Mal tat's mir nicht leid,
denn einige der Baumgesichter fanden endlich neue Dichter.

Theater-Maske in Bad Wildungen,
da sah Kristina Schnepfchens Bild und dachte sich,
das Schneckenpferd, das adoptiere ich.
Als die Tournee zu Ende ging, kam der Moment,
da ich Kristinas Gedicht-Rolle empfing.

Nun habe ich das Baumgedicht abgetippt
und Schnepfchen auf neue Abenteuer-Reise geschickt.

Ins World Wide Web, das kennst du noch nicht,
geht die virtuelle Reise jetzt
verlauf dich nicht du Schneckenpferd
du erstes adoptiertes Baumgesicht.

Kristina danke ich und wünsche Glück
Johanna