Dienstag, 18. Dezember 2012

BAUMGESICHT - SCHREI NACH RUHE



MANCHMAL IST ES ZUM SCHREIEN

Mein erstes BaumGesicht 2012 schreit gegen steigende Lärmbelästigung an

Nach einer arbeitsreichen Silvesternacht 2011-2012, starteten wir am nächsten Morgen ins neue Jahr.
Wir begaben uns auf eine nicht enden wollende Heimreise, was kein Vergnügen war.
Die Straßen waren voll.
Als wir die Elbe überquert hatten, lösten wir uns aus dem Stau und fuhren ab von der Autobahn. 
Wir brauchten dringend eine Pause.

Nah am Fluss, suchten wir etwas Ruhe, wollten uns die Füße vertreten und den Kopf frei laufen an der frischen Luft. Unser Abstecher führte uns nach Hohenwarthe, 
einem kleinen Dorf an der Elbe. 
Dort machten wir Halt.
Wie ausgestorben schien der Ort. 








Die Menschen hatten sich hinter hohen Zäunen und Mauern verbarrikadiert. So Menschen-leer der Ort auch schien, die ersehnte Ruhe fanden wir nicht.


Es rauschte und dröhnte unablässig. 
Die Elbe war es nicht, ihre Wasser plätscherten sacht. 
Von weit her trug der Schall den Verkehrslärm herüber von der Autobahnbrücke, die den Fluss überspannte.


DER SCHREIENDE AHORNBAUM 
Als ich den schreienden Ahornbaum 
am Hochufer der Elbe in Hohenwarthe, 
nah bei der alten Kirche fand, 
wusste ich, woran er litt 
und warum er so verzweifelt schrie.
VERSTÖRT VON VIEL ZU VIELEN GERÄUSCHEN 
VERLOR ER LANGSAM DEN VERSTAND 


Im Strudel der Zeit, in Saus und Braus rauscht es und dröhnt es ohne Unterlass. 
Wer Ruhe sucht, wird in der zivilisierten Welt, diese kaum noch finden können. 
Der Mensch mit seiner Technik erzeugt dauerndes Getöse und wundert sich, 
dass er den wahren Klang der Welt seit Langem nicht mehr hört. 

Weil SOFORT vielen Menschen NICHT SCHNELL GENUG ist, 
treiben sie sich gegenseitig an.

Mit immer mehr Geschwindigkeit
rauscht der Mensch unbedacht an allem schnell vorbei 
IN DER VERKEHRTEN WELT 
und hat 
JE SCHNELLER er wird - doch UM SO WENIGER ZEIT.
Er macht zu allem Überfluss zumeist dabei  
VIEL LÄRM UM NICHTS.


STATT LÄRM ZU VERMEIDEN und 
zu ENTSCHLEUNIGEN, 
konsumiert und projiziert der Mensch hinter Schall gedämmten Mauern und Glas 
vertonte Abbilder einer Welt, wo Störgeräusche ausgeschnitten sind 
und FINDET dennoch KEINE RUH.  

Wenn die Lebewesen nicht mehr im Einklang sind, 
werden sie krank, 
das trifft auch bei Selbsttäuschung zu. 

foto Hohenwarthe 2012-01-01: © johanna Zentgraf
text 2012: © johanna Zentgraf