Freitag, 31. Dezember 2010

BAUMGESICHT - VERZAUBERTES ROSS


BAUMGESICHT
VERZAUBERTES ROSS
von der Wutachschlucht im Schwarzwald








Im märchenhaften schwarzen Wald da lebte einst ein Fohlen.
Das war ein ganz besonders schönes Pferd. Wie wild war es und ungestüm. Wenn das junge wilde Pferd durch seine Koppel sprang und übermütig Haken schlug, wehten im frischen Morgenwind seine helle, prachtvoll glänzende Mähne und sein langer weißer Schweif.
Das Fohlen war so gänzlich unbeschwert. Mit seinem frohen Sinn da zog es all die guten Energien aus seinem Umfeld förmlich an.
Wenn das schneeweiße Fohlen über die Wiese lief, da streichelte der Wind sein Fell, die Sonne wärmte es, ja selbst das Gras es neigte sich und bildete einen weichen Teppich unter des Fohlens Hufenschlag. Die Quelle plätscherte ihr Wassertropfenlied und all die Vöglein in den Bäumen und in der Luft, die stimmten ein, wenn das Pferd zur Tränke kam. Selbst an verregneten, kühlen und tristen Tragen vertrieb mit seinem frohen Gemüt, das Fohlen alle trüben Gedanken. Denn schon am frühen Morgen begrüßte es den Tag und überlegte sich, womit es die neuen Chancen nutzen könnte, das Wunder Leben, auszukosten. Die Ideen, die es dann hatte, die teilte das Pferde-Kind mit allen seinen Freunden. Manchmal folgten sie ihm einfach nur, aber richtig toll wurden die Tage, an denen auch die Freunde mit ihren Einfällen den Tag herausforderten und sie alle dann gemeinsam die Früchte ihrer Aktivitäten ernten konnten.

Die Zeit verstrich und der alte Bauer, der das Fohlen aufgezogen hatte, kam immer seltener zur Weide und wenn er kam, dann tief gebückt, gestützt auf einen Stock. Auf der alten Holzbank saß der Bauer dann und träumte von den vergangenen Zeiten. Er verfolgte das frohe Treiben der Tiere und Pflanzen in der friedlichen Natur.
Die Kraft, die er daraus zog, hatte ihm viele erfüllte Lebensjahre geschenkt.
Aber in der Welten Lauf gibt es eine Lebensuhr und für jedes Lebewesen ist ein Zeitraum vorgeschrieben. Ist diese Zeit dann abgelaufen, hört dessen Uhr zu ticken auf. Eines Nachts da schlug auch des Bauern Stunde und der alte Bauer atmete ein letztes mal.
Fern von aller Zivilisation, das war die Tragödie, war der Bauer, Witwer ohne Kind und Kindeskinder, hingeschieden ohne jemanden im Leben seine Güter und sein Vermächtnis anvertraut zu haben.
Ab dieser dunklen Stunde warteten des verstorbenen Bauern Tiere vergebens auf ihr Fressen, ihre Pflege und auf des Bauern Herzlichkeit.

Fremde Menschen kamen seiner statt, raue schroffe Menschen, die von Profit und Gewinn schwafelten und wirklich keinen Blick für das natürlich Kostbare hatten.

Was das Fohlen nie zuvor kannte, Zügel und der Peitsche pfeifen, musste es jetzt oft ertragen.
"Nein, nein, nein !!! " das Pferdchen wusste wohl: "Dass wir leiden müssen, dafür sind wir Lebewesen wahrlich nicht geschaffen" und es bäumte sich dagegen auf, wenn ein Mensch mit Macht ihm versuchte seinen Willen aufzuzwingen.


FREI BIN ICH GEBOREN UND DAS BLEIBE ICH.
Niemand hat das Recht mich zu beugen,
weil er glaubt er hätte macht.

Und bevor der letzte Riegel und das letzte Schloss am unüberwindlichen Zaun der Koppel angebracht wurden, nutzte das wilde Fohlenjunge eine unachtsame Sekunde, preschte durch eine Zaunlücke und floh im wilden Galopp in den tiefen schwarzen Wald. Gut wusste sich das Fohlen zu verbergen, als die Menschen mit ihren Hunden nach ihm suchend den Forst durchkämmten.

In der allerersten Nacht in der freien Wildnis hatte das Fohlen großes Glück. Die winzige Fee Flügelschlag hatte das Trampeln des Tieres nach anstrengender Flucht vernommen. 

Als das Fohlen etwas verschnaufen wollte, zeigte sie sich ihm in ihrer bezaubernden zarten Gestalt, deren nur ihr verwandte freie Seelen gewahr werden konnten. 
Weiß war die kleine Fee aus dem Schmetterlingsklan, weiß wie das junge Pferd. Das Fohlen, ein Seelenverwandter, war überwältigt von der Erscheinung der Fee. 


Die Schmetterlingsfee wies Fohlen ein gutes Versteck und gab ihm ihr Mantra, ihren Zauberspruch, mit auf den Weg:

"Zeig mir den Weg in die Freiheit. Gib mir ein Zeichen, leuchte mir.“

Diese Worte bräuchte das Pferd nur zu denken oder zu flüstern, wenn es den Rat oder die Hilfe der Fee nötig hätte, dann würde sie ihm zu Hilfe eilen. Nicht allein zu sein, tröstete das junge Pferd, denn seinen guten alten Bauern, den vermisste es so sehr und es trauerte um ihn. Das Fohlen hatte nicht hungrig einschlafen müssen, denn es gab in der sommerlichen Jahreszeit genug Nahrung im Wald, auf den Feldern und den Wiesen.

Schon immer hatte das Fohlen gern und mit großem Fleiß Sprachen, Laute und Zeichen von vielen Lebewesen zu verstehen gelernt. Das half ihm in der fremden Umgebung sehr. Es lauschte dem Wald seine Geheimnisse ab.

Das Fohlen lebte fortan in Symbiose mit den vielen Pflanzen, Organismen und Lebewesen des schwarzen Waldes. Es war ein Nehmen und Geben. Es ernährte sich von Genießbarem und mied unverträgliches und giftiges Futter. Mit seinem Kot düngte es den Waldboden, in seinem Fell trug es die Samen der Pflanzen zu neuen fruchtbaren Standorten. Schutz vor schlechtem Wetter fand es in Höhlen oder unter Bäumen.
Spätestens beim ersten Schnee wäre das Pferd wohl bald verhungert oder vielleicht erfroren, wäre es ohne die Hilfe der Elfen, Feen und der anderen Tiere gewesen.

Um der Freiheit Willen, musste das namenlose Fohlen, das inzwischen zu einem wundervollen Ross herangewachsen war, ständig vor den Menschen auf der Flucht sein. Das war ein hoher Preis für die Freiheit. Der erste Winter, den das Fohlen im Wald verbracht hatte, war eisig gewesen und hatte sehr lang gedauert. Zu Anfang freute sich das weiße Ross über die Schneeflocken. Die schneebedeckten Hügel, Sträucher und Bäume boten ihm eine gute Tarnung. Je länger der Winter aber andauerte um so mehr darbte das arme Tier und es fror bitterlich. Doch wie durch ein Wunder überlebte das Pferdchen, das im Frühjahr zu kränkeln begonnen hatte. Die Fee Flügelschlag vom Schmetterlingsklan hatte ihm von den ersten sonnenerwärmten Tautropfen zu trinken gegeben und das Pferd war wieder zu Kräften gekommen.

Als es dann Frühling geworden war, kamen viele Menschen in den Wald und das Ross lebte in ständiger Angst, entdeckt und eingefangen zu werden.

„Ach wäre ich doch ein Baum.“ wünschte sich das Pferd an einem Tag im Herbst unbedacht.
„Dann bräuchte ich nicht mehr auf der Flucht zu sein. Ein Ende hätte es mit der Rastlosigkeit und der Furcht. Ich bräuchte nicht mehr springen, könnte einfach stehen bleiben. Das wäre wirklich wunderbar.“

Kaum hatte das Ross diesen Wunsch ausgesprochen, tat sich die Erde auf. Ein Wirbelwind umkreiste das überraschte Tier und saugte es höher und höher in die Luft.
"Zeig mir den Weg in die Freiheit. Gib mir ein Zeichen, leuchte mir.“
rief das verängstigte Pferd nach der kleinen Fee. Hoch über dem schwarzen Wald begriff das Ross, es hatte einen jener Wünsche ausgesprochen, die erhört werden und die sich erfüllen.
Der Erdenzauber zur Wunscherfüllung war übermächtig und der orkanartige Wind tosend laut gewesen. Die kleine Fee Flügelschlag konnte das Rufen des Rosses in solchem Getöse unmöglich hören. Im Auge des Wirbels verwandelte sich das vierbeinige weiße Tier in einen Baum mit vier kräftigen Wurzeln und einen Stamm überzogen mit fellartigen Flechten. Im Stamm des Wunschbaumes war gut getarnt, der Pferdekopf mit einer langen Flechtenmähne kaum zu erkennen. Erst als der Wirbel die Wurzeln des Baumes, der gerade noch ein Ross gewesen war, tief in die Erde getrieben hatte, zischte der Zauberwind auf und davon. Als der Spuk vorüber war, kamen viele Neugierige an den Ort der Verwandlung. Die Fee Flügelschlag war eine der ersten Besucherinnen. Sie machte sich große Vorwürfe, dass sie das unerfahrene Fohlen nicht genug gewarnt hatte vor unüberlegtem Wunschdenken. Sie erkannte das freiheitsliebende Ross im sprachlosen Baum wieder und streichelte es sanft. Ihr hatte das Wesen in seiner früheren Gestalt besser gefallen, aber es war ihr nicht möglich den Zauber rückgängig zu machen. 
Das verwunschene Ross war nie allein. Es hatte sich bald an seine neue Gestalt gewöhnt, die Vorteile des Baumseins zu schätzen gelernt und die Nachteile im Rückblick auf das was es vor der Verwandlung gewesen war akzeptieren gelernt. Für seine Freunde streckte der Rossbaum seine Zweige weit aus, spendete ihnen Schatten und denen die auf der Flucht waren bot er gute Verstecke. Noch heute flattern die Schmetterlingsfeen um den Rossbaum, dessen Flechtenfell dicht geworden ist. Das üppige Flechtenwachstum zeigt an, dass die Luftqualität im Schwarzwald sehr hoch ist  und dass sich das verzauberte Ross dort wohl fühlt.

Die Holzschnitzer erzählten sich besonders an den Winterabenden die Geschichte vom Fohlen, das sich nicht domestizieren lassen wollte und das im schwarzen Wald am Rande der Wutachschlucht, als es übereilt einen Wunsch ausgesprochen hatte, seine ruhelose tierische Gestalt in einem Wirbelsturm verloren hatte.


EIN WEISSES SCHAUKELPFERD
aus Holz geschnitzt erinnert an das verzauberte RossBaumgesicht.








Schaukle bloß nicht zu wild - in die winterliche Weihnachts-Nacht. Wenn du so auf einem Holzpferd wippst, dann wünsch dir was, doch gebe Acht.

Bevor man einen Wunsch ausspricht, sollte man sich stets gut überlegen, was man denn wirklich will, denn Wünsche sind wie Schwingungen, die sich ausdehnen und die auch ganz ohne Zauber Veränderung bringen können, schon wenn sie nur erdacht‘...

text & fotos: © johanna Zentgraf


Montag, 20. Dezember 2010

BAUMGESICHT - TEDDY CLAUDIUS


BAUMGESICHT
TEDDY CLAUDIUS
mit der Augenbinde





Beim übermütigen Spiel, da flog in einem hohen Bogen ein Holz und landete nicht dort, wo's hätte landen sollen.
Das Wurfgeschoss, es traf
- oh Schreck -
den Teddy Claudius, der nichts ahnend in der Flugbahn stand und der das Unheil auch nicht kommen sah. Welch ein Pech.
Der getroffene Teddy, der Werfer, und die Zeugen des Unglücks erstarrten fast und konnten nicht begreifen, was da geschehen war.
Welch Glück im Unglück, des Teddys Auge war verschont geblieben. Knapp vorbei am Auge, hatte der Querschläger den Claudius mitten ins Gesicht am linken Jochbein hart getroffen.
Zusehends wuchs in Teddys BaumGesicht eine unglaublich große rote Beule,
und die tat weh und wie ...
Die Stelle schwoll, das Auge schien hinter dem Beulenberg in einer Höhle zu verschwinden. Eine Quelle sprudelte. Es flossen ein paar Tränen. Doch tapfer wischte Teddy Claudius die kullernden Tränen weg. Er tröstete sich selbst und auch den Werfer, der ihn ja nicht hatte treffen wollen und dem das, was er angerichtet hatte, aus tiefstem Herzen unendlich leid nun tat. Doch wie niemand die Zeit zurückdrehen konnte, so konnte leider auch das Geschehene nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Über Claudius’s Lippen kam kein Wort der Schuldzuweisung oder des Vorwurfes.
„Es hätte schlimmer kommen können.“ sagte der Teddy nur
und das bewies, wie stark und großherzig der kleine tapfere Teddy Claudius war.

Geschützt hinter einem Verband verbarg der Teddy seine Beule. Er salbte sie und legte auf die Wunde feuchte Beutel auf, mit Tee gefüllt. Trotz aller Bemühungen den Heilungsprozess zu forcieren schwoll die Beule viel zu langsam ab. So musste Claudius zum Arzt und der punktierte dann die leuchtend-rote Stelle in Teddys BaumGesicht.

An jedem Morgen erschrak seit diesem Tag der Claudius - vor dem, was er im See erblickte, wenn er sich darin spiegelte. In seinem Spiegelbild erkannte er sich kaum wieder.
In den nächsten Tagen ging die Beule zwar nach und nach zurück, doch nun verfärbte sich die getroffene Stelle: Erst rot, dann blau und lila, später blau-grün, gelb und auch braun - Teddys linke Gesichtshälfte wurde kunterbunt.
Die ihn so sahen und von der Ursache seiner Verletzung nichts wussten, blieben betroffen stumm und fragten Teddy nicht nach dem „Warum?“ Sie fragten nicht, aus Furcht zu indiskret zu sein und an eine tragische Situation zu erinnern, die nach ihren Vorstellungen zu einem blauen Auge hätte geführt haben können. Sie vermieden es strikt, das Thema anzusprechen um den Teddy nicht in Erklärungsnöte zu bringen. Der Teddy ahnte wohl, was jene dachten, die so taten, als würden sie die unmöglich übersehbaren Verfärbungen in seinem Gesicht überhaupt nicht einmal bemerken. 

Teddy Claudius wünschte sich so sehr:
„Hoffentlich heilt die verletzte Stelle bald gut ab und es bleibt nichts zurück.“

Die Kälte und der Frost waren beim Heilungsprozess nicht eben förderlich. Tag um Tag verging.
Wie lange zog sich das nur hin mit dieser dummen Beule?
„Bis vom Unfall endlich einmal nichts mehr zu sehen sein wird, bekomme ich ja weiße Haare.“
so sprach der Teddy.

Und siehe da, am nächsten Morgen waren sie lang und weiß - des Teddys Haare, zwar nur vom Schnee, doch immerhin.

Im Frühling spätestens hoffentlich, da kann der Teddy Claudius endlich wieder lachen und an sein Pech erinnert bald nichts, außer Fotos und Erzählungen.
Das hoffe und das wünsche ich.
Was dem Teddy Claudius geschah, das stellt ein Gleichnis dar.
Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind leider nicht ganz zufällig. Darum achtet gut, wenn ausgelassen ihr tollt, dass vor lauter Übermut euch selbst nicht und auch keinem Anderen versehentlich irgendein Leid geschieht.

© johanna zentgraf

Freitag, 3. Dezember 2010

BAUMGESTALT - MÄNNEKEN STRULL


WITZIGE BAUMGESTALT
MÄNNEKEN STRULL 
Die BuchenBaumGestalt
aus Dillingen-Saar / Deutschland

WIE DIE NASE 
DES MANNES
SO SEIN JOHANNES... 





fotos & text 2010-12-02: © johanna zentgraf



Donnerstag, 25. November 2010

BAUMGESICHT - HIRSCHDÄMON GIERSCHLUND


HIRSCHDÄMON GIERSCHLUND
Das Baumgesicht des 1000jährigen Eichentorso
am Schwielowsee in Ferch / Brandenburg

In einer Zeit, als die Gierigen und geizig Geilen in ihrer unermesslichen Ausbeutermanier die Ressourcen ihrer Umwelt schneller aufbrauchten, als diese nachwachsen konnten, gewannen die Dämonen der Finsternis zunehmend an Macht. Nicht zu glauben, wo sie überall insgeheim ihr Unwesen trieben. Zu Anfang nahm sie kaum jemand wahr. 

Erst als die Sensationslust all die anderen Lüste übertraf, waren die Dämonen ständig in den Schlagzeilen, und nach und nach bemerkten nur noch Diejenigen, die nicht so leicht zu täuschen oder zu manipulieren waren, dass die platten grölenden Parolen der düsteren Gesellen zu verbreiteten Schlagworten wurden und bald machtvoll genug geworden waren um das Denken und Handeln Vieler stark zu beeinflussen. Die Wenigen, die die dämonische Verderbtheit aufzudecken gesucht hatten und vor den Gefahren eines unverantwortlichen Denkens und Handels gewarnt hatten, wurden kaum erhört. Lauthals wurden ihre Argumente übertönt.


NUR SELTEN SCHREIT DIE VERNUNFT

Im rauschenden Lärm, den die ständig anwachsende Industrialisierung mit sich gebracht hatte, begannen die Sinne der Menschen zu verkümmern. Feinfühligkeit blieb auf der Strecke im wilden Gerangel um eine Position, die es ermöglichen sollte, zu leben oder wenigstens zu überleben. Alle rannten dem schnödesten aller Mammons dem Geld hinterher, das sich als Hauptzahlungsmittel durchgesetzt hatte. Für alles, was man benötigte oder vermeintlich brauchte, musste man mit dieser Währung zahlen. Jedwedes hatte plötzlich einen Preis, der oft nicht einmal in einem realen Verhältnis zum Warenwert stand und der je nach Nachfrage meist auch noch fortwährend stieg. Selbst das Wasser - der Quell allen irdischen Lebens, das allen Lebewesen frei zur Verfügung gestanden hatte, wurde zur Handelsware, wurde in Flaschen gefüllt und kreuz und quer durch die Lande transportiert und das kostete. Das kostete … und nicht nur Geld. Es gab schon besorgte Befürchtungen, dass eines Tages auch die Luft - zum Atmen in Tüten gefüllt werden könnte und nur noch gegen Geld zu erwerben sein würde. Was für eine Prognose. Wie furchtbar würde solch eine Zukunft sein.

Wer Geld besaß, der suchte dieses ständig zu vermehren. Den Reichen schien die Armut derer, die wenig oder keinen Besitz hatten, kaum zu scheren. Teilen, Fairness und Freundlichkeit waren längst aus der Mode, waren völlig „out“, stattdessen waren Korruption, Skrupellosigkeit, Missgunst, Mobbing und Geiz jetzt „in“.

Das Schlimmste aber war, das die meisten Menschen das alles so hinnahmen und aus Bequemlichkeit die Eigenverantwortung gern abgaben und eine Fernbestimmung akzeptierten. Unter dem steigenden Druck der Anpassung und der Furcht in Armut geraten zu können gaben die Menschen viele ihrer Werte und Tugenden auf. Sie krümmten sich und sie buckelten, für dies und das, für lauter Dinge, die sie wenn überhaupt nur kurzzeitig glücklich machten. Dinge die sie meist in Abhängigkeiten trieben, in denen sie dann hängen blieben. 
Haben, haben – mehr und mehr… Die Frage nach dem Sein, stellte kaum noch ein Mensch, denn die Menschheit war verblendet vom Schein und den falschen Verheißungen.

Es war eine Zeit voller Ungeduld. Das „Gut – Ding“ Weile haben will, wurde gänzlich außer Acht gelassen. Weil vermeintlich zu teuer, wurden immer seltener der eigentlich nötige Einsatz und die Zeit aufgebracht, für eine gute Qualität und zukunftsorientierte Herstellung von Produkten. Alles sollte schnell gehen. Im Schnäppchenrausch wurde alles billig und billiger. Billig im wahren Sinne des Wortes – alles hatte immer weniger Wert. Kaum Jemand wollte noch einen angemessenen Preis zahlen und sie merkten nicht, dass dann auch bald nichts und niemand mehr angemessen bezahlt werden können würde. 







Diejenigen die den Schlund nicht voll genug bekamen, nahmen alles, was sie kriegen konnten und das so schnell es nur eben ging. Sie beachteten nicht, welche Auswirkungen ihre Gier haben würde. 


DIE GIER FRAGT NICHT NACH MORGEN

Mit aufwendigsten Werbe-Kampagnen wurde Bedürfnisse geweckt, für lauter Zeug, das niemand wirklich braucht, doch alle haben wollen, weil der Nachbar es auch hat oder aus ähnlich kuriosen Gründen. 

Erst als der Müll sich vor der eignen Haustür stapelte, dachten die Menschen darüber nach, wie sie ihn los werden könnten.

„Bring doch mal den Müll hinunter.“ 
„Wie??? Von der Erde???“
„Ach das geht ja nicht!“

So luden sie den Müll vor fremden Türen ab, was ständig mächtig Ärger gab und keine Lösung war. Doch produziert wurde fleißig weiter. Solang damit Geld zu machen war, war fast jedes Mittel recht bis hin zum Etikettenschwindel.

Fast unbemerkt in der Flut unübersichtlicher Informationen wurde den Menschen zu spät bewusst: 
  • Das hochangesehene Verbrecher die Gewässer leer fischten, noch bevor die Fische genug Zeit zur Vermehrung oder Aufzucht ihrer Nachkommen gehabt hatten. 
  • Das Wälder gerodet und nicht schnell genug nachgepflanzt wurden, um ein ökologisches Gleichgewicht halten. 
  • Das Lebens- oder Futtermittel eingestampft und vernichtet wurden, während anderer Orts die Menschen hungerten, nur aus dem frevelhaften Grund um die Preise zu halten. 
Unter manchem Deckmantel verbargen sich so viele folgenschwere Fehler, das es immer komplizierter wurde die Ursachen zu erkennen. 
Die Dämonen der Verwirrung klatschten in die Hände.
Die Dummheit hatte Hochkonjunktur und darum wundert es nicht, dass die Ausgaben für Kinder, für Bildung und Wissenschaft ständig gekürzt wurden.
Der klare Menschenverstand war eingetrübt. 
Unsicherheit und Zukunftsangst hatten sich breit gemacht.

Erschrocken sah die altersschwache Eiche zu, wie an Ästen gesägt wurde, auf denen man gerade noch gesessen hatte. 
Sie hatte so viel schon gesehen in den letzten 1000 Jahren, die sie am schönen Schwielowsee in Brandenburg gestanden hatte. Oft hatte sie Blätter schüttelnd über Ereignisse gegrübelt, die sie nicht verstehen konnte. 


In ihrem hohen Alter waren ihr nur noch wenige Blätter geblieben. Gebrechlich und bitter war sie geworden. Ein gefräßiger Dämon war in ihren geschundenen Stamm eingezogen. Sie hatte nicht mehr die Kraft besessen, sich gegen diesen Dämon in Hirschgestalt zu wehren. Wo die Eiche früher eine herrliche Krone gehabt hatte, beherrschte jetzt der Dämon den Eichentorso. Die Kopflose trug nun den Hirschdämonenschädel statt ihres Eichenhauptes. Der Schlund des Dämons war riesig und er verschlang einfach alles.


Kaum hatte der röhrende Dämon von der alten Eiche Besitz ergriffen, beraubte er die Eiche um deren Verstand. Mit dem Dämon hatten auch andere Parasiten Einzug in die Eiche gehalten. Gleichnishaft schritten Fäulnis und Verfall schnell voran. Die Menschen trennten die Äste und Teile des hohlen Stammes, die morsch und von Würmern durchlöchert waren, vom Eichenstamm.












DIE ZEICHEN DER 1000jährigen EICHE 
aus Ferch in Brandenburg

Mit letzter Kraft versuchte die alte Eiche Zeichen zu setzten, solang sie noch bei klarem Verstand gewesen war.
Ich entdeckte am Boden liegend in einer Baumscheibe der beschnittenen Eiche drei wurmgezeichnete BaumGesichter die ausdrucksstark protestierten gegen die dämonische Vorherrschaft.


„AUWEIH“ klagte eines dieser Gesichter 
und voller Ekel vor der maßlosen Gier der Dämonen machte ein zweites Gesicht „BÄ“
Das Dritte der WurmStrichGesichter sagte: „NÖ“ und meinte „NEIN“.


DER AUFSCHREI
Das dramatischste der Zeichen, das die Eiche gab, als sie noch wachen Sinnes war, entdeckte ich am Fuße der Veteranin. In einer der abgetrennten Baumscheiben der 1000jährigen Eiche erkannte ich den Aufschrei eines Babys. 


Sollten es nicht unsere Kinder einmal besser haben als wir? Wie soll das gehen, wenn die Menschheit verlernt hat, was wirklich wichtig ist.

„Haltet doch einmal kurz inne und überdenkt euer Handeln, lasst euch nicht von den Dämonen in die Irre führen. Bemerkt ihr denn nicht, der dämonische Mammon hat so viel Unheil schon gebracht. 

Die Urgroßväter sind im Krieg gefallen. 
Die Großmütter habt ihr verkauft, 
doch hört der Mammon längst nicht auf. 
Der Müll quillt aus den Ohren ihm. 
Er spuckt und speit. 
Er greift nach eurer Würde – verteidigt sie! 
Dämonen lauern überall. Sie reißen ihre Kernkraft-Mäuler auf. Gebt ihr nicht Acht, dann fressen sie bald eure Kinder auf.“ 

Der Aufschrei schallt weit übern See, 
Kein Echo gibt es. Er verhallt.

Und während die Menschheit ihre Dämonen hätschelt und schützt, schließen diese schon Wetten ab. Sie spielen ihr falsches Spiel und wetten darum, wann sich die Menschen endlich selbst ausgerottet haben.

Du arme alte Mutter Eiche aus Ferch ich danke Dir für Deine weisenden Zeichen. Ich sah sie und ich deutete sie und mache meine Mitmenschen aufmerksam. Wohl wissend das nur Wenige die Sprache der altehrwürdigen Bäume verstehen.

Dein Dämon hat ein charakteristisches, ein böses Gesicht. Du zeigst ihn uns. Nicht viele dieser Art sind so leicht zu erkennen. Doch gerade ihre Entlarvung ist zwingend nötig, bevor sich die ausgekochten Verführer etablieren und ihre Umgebung verblenden und verstahlen. 
Um unserer Kinder und unserer Kindes Kinder Willen hoffe ich, die Menschen hören auf Dich, Du weiser uralter Baum, und halten nach deinem Rat die zerstörerischen Dämonen im Zaum, damit diese nicht mächtiger werden und andere Lebewesen  knechten.

fotos & Text 2010: © johanna zentgraf




Donnerstag, 11. November 2010

BAUMGESICHT - HÜNDCHEN FLOPPY KLEIN


HÜNDCHEN FLOPPY
DAS PAPPELBAUMGESICHT
aus Mattersburg / Österreich
Wenn Herbst es wird und bunte Blätter durch die Lüfte tanzen,
dann ist das Hündchen Floppy Klein ganz außer Rand und Band.
Von einem Pfötchen auf das Andere hüpft es und schnappt nach manchem fallend‘ Blatt.





Blickt ab und an der Welpe den Baumstamm hinauf zum Baumes Wipfel und sieht den kahlen Baum, dann fragt er sich:
„Wieso denn bloß, wieso verlieren, wenn es kühler wird, fast alle Bäume ihre Blätter?“
Die wundervolle Farbenpracht im Herbst ist meist von viel zu kurzer Dauer. Ihr folgt das ahnt klein Floppy schon, so wie im Letzten und im Jahr zuvor eine triste, trübe Zeit. Eine Jahreszeit so Regen- und auch Nebelreich, dass an manchen Tagen solch ungemütliches Wetter ist, an denen die Menschen gerne sagen:
„Bei diesem scheußlichen Wetter da möchte man nicht einmal einen Hund vor die Türe jagen.“ 
– und das obwohl Hunde zu gerne Gassi gehen.
Floppy, das Mischlingshündchen vom Pappel-Stamm aus dem österreichischen Mattersburg, ist kein Trauerkloß. Schlechtes Wetter - so etwas gibt es für Floppy nicht,
„…nur trübsinnige Stimmungen oder falsche Kleidung…“ bellt er. 
Selbst wenn der November immer grau und grauer wird, mag Floppy diesen Monat gern.



AM 11.11. IST MARTINSTAG 

Bevor die letzten Blätter fallen, 
beginnt am 11. 11. um 11:11 Uhr die kunterbunte Faschingszeit. 
An einem Martinstag hat Floppy sich was ausgedacht. „Wenn‘s draußen grauer wird, dann verkleide ich mich und trage in der Karnevalszeit Kostüme in leuchtenden schönen Farben.“
Für jeden Tag der Woche 
hat Floppy Klein sich einen Zipfelhut gefärbt, der schützt ihn vor Wind, vor Regen und auch vor Schnee und steht ihm wirklich gut.

MO  Jeden Montag setzt Floppy seine blaue Zipfelmütze auf.
DI  Dienstags trägt er den orange-farbigen Hut.
MI     Für Mittwochs wählt Floppy einen Grünen aus.
DO  Am Donnerstag da leuchtet es von seinem Köpfchen rot.
FR   Freitags ist dann die gelbe Zipfelmütze dran.
SA   Am Samstag - auch sehr schön, kann man den Floppy mit einer lila Mütze sehen.

SO  Und für den Sonntag vorbehalten hat er den weißen Zipfelhut.


















Mit seinen Zipfelmützen so farbenfroh sieht Floppy nicht nur gut aus,
er fühlt sich auch so.
Vom 11. November bis Aschermittwoch (bis Februar oder manchmal auch bis März)
die ganze Fastnachtszeit trägt Floppy Klein tagtäglich eine andersfarbige Zipfelmütze. 
Nach Aschermittwoch wird es bald Frühling,
dann braucht das Hündchen seine Kopfbedeckung nicht und auch im Sommer,
ist diese nicht von Nöten. 
In den milden und warmen Jahreszeiten tragen auch die Bäume wieder neue Blätter,
die bieten Schutz vor Regen, aber auch vor zu starken Sonnenstrahlen.

fotos & Text 2009/2010: © johanna zentgraf