Dienstag, 6. Dezember 2011

BAUMGESTALT - NIKOLAUSI KASTANIEN-KLAUSI

NIKOLAUSI


Stellt Eure Stiefel vor das Haus, 
am 6. Dezember kommt der Nikolaus, es heißt er füllt geputzte Schuhe mit Süßigkeiten aus.

Mit weißem Bart, in rotem Gewand und einer Rute in der Hand 
so kennt ihn jedes Kind. 

Die Braven beschenkt der Nikolaus. Doch gleich mit Prügel droht der strenge Mann, wenn er erkennt, dass Kinder bockig oder ungezogen sind. So manches nicht ganz brave Kind ist froh, muss es ihm nicht begegnen. Das ist jedoch gar nicht so leicht, fast überall stößt man im Dezember auf irgend einen Nikolaus. Verkleidet, aufgeblasen, geschnitzt, gebastelt oder sogar in Schokolade gegossen zeigt sich der Nikolaus auf Schritt und Tritt. Der Nikolaus vom Weihnachtsmarkt und der im Kaufhaus oder ein Virtueller aus dem Internet, versprechen Wünsche zu erfüllen. 
Sie locken mit: 
"Komm wünsch Dir was, such Dir was aus von all den vielen Dingen."
Während der Raum weihnachtlich beschallt und Glöckchen aus den Lautsprechern klingen, hört man und traut doch seinen Ohren kaum:  
"Wünsch Dir was. Wir wissen, was Du brauchst."  
Erst wenn die maskierten Blender hören: 
"Das will ich auch, das muss ich unbedingt haben" 
und wenn das Geld in ihren Kassen klingt, ziehen sie nach Feierabend ihre Verkleidung aus.

Im letzten Monat des Jahres dann verteilten Wünsche-Erfüller all die Gaben, die sich die Kleinen und die Großen bei irgend einem Pseudo-Nikolaus bestellt haben. Meist ist die Freude kurz, weil wer was hat, der möchte nicht selten kurz darauf schon wieder etwas Neueres.

Ich ziehe lieber meine Stiefel an 
und stapfe durch den Wald, 
damit ich mir was ganz Besonderes wünschen kann 
beim kleinen bärtigen KastanienMann. 


NIKOLAUSI KASTANIEN-KLAUSI


Ganz anders ist der kleine Nikolausi Kastanien-Klausi. 
Er ist ein alter, weiser RindenMann und lebt im Wald mit seinem Schaf.
Manches Mal wenn Nikolausi so in Gedanken ist, stolpert er über seinen mächtig langen weißen Bart, der lockig bis zum Boden reicht. Die Rute braucht der Alte nur, um sicherer zu Gehen und sich darauf zu stützen. 
Sein roter Kapuzenmantel wärmt den Nikolausi und breitet er ihn ganz weit aus, dann schützt er andere Lebewesen auch. 
Sein Gaben-Sack ist voll mit guten Wünschen. Der ist ganz leicht. 

Wenn Nikolausi Kastanien-Klausi auf Menschen trifft, dann mahnt er sie zur Ruh. Er sitzt mit ihnen auf einer Bank und hört ihnen wirklich zu. 

Nikolausi nimmt Wünsche gern entgegen. 
Weil er aus langjähriger Erfahrung weiß, wie Wünsche sich erfüllen, rät er als echter Wohltäter dem Wünschenden: 

"Bedenke, bevor Du leichtfertig einen Wunsch aussprichst, er könnte sich erfüllen. Erst wer sein Herz befragt hat, was wirklich für ihn wichtig ist, der sollte sich was wünschen. Manchmal und öfter als man glaubt gehen Wünsche in Erfüllung." 

fotos Cloppenburg 2011-04-25: © johanna zentgraf
text 2011-12-06: © johanna zentgraf




Dienstag, 1. November 2011

BAUMGESICHT - KÜRBIS HALLO-BALLO

HALLOWEEN

DAS BEELITZER - BAUMGESICHT
ein prächtiger hölzerner Kürbis ist, 
doch verwechselt ihn nie,
mit dem orangefarbenen Kürbis, 
der fleischigen Frucht.

Eine Verwechslung, 
besonders zu Halloween, 
die wäre sehr fatal, 
da werden 
nach überliefertem Brauch 
aus Kürbis Laternen geschnitzt.


Der AhornRinden-Kürbis "Hallo-Ballo" gruselt sich 
vor Messern, Sägen und Feuer. Zu Halloween erschreckt ihn nicht.

Solang er bleiben kann was er mag und was er ist,
strahlt der Holz-Kürbis "Hallo-Ballo" 
von innen jeden Tag, ganz ohne Kerzenlicht. 



fotos 2011-08-06 text 2011-10-29: © johanna zentgraf









Freitag, 28. Oktober 2011

BAUMGESTALT - FRÄULEIN BRATWURST


FRÄULEIN BRATWURST 
die Baumstumpf-Gestalt schlägt Wurzeln 
auf dem Wurmberg im Harz 

Fräulein Bratwurst war es leid,
gehänselt wegen ihres Aussehens,
sich all die peinlichen Vergleiche
zu ihrer Gestalt
weiterhin noch anzuhören ...


Auf gar keinen Fall würde sie länger bleiben.
Heimat hin und Heimat her ... 
Sie konnte die dummen Sprüche einfach nicht mehr ertragen.



Frisch angepellt floh eiligst sie aus Thüringen, 
wo alle ständig fragten, ob sie, solch eine aufgequollene Wurst, denn wirklich eine dieser "Echten", der einzigartigen "Original Thüringer Rostbratwürste" sei.
Das leidlich unproportionierte Fräulein Wurst rannte,
es rannte durch den schönen Tannenwald und machte auch im lieblichen Mischwald nicht halt.
" Ich lass mich nicht mit Senf bestreichen, 
bleibt ihr schön unter eures Gleichen." 
Drei Burgen ließ sie hinter sich.


Sie ging den Menschen aus dem Weg,
ließ sich nicht fangen von bissigen Hunden
und auch von schnappenden Brötchen und fliegenden Toast-Scheiben nicht. 
Statt ihrer brutzelten auf den Rosten der Grille überall im Thüringer Land die wohl geformt, die gut gepressten Würste. Das wiederum ärgerte sie nicht.


Als Fräulein Bratwurst an einer überdimensionalen Holzskulptur mit kerzengerader Riesen-Bratwurst vorüber kam, 
wurde dem Bratwurst-Fräulein zum wiederholten Male klar, wie wulstig, wie anders sie doch war, anders als all die vielen makellosen Thüringer Rostbratwürste eben.
Wem sollte sie, diese Verbeulte, je gefallen ? 


Im Harz auf dem Wurmberg, wohin ihr Weg führte, sollte sich vieles ändern für Fräulein Bratwurst.
Ein Single, ein Harzer Käse erwartete sie dort. Er hatte das Fräulein Bratwurst eingeladen. Die Beiden hofften seit ihrem ersten Kontakt auf Freundschaft oder auf mehr.

Was für ein ungleiches Paar kreischten die Hexen und rollten den Harzer Käse übers Plateau auf dem Wurmberg. An Schmäh war der Käse gewohnt, deshalb und aus verschieden anderen Gründen hatte er noch immer keine Frau. Den Meisten mochten zwar seine Würze aber letztlich stank er ihnen dann doch zu sehr.

Als Fräulein Bratwurst endlich am Wurmberg eintraf hauchte der Harzer noch "Wie deftig, wie schön ..." und dann schmolz der Käse dahin.
Sichtlich gerührt und verzweifelt zugleich musste Fräulein Bratwurst ihren einzigen Verehrer zerfließen sehn.

Und ehe noch ihr sein starker Geruch in der Nase stach, da war der Harzer auch schon verduftet. 

Ihr brach es das Herz und all die Hoffnungen auf Zweisamkeit waren dahin. 


Jetzt schlägt auf einem Steine sitzend, das Baumstumpf gewordene Fräulein Bratwurst Wurzeln auf dem Wurmberg, im Harz unweit von Braunlage, an einem Ort "Bratwurst" nach ihr benannt. 

fotos vom Wurmberg 2007-04-11: © detlef otte 
(bearbeitet von johanna zentgraf) 
fotos aus Thüringen:                      © johanna zentgraf
text 2011:                                       © johanna zentgraf  




Sonntag, 25. September 2011

RINDENBAUMGESTALT- KASPERL


KASPERL
Baumgestalt aus Frankenberg/Eder

kasperl gleich, 
schillernd verklungen bist du 
nur für den moment,
dein Auge blind und tief 
und lustvoll dein sammeln,
richtest dich jetzt kerzengerade
und schenkst tanz,
lachen und wildheit.
kasperl gleich.

mm


fotos 2011-03-02: © johanna zentgraf
text 2011-09-24: © markus majowski


Montag, 12. September 2011

BAUMGESICHT - HARALD


BAUMGESICHT HARALD 
aus dem Tiergarten in Hannover 
videoclip johanna zentgraf 
sound sabine menne 



videoclip aufgezeichnet: 2011-05-21 von johanna zentgraf


 
fotos 2011-05-21 / 2011-12-10 / 2012-12-06: © johanna zentgraf & janine löhr


Dienstag, 28. Juni 2011

BAUMGESTALT - SIEBENSCHLÄFER

BAUMGESTALT SIEBE(L)NSCHLÄFER 
Hilchenbach / Nordrhein-Westfalen / Rothaarsteig

Im März 2011 
lag Siebe(l)nschläfer,  der dicke BaumscheibenMann schnarchend im Hilchenbacher Wald. Von den ersten Frühlings-Sonnenstrahlen ließ Siebe(l)nschläfer sich kitzeln und sie wärmen ihn. 


Der dicke Schwabbelbauch vom Siebe(l)nschläfer bewegte sich beim Ein- und Ausatmen meist gleichmäßig, er wippte auf und ab und ab und auf. 

Vor seinem Schlaf im Wald, da war der Siebe(l)nschläfer eingekehrt gewesen. Ein Genießer wie er, der weiß, wo man gut kocht, wo es gut schmeckt. Zur Mittagszeit hatte Siebe(l)nschläfer sich in einem der ältesten Gasthäuser Westfalens - in "STEUBERS SIEBELNHOF" den Magen tüchtig voll geschlagen . 

Nach üppigen und köstlichen Mahl, war Siebe(l)nschläfer nicht weit mehr gekommen. Im nahen Wald unweit vom Siebelnhof-Landhotel musste er bald verschnaufen. Im Schutze der Bäume, an einer schönen Stelle im weichen Laub da hatte er sich ausgestreckt. Vorm Mittagsschlaf an frischer Luft, hatte er genüsslich "mmh" und "ahh" gebrummelt und hatte kreisend seinen vollen, gut genährten Bauch gestreichelt. Siebe(l)nschläfers rechte Hand lag noch im Schlafe auf dem Kugelbauch. Während Siebe(l)nschläfers kurzen, un-rhythmischsten Schnarch-Lauten hüpften dessen Finger lustig auf seinem Oberbauch. So lag die BaumGestalt - der Siebe(l)nschläfer vom Rothaarsteig auf seinem Rücken und schlief friedlich, war ganz entspannt. 

Wie lang mag Siebe(l)nschläfer wohl geschlafen haben? 
Ich denke sicherlich, bis ihn ein kalter Schatten geweckt und bis hungrig sich sein Magen wieder knurrend gemeldet hat.
   
Ob Siebe(l)nschläfer 
am    27. JUNI 
dem SIEBENSCHLÄFERTAG 
wieder am Rothaarsteig schläft?

Am 27. Juni 2011 schien die Sonne warm - den ganzen Tag. 

Nach einer alten Bauernregel verspricht das - sieben Wochen Wonne...
Das wäre wirklich schön.


text & fotos © johanna Zentgraf





Mittwoch, 5. Januar 2011

BAUMGESICHT - HAUBENPINGUIN FRIEDOLIN


BAUMGESICHT
HAUBENPINGUIN 
FRIEDOLIN

Im Taunus in Oberursel 
wuchs am Urselbach die Birke 
„fröstelnde Frieda“ heran.







DIE BIRKE
FRÖSTELNDE FRIEDA
von Oberursel / Hessen

Die Birke war sehr klein und zart und sie bibberte schon, wenn auch nur das leichteste Windchen blies. Weil sie so schnell fror, war ihr im Herbst schon vor dem kommenden Winter bang und ihre feinen Blättchen zitterten, wie sonst nur Espenlaub.

Wenn es Winter wurde, 
fielen die Blätter der fröstelnden Frieda viel früher schon von den Ästen, als es die Blätter all der anderen Birken taten.



DIE BIRKENZEISIGE
in Oberursel / Hessen

Eines schönen Tages 
flog ein Schwarm Birkenzeisige 
durch die Wälder des Taunus.
Die weit gereisten Zugvögel 
landeten auf der Birken, 
die im hessischen Städtchen 
O B E R U R S E L
den Urselbach säumten

Von den Wipfeln der Bäume im schönen Taunus zwitscherten die Zeisige Lieder und Geschichten aus ihrer fernen Heimat, der tasmanischen Maquarieinsel, die sich südlich im Pazifischen Ozean aus dem Meer erhebt. 

Die Birken lauschten andächtig den Erzählungen der Birkenzeisige.

Die Bäume am Mühlenwanderweg und deren Bewohner erfuhren so von den Zeisigen viel über die australische, subantarktische Maquarieinsel, über die dort ansässigen Lebewesen und die klimatischen Bedingungen auf der Insel.
Als die fröstelnde Frieda zum ersten Mal von einem Birkenzeisig erfuhr, dass es auf dessen Heimatinsel flugunfähige Seevögel gibt, die sich dem Leben in extremen Kältezonen der Erde hervorragend angepasst haben, war sie so neugierig und wollte alles wissen über die Pinguine, die nicht frieren. Frieda beneidete die Pinguine um deren dicke Fettschicht und um die wasserdichten Federn, die gleichmäßig über ihren ganzen Körper verteilt sind. Wenn die Birkenzeisige sangen, hörte die kleine Birke so gespannt deren Erzählungen zu, dass sie während dieser Zeit nicht einmal bemerkte, wie kalt es war.

FRIEDOLIN 
DER HAUBENPINGUIN

Die Geschichte von „Friedolin“ dem Haubenpinguin hatte es der Birke Frieda besonders angetan, 
nicht nur wegen ihrer Namensverwandtschaft.


Der weitgereiste Birkenzeisig hatte Frieda berichtet, dass der Haubenpinguin, Friedolin, der winzigste Pinguin seiner Art gewesen war, den er je gesehen hatte.
Obwohl Haubenpinguine meist nur das zweite größere Ei ihres Geleges ausbrüten, weil sie mehr als ein Junges nicht ernähren könnten, hatte eines der Pinguinpaare, die im Frühjahr zum Brüten auf die Maquarieinsel gekommen waren, eine Ausnahme gemacht von dieser evolutionsbedingten erfolgreichen Methode für das Überleben ihrer Art.
Das zweite Ei, aus dem Gelege dieser jungen erwartungsvollen Pinguin-Eltern, die ihr Nest etwas zu nah am Meer gebaut hatten, war von einer gewaltigen Welle ergriffen und gegen die Felsen geschleudert worden. Das Pärchen hatte verzweifelt und entsetzt mit ansehen müssen, wie ihr großes Ei an einer der vielen Klippen, die es dort gab, zerschellte und wie es sich schäumend mit der weißen Gischt vermischt und diese gelb gefärbt hatte.
Nach diesem schmerzlichen Verlust waren das Weibchen und das Männchen Pinguin sehr erleichtert, als sie sahen, dass ihr kleines erstes Ei noch im Brutloch lag und verschont geblieben war. Sie beschlossen, all ihre Fürsorge diesem ihnen verbliebenen Nachkommen zu widmen. Trotz des Gespöttes und des Unverständnisses der anderen Pinguine der Kolonie, brüteten sie das kleine Ei aus.

„Was für eine vergebene Liebesmüh! Dieses Junge wird nie stark genug werden.“ klugscheißerten die alten Pinguine. Viele der anderen brütenden Paare spotteten und machten Witze über die Größe des wirklich sehr kleinen Pinguin-Ei‘s.
Die liebevollen Eltern aber ließen sich nicht beirren. Sie taten alles, damit der kleine Pinguin sich entwickeln konnte. Sorgsam drehten, wärmten und wendeten sie das Ei.
Als der kleine Winzling dann endlich nach 33 Tagen geschlüpft war, war die Freude Rießen groß. “So ein süßes Kerlchen“ - viel, viel kleiner als all die anderen Jungen in der Pinguinkolonie war es. Der Kleine strecke den Eltern sein Schnäbelchen entgegen. Fast allein hatte das Pinguinküken die Eischale aufgepickt. Seine Eltern hatten nur ein bisschen mitgeholfen, damit ihr Küken die nicht mehr benötigte Schutzhülle unbeschadet verlassen konnte.

„Friedolin“, das reimt sich gut auf Pinguin. „Ja – Friedolin - so nennen wir ihn.“- hatten überglücklich Mama und Papa Haubenpinguin gejubelt und Friedolin hatte vergnügt gepiepst.

„Ihr braucht dem Kleinen gar nicht erst einen Namen zu geben, er wird gewiss nicht lange überleben.“ versuchten Tanten und Onkel Haubenpinguine im Chor mit vielen ihrer Pinguin-Nachbarn durch ihre Ratschläge und mit ihren düsteren Vorhersagen die Freude des jungen Pinguin-Paares zu dämpfen, damit die Beiden nicht zu sehr leiden müssten, wenn bei ihrer Brut etwas schief gehen würde. Einige dieser Verwandten und Bekannten aus der Kolonie hatten schon schlimme Erfahrungen in der rauen Wildnis machen müssen oder aber von solchen gehört.
Die jungen Eltern aber verbaten sich diesen fürchterlichen Pessimismus ihrer Artgenossen.
„Gebt endlich Ruhe.“ sagten sie „Hoffnung, ja Hoffnung braucht es vor allem zum Überleben …“

„Wir kriegen dich schon groß“ sagten sie zu ihrem kleinen Friedolin. Alsdann stürzte sich Mama Pinguin in die Fluten, um Nahrung zu finden für sie alle Drei. Während der Abwesenheit der Mutter wärmte und schütze der Papa den Kleinen. Von ihren Tauchgängen kam die Mama Pinguin meist mit genug Krill und kleinen Fischchen zurück, um ihre kleine Familie satt zu bekommen. Ihr Küken und der Papa bekamen ausreichend und gutes Futter. Später hatten sich die Eltern abgewechselt. Sie waren zu einer Arbeitsteilung übergegangen. Beide betreuten und verpflegten ihren kleinen Friedolin fürsorglich.

Die Eltern hatten viel Freude an dem kleinen Friedolin, der so ein lebenslustiger Pinguin war. Trotz seines Zwergenwuchses stand er den anderen Pinguinküken in nichts nach. Er war zwar zart aber trotzdem kräftig - und mutig war er. Und meistens war er gut gelaunt.


Als Friedolin alt genug war, um in den Pinguin-Kindergarten zu gehen, war er anfänglich wieder einmal vielem Gespött ausgesetzt. Die größeren Pinguine seiner Altersklasse übten sich in Revierkämpfen, wie sie es bei ihren Eltern gesehen hatten. Sie glaubten, bei so einem kleinen Pinguin hätten sie ein leichtes Spiel. Aber da hatten sie sich getäuscht. Friedolin ließ sich nicht unterkriegen. Versuchten die Großen ihn zu vertreiben, blieb Friedolin erhobenen Hauptes und mit ausgestreckter Flosse stehen. „Bis hierhin und nicht weiter.“ sagte Friedolin. Er behauptete sein Revier, das kleine Fleckchen Erde, auf dem er stand, ohne viel Tamtam darum zu machen. Er rührte sich einfach nicht vom Fleck. Die Schreihälse ließ Friedolin schreien, er hörte nicht hin und ließ sich auf keine Diskussionen mit ihnen ein.

Spielerisch lernten die Pinguine im Kindergarten vieles, was ihnen in ihrem späteren Leben von Nutzen sein sollte. Friedolin war immer sehr aufmerksam gewesen, wenn es etwas zu lernen gab. Bereitwillig zeigte er den Pinguinkindern, die nicht so schnell alles verstanden hatten, das was er gelernt hatte. Bald war Friedolin auch im Kindergarten sehr beliebt.
Weil er oft mit ihnen scherzte und sie zum Lachen brachte, mochten besonders die Pinguin-Mädchen den kleinen Friedolin sehr gern.

Friedolin war immer in Bewegung. 
Man sah ihn nur selten langsam watscheln. 
Meistens hüpfte Friedolin und wenn er glücklich war, dann sprang der kleine schwarzweiße Punkt wie wild über die Steine und Eisschollen. 


Friedolin flatterte mit seinen schmalen Flossen, den Flügelähnlichen, die fürs Fliegen zu kurz geraten und wahrlich ungeeignet waren. Auf und ab bewegte er die Stummel-Flossen so als wolle er gleich losfliegen und hüpfte und tanzte. Das sah so lustig aus, dass sogar die ewig Ernsten unter den Pinguinen sich vor Lachen ihre Bäuche halten mussten. „Wir Pinguine können doch gar nicht fliegen …“ lachten alle „Ha, hahaha …“ „Versuche es doch lieber mal mit schwimmen.“


Als Friedolin zum ersten Mal ins Meer gesprungen war, da war ihm sehr schnell klar. Das Wasser, das war sein Element. Bald schwamm er allen davon und drehte die wundervollsten Pirouetten. Pfeilschnell wie er war, hatten seine Feinde keine Chance ihn zu fangen. Die Vögel, die ihn an Land ausgelacht hatten, weil er nicht fliegen konnte, die waren jetzt stumm. Sprachlos vor Bewunderung waren sie, als sie sahen, wie wendig und grazil der stromlienförmige kleine Körper des Pinguins durchs Wasser schnellte.

Als eines bitterkalten Tages ein Birkenzeisigküken von einem Felsenvorsprung abgerutscht war, ins Meer gestürzt und in den Fluten des Pazifischen Ozeans um sein Leben gekämpft hatte, da war der kleine Friedolin rechtzeitig zur Stelle gewesen. Auf seinem Rücken trug er das erschöpfte Küken, das viel Wasser geschluckt hatte, ans Land. Das kleine Birkenzeisigküken erholte sich zum Glück. Die Birkenzeisige feierten den Pinguin Friedolin, den Lebensretter, als ihren Helden. Überall taten sie fortan kund, was wahre Größe ist und das sich diese nicht in Zentimetern messen lässt. Der Kleinste der Pinguine, der war für die Zeisige der Größte.

Der Birkenzeisig, der die Geschichte vom Haubenpinguin Friedolin der Birke fröstelnde Frieda im Taunus erzählt hatte, der war dem kleinsten Pinguin von der Maquarieinsel selbst schon begegnet. 

Seine Zeisig-Mama war es gewesen, die der Pinguin Friedolin damals aus den Fluten des Meeres gerettet hatte. Die Birkenzeisig-Mama hatte mit all ihren Jungen oft den Pinguin besucht.



Als der Birkenzeisig auf einem von Friedas Ästen gelandet war, glaubte er an deren Stamm einen Pinguin erkannt zu haben. „Schwarz und weiß so sah auch der kleinste Pinguin auf der Maquarieinsel aus, wie die Farben deiner Rinde.“ trällerte der Zeisig froh und er besuchte Frieda, mit dem Pinguin-BaumGesicht so oft er nur konnte.

Friedas schwarzweiße Rinde war im Laufe der Zeit kräftiger geworden und seid sie sich dem Haubenpinguin Friedolin verwandt fühlte, war sie auch nicht mehr so wetterfühlig. Manchmal freute sie sich jetzt sogar auf die Zeiten, in denen weißer Schnee vom Himmel viel. Wurde es ihr doch einmal zu kalt in ihrem Winterkleid, dann machte sich die Birke warme Gedanken halt.
Die Birke Frieda weiß wohl, wenn der Birkenzeisig wieder „tschett, tschett“ singt:
Der nächste Frühling kommt bestimmt.











text & fotos: 2010 / 2011 © johanna zentgraf