Mittwoch, 10. Februar 2010

BAUMGESICHT - WAPITI JO


Im Winterwald auf dem Weißer Stein, einem Berg in Kirchen-Katzenbach/Westerwald fand ich das BaumGesicht eines stolzen weit gereisten Wapiti-Hirsches. 

Wapiti Jo hatte sich, der ewigen Kämpfe mit rivalisierenden Hirschen überdrüssig, von der Herde entfernt und war einzelgängerisch durch die Wälder gezogen. Er hatte sein Rudel und den Yellowstone-Nationalpark verlassen und sich auf die Suche nach Abenteuer und einem friedlichen Ort, wo er ungestörter leben könnte, gemacht.

Getrieben von großem Freiheitsdrang hatte er sich in Gefahr begeben und war verletzt eingefangen worden. Die Menschen hatten ihn gesund gepflegt und er wurde nach Europa verschifft, wo er in einem Zoo seine letzten Lebensjahre verbringen sollte.
   

Solang Wapiti Jo schwach und krank gewesen war, hatte er keine Wahl. Er sammelte seine Kräfte um zu überleben. Genesen rebellierte sein Freiheitssinn gegen das Eingesperrt sein. Mit Geduld wartete er auf eine günstige Gelegenheit zur Flucht und nahm die erste Chance wahr, um zu fliehen.

Wapiti Jo wanderte durchs Unterholz und machte Rast auf Lichtungen. Er ernährte sich im Frühling, Sommer und Herbst von Laub, Gras, Baumfrüchten, Wurzelknollen, wildem Obst und von jungen frischen Zweigspitzen und im Winter auch von Moos und Flechten. Er liebte seine Unabhängigkeit und nahm die damit verbunden Strapazen und Entbehrungen gern auf sich.

Friedvoll fand er auf verschneiter Lichtung seinen letzten Ruheplatz. Schneebedeckt war sein prachtvolles Geweih, als ich sein Abbild fand. Wapiti Jo vom Gelben Stein fand seine Ruh am Weißen Stein. 



fotos & text 2010: © johanna zentgraf