Freitag, 31. Dezember 2010

BAUMGESICHT - VERZAUBERTES ROSS


BAUMGESICHT
VERZAUBERTES ROSS
von der Wutachschlucht im Schwarzwald








Im märchenhaften schwarzen Wald da lebte einst ein Fohlen.
Das war ein ganz besonders schönes Pferd. Wie wild war es und ungestüm. Wenn das junge wilde Pferd durch seine Koppel sprang und übermütig Haken schlug, wehten im frischen Morgenwind seine helle, prachtvoll glänzende Mähne und sein langer weißer Schweif.
Das Fohlen war so gänzlich unbeschwert. Mit seinem frohen Sinn da zog es all die guten Energien aus seinem Umfeld förmlich an.
Wenn das schneeweiße Fohlen über die Wiese lief, da streichelte der Wind sein Fell, die Sonne wärmte es, ja selbst das Gras es neigte sich und bildete einen weichen Teppich unter des Fohlens Hufenschlag. Die Quelle plätscherte ihr Wassertropfenlied und all die Vöglein in den Bäumen und in der Luft, die stimmten ein, wenn das Pferd zur Tränke kam. Selbst an verregneten, kühlen und tristen Tragen vertrieb mit seinem frohen Gemüt, das Fohlen alle trüben Gedanken. Denn schon am frühen Morgen begrüßte es den Tag und überlegte sich, womit es die neuen Chancen nutzen könnte, das Wunder Leben, auszukosten. Die Ideen, die es dann hatte, die teilte das Pferde-Kind mit allen seinen Freunden. Manchmal folgten sie ihm einfach nur, aber richtig toll wurden die Tage, an denen auch die Freunde mit ihren Einfällen den Tag herausforderten und sie alle dann gemeinsam die Früchte ihrer Aktivitäten ernten konnten.

Die Zeit verstrich und der alte Bauer, der das Fohlen aufgezogen hatte, kam immer seltener zur Weide und wenn er kam, dann tief gebückt, gestützt auf einen Stock. Auf der alten Holzbank saß der Bauer dann und träumte von den vergangenen Zeiten. Er verfolgte das frohe Treiben der Tiere und Pflanzen in der friedlichen Natur.
Die Kraft, die er daraus zog, hatte ihm viele erfüllte Lebensjahre geschenkt.
Aber in der Welten Lauf gibt es eine Lebensuhr und für jedes Lebewesen ist ein Zeitraum vorgeschrieben. Ist diese Zeit dann abgelaufen, hört dessen Uhr zu ticken auf. Eines Nachts da schlug auch des Bauern Stunde und der alte Bauer atmete ein letztes mal.
Fern von aller Zivilisation, das war die Tragödie, war der Bauer, Witwer ohne Kind und Kindeskinder, hingeschieden ohne jemanden im Leben seine Güter und sein Vermächtnis anvertraut zu haben.
Ab dieser dunklen Stunde warteten des verstorbenen Bauern Tiere vergebens auf ihr Fressen, ihre Pflege und auf des Bauern Herzlichkeit.

Fremde Menschen kamen seiner statt, raue schroffe Menschen, die von Profit und Gewinn schwafelten und wirklich keinen Blick für das natürlich Kostbare hatten.

Was das Fohlen nie zuvor kannte, Zügel und der Peitsche pfeifen, musste es jetzt oft ertragen.
"Nein, nein, nein !!! " das Pferdchen wusste wohl: "Dass wir leiden müssen, dafür sind wir Lebewesen wahrlich nicht geschaffen" und es bäumte sich dagegen auf, wenn ein Mensch mit Macht ihm versuchte seinen Willen aufzuzwingen.


FREI BIN ICH GEBOREN UND DAS BLEIBE ICH.
Niemand hat das Recht mich zu beugen,
weil er glaubt er hätte macht.

Und bevor der letzte Riegel und das letzte Schloss am unüberwindlichen Zaun der Koppel angebracht wurden, nutzte das wilde Fohlenjunge eine unachtsame Sekunde, preschte durch eine Zaunlücke und floh im wilden Galopp in den tiefen schwarzen Wald. Gut wusste sich das Fohlen zu verbergen, als die Menschen mit ihren Hunden nach ihm suchend den Forst durchkämmten.

In der allerersten Nacht in der freien Wildnis hatte das Fohlen großes Glück. Die winzige Fee Flügelschlag hatte das Trampeln des Tieres nach anstrengender Flucht vernommen. 

Als das Fohlen etwas verschnaufen wollte, zeigte sie sich ihm in ihrer bezaubernden zarten Gestalt, deren nur ihr verwandte freie Seelen gewahr werden konnten. 
Weiß war die kleine Fee aus dem Schmetterlingsklan, weiß wie das junge Pferd. Das Fohlen, ein Seelenverwandter, war überwältigt von der Erscheinung der Fee. 


Die Schmetterlingsfee wies Fohlen ein gutes Versteck und gab ihm ihr Mantra, ihren Zauberspruch, mit auf den Weg:

"Zeig mir den Weg in die Freiheit. Gib mir ein Zeichen, leuchte mir.“

Diese Worte bräuchte das Pferd nur zu denken oder zu flüstern, wenn es den Rat oder die Hilfe der Fee nötig hätte, dann würde sie ihm zu Hilfe eilen. Nicht allein zu sein, tröstete das junge Pferd, denn seinen guten alten Bauern, den vermisste es so sehr und es trauerte um ihn. Das Fohlen hatte nicht hungrig einschlafen müssen, denn es gab in der sommerlichen Jahreszeit genug Nahrung im Wald, auf den Feldern und den Wiesen.

Schon immer hatte das Fohlen gern und mit großem Fleiß Sprachen, Laute und Zeichen von vielen Lebewesen zu verstehen gelernt. Das half ihm in der fremden Umgebung sehr. Es lauschte dem Wald seine Geheimnisse ab.

Das Fohlen lebte fortan in Symbiose mit den vielen Pflanzen, Organismen und Lebewesen des schwarzen Waldes. Es war ein Nehmen und Geben. Es ernährte sich von Genießbarem und mied unverträgliches und giftiges Futter. Mit seinem Kot düngte es den Waldboden, in seinem Fell trug es die Samen der Pflanzen zu neuen fruchtbaren Standorten. Schutz vor schlechtem Wetter fand es in Höhlen oder unter Bäumen.
Spätestens beim ersten Schnee wäre das Pferd wohl bald verhungert oder vielleicht erfroren, wäre es ohne die Hilfe der Elfen, Feen und der anderen Tiere gewesen.

Um der Freiheit Willen, musste das namenlose Fohlen, das inzwischen zu einem wundervollen Ross herangewachsen war, ständig vor den Menschen auf der Flucht sein. Das war ein hoher Preis für die Freiheit. Der erste Winter, den das Fohlen im Wald verbracht hatte, war eisig gewesen und hatte sehr lang gedauert. Zu Anfang freute sich das weiße Ross über die Schneeflocken. Die schneebedeckten Hügel, Sträucher und Bäume boten ihm eine gute Tarnung. Je länger der Winter aber andauerte um so mehr darbte das arme Tier und es fror bitterlich. Doch wie durch ein Wunder überlebte das Pferdchen, das im Frühjahr zu kränkeln begonnen hatte. Die Fee Flügelschlag vom Schmetterlingsklan hatte ihm von den ersten sonnenerwärmten Tautropfen zu trinken gegeben und das Pferd war wieder zu Kräften gekommen.

Als es dann Frühling geworden war, kamen viele Menschen in den Wald und das Ross lebte in ständiger Angst, entdeckt und eingefangen zu werden.

„Ach wäre ich doch ein Baum.“ wünschte sich das Pferd an einem Tag im Herbst unbedacht.
„Dann bräuchte ich nicht mehr auf der Flucht zu sein. Ein Ende hätte es mit der Rastlosigkeit und der Furcht. Ich bräuchte nicht mehr springen, könnte einfach stehen bleiben. Das wäre wirklich wunderbar.“

Kaum hatte das Ross diesen Wunsch ausgesprochen, tat sich die Erde auf. Ein Wirbelwind umkreiste das überraschte Tier und saugte es höher und höher in die Luft.
"Zeig mir den Weg in die Freiheit. Gib mir ein Zeichen, leuchte mir.“
rief das verängstigte Pferd nach der kleinen Fee. Hoch über dem schwarzen Wald begriff das Ross, es hatte einen jener Wünsche ausgesprochen, die erhört werden und die sich erfüllen.
Der Erdenzauber zur Wunscherfüllung war übermächtig und der orkanartige Wind tosend laut gewesen. Die kleine Fee Flügelschlag konnte das Rufen des Rosses in solchem Getöse unmöglich hören. Im Auge des Wirbels verwandelte sich das vierbeinige weiße Tier in einen Baum mit vier kräftigen Wurzeln und einen Stamm überzogen mit fellartigen Flechten. Im Stamm des Wunschbaumes war gut getarnt, der Pferdekopf mit einer langen Flechtenmähne kaum zu erkennen. Erst als der Wirbel die Wurzeln des Baumes, der gerade noch ein Ross gewesen war, tief in die Erde getrieben hatte, zischte der Zauberwind auf und davon. Als der Spuk vorüber war, kamen viele Neugierige an den Ort der Verwandlung. Die Fee Flügelschlag war eine der ersten Besucherinnen. Sie machte sich große Vorwürfe, dass sie das unerfahrene Fohlen nicht genug gewarnt hatte vor unüberlegtem Wunschdenken. Sie erkannte das freiheitsliebende Ross im sprachlosen Baum wieder und streichelte es sanft. Ihr hatte das Wesen in seiner früheren Gestalt besser gefallen, aber es war ihr nicht möglich den Zauber rückgängig zu machen. 
Das verwunschene Ross war nie allein. Es hatte sich bald an seine neue Gestalt gewöhnt, die Vorteile des Baumseins zu schätzen gelernt und die Nachteile im Rückblick auf das was es vor der Verwandlung gewesen war akzeptieren gelernt. Für seine Freunde streckte der Rossbaum seine Zweige weit aus, spendete ihnen Schatten und denen die auf der Flucht waren bot er gute Verstecke. Noch heute flattern die Schmetterlingsfeen um den Rossbaum, dessen Flechtenfell dicht geworden ist. Das üppige Flechtenwachstum zeigt an, dass die Luftqualität im Schwarzwald sehr hoch ist  und dass sich das verzauberte Ross dort wohl fühlt.

Die Holzschnitzer erzählten sich besonders an den Winterabenden die Geschichte vom Fohlen, das sich nicht domestizieren lassen wollte und das im schwarzen Wald am Rande der Wutachschlucht, als es übereilt einen Wunsch ausgesprochen hatte, seine ruhelose tierische Gestalt in einem Wirbelsturm verloren hatte.


EIN WEISSES SCHAUKELPFERD
aus Holz geschnitzt erinnert an das verzauberte RossBaumgesicht.








Schaukle bloß nicht zu wild - in die winterliche Weihnachts-Nacht. Wenn du so auf einem Holzpferd wippst, dann wünsch dir was, doch gebe Acht.

Bevor man einen Wunsch ausspricht, sollte man sich stets gut überlegen, was man denn wirklich will, denn Wünsche sind wie Schwingungen, die sich ausdehnen und die auch ganz ohne Zauber Veränderung bringen können, schon wenn sie nur erdacht‘...

text & fotos: © johanna Zentgraf


Montag, 20. Dezember 2010

BAUMGESICHT - TEDDY CLAUDIUS


BAUMGESICHT
TEDDY CLAUDIUS
mit der Augenbinde





Beim übermütigen Spiel, da flog in einem hohen Bogen ein Holz und landete nicht dort, wo's hätte landen sollen.
Das Wurfgeschoss, es traf
- oh Schreck -
den Teddy Claudius, der nichts ahnend in der Flugbahn stand und der das Unheil auch nicht kommen sah. Welch ein Pech.
Der getroffene Teddy, der Werfer, und die Zeugen des Unglücks erstarrten fast und konnten nicht begreifen, was da geschehen war.
Welch Glück im Unglück, des Teddys Auge war verschont geblieben. Knapp vorbei am Auge, hatte der Querschläger den Claudius mitten ins Gesicht am linken Jochbein hart getroffen.
Zusehends wuchs in Teddys BaumGesicht eine unglaublich große rote Beule,
und die tat weh und wie ...
Die Stelle schwoll, das Auge schien hinter dem Beulenberg in einer Höhle zu verschwinden. Eine Quelle sprudelte. Es flossen ein paar Tränen. Doch tapfer wischte Teddy Claudius die kullernden Tränen weg. Er tröstete sich selbst und auch den Werfer, der ihn ja nicht hatte treffen wollen und dem das, was er angerichtet hatte, aus tiefstem Herzen unendlich leid nun tat. Doch wie niemand die Zeit zurückdrehen konnte, so konnte leider auch das Geschehene nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Über Claudius’s Lippen kam kein Wort der Schuldzuweisung oder des Vorwurfes.
„Es hätte schlimmer kommen können.“ sagte der Teddy nur
und das bewies, wie stark und großherzig der kleine tapfere Teddy Claudius war.

Geschützt hinter einem Verband verbarg der Teddy seine Beule. Er salbte sie und legte auf die Wunde feuchte Beutel auf, mit Tee gefüllt. Trotz aller Bemühungen den Heilungsprozess zu forcieren schwoll die Beule viel zu langsam ab. So musste Claudius zum Arzt und der punktierte dann die leuchtend-rote Stelle in Teddys BaumGesicht.

An jedem Morgen erschrak seit diesem Tag der Claudius - vor dem, was er im See erblickte, wenn er sich darin spiegelte. In seinem Spiegelbild erkannte er sich kaum wieder.
In den nächsten Tagen ging die Beule zwar nach und nach zurück, doch nun verfärbte sich die getroffene Stelle: Erst rot, dann blau und lila, später blau-grün, gelb und auch braun - Teddys linke Gesichtshälfte wurde kunterbunt.
Die ihn so sahen und von der Ursache seiner Verletzung nichts wussten, blieben betroffen stumm und fragten Teddy nicht nach dem „Warum?“ Sie fragten nicht, aus Furcht zu indiskret zu sein und an eine tragische Situation zu erinnern, die nach ihren Vorstellungen zu einem blauen Auge hätte geführt haben können. Sie vermieden es strikt, das Thema anzusprechen um den Teddy nicht in Erklärungsnöte zu bringen. Der Teddy ahnte wohl, was jene dachten, die so taten, als würden sie die unmöglich übersehbaren Verfärbungen in seinem Gesicht überhaupt nicht einmal bemerken. 

Teddy Claudius wünschte sich so sehr:
„Hoffentlich heilt die verletzte Stelle bald gut ab und es bleibt nichts zurück.“

Die Kälte und der Frost waren beim Heilungsprozess nicht eben förderlich. Tag um Tag verging.
Wie lange zog sich das nur hin mit dieser dummen Beule?
„Bis vom Unfall endlich einmal nichts mehr zu sehen sein wird, bekomme ich ja weiße Haare.“
so sprach der Teddy.

Und siehe da, am nächsten Morgen waren sie lang und weiß - des Teddys Haare, zwar nur vom Schnee, doch immerhin.

Im Frühling spätestens hoffentlich, da kann der Teddy Claudius endlich wieder lachen und an sein Pech erinnert bald nichts, außer Fotos und Erzählungen.
Das hoffe und das wünsche ich.
Was dem Teddy Claudius geschah, das stellt ein Gleichnis dar.
Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind leider nicht ganz zufällig. Darum achtet gut, wenn ausgelassen ihr tollt, dass vor lauter Übermut euch selbst nicht und auch keinem Anderen versehentlich irgendein Leid geschieht.

© johanna zentgraf

Freitag, 3. Dezember 2010

BAUMGESTALT - MÄNNEKEN STRULL


WITZIGE BAUMGESTALT
MÄNNEKEN STRULL 
Die BuchenBaumGestalt
aus Dillingen-Saar / Deutschland

WIE DIE NASE 
DES MANNES
SO SEIN JOHANNES... 





fotos & text 2010-12-02: © johanna zentgraf