Donnerstag, 31. Dezember 2020

FLOCKE & SCHNEEBALL

 

DAS KLEINE RENTIER FLOCKE & DAS HÜNDCHEN SCHNEEBALL
TierBaumGestalten einer Birke im Tempelwald in Borkwalde
 
Flocke, das kleine Rentier wollte so gern den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen,
aber davon konnte er nur träumen.
Für solch eine schwere Arbeit war Flocke noch viel zu klein. 
Er musste erst noch tüchtig wachsen und viel lernen. 
Dann, aber auch nur dann, wenn er alles Nötige dazu tun würde, 
könnte vielleicht sein größter Wunsch einmal in Erfüllung gehen.
Das jedenfalls hatten ihm die erwachsenen Rentiere gesagt. 
Was ich dafür tun kann, werde ich tun - dachte sich der Kleine.
 

Als es Winter wurde und Mutter Renkuh sich einige Tage vor Weihnachten auf ihre alljährliche Schlittenfahrt vorbereitete, 
bat ihr Söhnchen Flocke sie so ausdauernd und inständig: 
"Lass mich bitte nicht allein. 
Nimm mich mit. 
Bitte, bitte...
Flocke wiederholte das Zauberwort so oft, bis er mit seinem Bitten das Herz seiner Mami erweicht hatte.
 
"Gut" sagte sie, aber du versprichst, das du die ganze Zeit brav sein wirst. 
Sie öffnete ihr Säckchen mit dem Sternenstaub, blies etwas Staub auf ihre Nasenspitzen 
und flugs im nächsten Augenblick auch schon wirbelten Rentier-Mama und ihr Söhnchen durch die Lüfte. 
Der Zauber des Sternenstaub-Antriebes ermöglichte es den Rentieren, das sie fliegen konnten. 
Doch nur ganz wenige besondere Rentiere waren im Besitz von Sternenstaub.
Für Flocke war es sein erster Flug. 
"Hui" jauchzte er und "Ui Ui Ui, Hu hu hui, Ohhh, Hoppla, Oh, Oh Weh
Weil Flöckchen so ein Leichtgewicht war, überschlug er sich zu Anfang seiner Flugversuche einige Male. 
Die Mutter erschrak sehr und griff nach Flockes kurzem Geweih und rief ihm zu: "Bleib in meinem Windschatten, sonst gehst du mir noch verloren.
Als Flocke sein Gleichgewicht wieder hatte, ließ die Mutter ihn los und Flocke flog in geringem Abstand immer fein hinter ihr her.
Ihm war ein bisschen schwindelig geworden von der ungewohnten Fortbewegung. 
Erst als das Schwindelgefühl nachgelassen hatte und er den Schrecken überwunden hatte, konnte er seinen Flug und die herrliche Aussicht angstfrei genießen. 
Nun machte es ihm aber richtig großen Spaß. So sehr, das sein Näschen vor Glück rot zu glühen begann. 
Ungestüm plapperte Flocke jetzt ständig los und kommentierte alles was er sah. 
"Sieh nur, schau doch, hast du das gesehen..." rief er der Mutter zu. 
Die Rentierkuh aber trieb zur Eile. Der Weihnachtsmann wartete schon auf sein 12. Rentier. Sie wollte unter keinen Umständen zu spät kommen. 
"Das Nächste Mal fliegen wir früher los, aber jetzt komm, wir haben keine Zeit an den schönen Stellen zu halten. 
Vielleicht stoppen wir auf unserem Rückflug, nach getaner Arbeit an einem Sehnsuchtsort." versprach sie und drängte ihn.
Als die beiden beim Weihnachtsmann ankamen,  waren die 11 anderen Rentiere schon vor den Schlitten gespannt und scharrten bereits ungeduldig mit den Hufen.
"Höchste Zeit" brummte der Weihnachtsmann "Jetzt aber hurtig."
Flocke durfte auf dem hinteren Sitz des Weihnachtsschlittens sitzen. 
Als das Rentier-Gespann mit dem Schlitten des Weihnachtsmannes über die Dächer schwebte, brach auch schon die Nacht herein. 
Flöckchen konnte seine Augen nicht mehr offen halten, so sehr er das auch wollte. 
Der Weihnachtsmann reichte ihm eine flauschige Decke. 
Eingemummelt schlief Flocke bald tief und fest. Er verpasste die vielen Stopps bei den Kindern. 
Als Flocke erwachte, waren alle Geschenke ausgeliefert und ein neuer Tag war angebrochen. Alle, auch der Weihnachtsmann waren weg.
 
Flocke war wieder mit seiner etwas erschöpften Mutter allein. 
Er war sehr traurig, dass er nicht hatte wach bleiben können.  
Mutter Rentier musste sich vor ihrer Heimreise unbedingt noch etwas ausruhen. 
Doch bevor sie sich schlafen legen wollte, hatte sie noch eine Überraschung für ihr kleines trauriges Rentier Flocke. 
Zu diesem Anlass flog sie mit Flocke zu einem Ort im Kiefernwald, der auf ihrem Heimweg lag. 
Die Zwei landeten am Rande des Tempel-Waldes. Flocke war schon sehr gespannt, womit die Mutter ihn im Borkenwald überrasche wollte.



Die Beiden wanderten den verschneiten Waldweg entlang. 
Die Mutter zeigte ihrem Sohn, was für herrliche Kristall-Formen die Schneeflocken hatten, die gerade vom Himmel fielen. 
"Wunderschön" staunte Flocke und dankte seiner Mutter für die Überraschung.
 
Die Mutter aber lachte und freute sich sehr über ihren leicht zu beglückenden Sprössling.
 
"Ich habe noch eine Überraschung für dich." 
sagte die Mutter und zeigte auf eine Birke, die am Wegesrand stand. 
Flocke lief schnell um seine Überraschung zu entdecken.  






Am Fuße der Birke lag ein kleiner Schneeball. 
Als Flocke ihn berührte bellte das winzige weiße Wollbündel und es wedelte mit dem Schwänzchen. 
Es hob sein Köpfchen und zwei Äuglein blinzelten Flocke an. 
"Ein Hündchen, weiß wie Schnee, so süß."
Flocke konnte seine übergroße Freude kaum fassen. 
Wie sehr hatte er sich doch einen Hund als Begleiter gewünscht. 
Er umarmte erst das kleine Hündchen, das er Schneeball nannte und dann liebkoste er seine Mami. 
Bis Sylvester verweilten die Drei im Wald bei der Borkwalder Birke 
und gemeinsam vertrieben sie mit ihrem fröhlichen Gemüt die bösen Geister des vergangenen Jahres.

 

Der Birke im Tempelwald blieb die Begegnung mit Flocke und Schneeball vom 02.01.2020 unvergessen. 

fotos, animationen und text: johanna zentgraf



















 

 

 







 


Freitag, 25. Dezember 2020

BEELITZER WEIHNACHTSWICHTEL

 

DER BEELITZER WEIHNACHTSWICHTEL 
lädt ein in sein Naturtheater
und wünscht allen
Lebewesen eine friedliche und besinnliche Weihnachtszeit
Gesundheit und Hoffnung für eine bessere Zukunft






fotos und animationen:
johanna zentgraf





Montag, 7. Dezember 2020

DER VOGELBAUM UND DIE WINTERVÖGEL

 


DER VOGELBAUM

Im Spätherbst, zu Beginn der Winterzeit, wenn der Wind die letzten Blätter von den Bäumen gefegt hat, wird es trist in den Wäldern und Parks.

Kein saftiges Grün, kein goldenes Strahlen, kein glühendes Rot, selbst der letzte Kupferschein wird matt und Braun...

Die Sonne macht sich rar in dieser Jahreszeit. Schon früh kommt die Nacht und zunehmende Dunkelheit taucht die grauen kahlen Stämme und dunkelgrünen Tannen in tiefes Schwarz.

Eben noch war alles so farbenfroh und voller Vogelgesang, jetzt wird es still. Die Natur tritt ein in eine Ruhephase. Wer auf die kalte Jahreszeit nicht vorbereitet ist, der war nicht gut beraten oder ist gänzlich unerfahren.

In der mystischen BaumWelt gibt es einen Baum, der sich nur in der kalten Jahreszeit zu erkennen gibt.
Es ist der VogelBaum.
Ein morscher Baumstamm ist es, der in Gestalt eines riesigen Spitzschnabelvogels seine kahlen Äste schützend ausbreitet.
Schaut man genauer hin, erkennt man, dass beinahe wie geschnitzt auf seinen Ästen ein paar kleine Vögel sitzen.


Die BaumGestalt des Spitzschnabel-Vogels ist alt sehr alt.

Der VogelBaum kennt Vogelarten in großer Vielzahl. Im Herbst, wenn die Zugvögel in wärmere Gefilde ziehen, winkt er ihnen wehmütig nach. Seine Gedanken und Wünsche gehen mit ihnen auf große Reise. So sehr der Baum die Zugvögel auch vermisst, ist er doch unbeschreiblich stolz auf deren Instinkte, ihren Zusammenhalt und ihre imponierenden Flugleistungen.

Seine Sorge um die Überlebenschancen der Vogelarten, die immer weniger werden, wächst Jahr um Jahr. Besonders um die zurückgebliebenen Wintervögel sorgt sich der VogelBaum. In den letzten viel zu trockenen Sommern war die Nahrung für die Piepmätze schon nicht überall ausreichend gewesen.

Wie wird das Nahrungsangebot erst im Winter werden?

Hoffentlich lassen die Menschen, die so massiv in natürliche Abläufe eingegriffen und Veränderungen vorgenommen haben, die Vögel nicht verhungern, das wünscht der Vogelbaum so sehr.


 

WINTERVÖGEL

Eine kleine Auswahl von Vögeln,
die im Winter bei uns bleiben.
Vögel, die ich im nächsten Jahr gern wieder singen hören möchte.



Danke
Amsel, Blaumeise, Buchfink, Buntspecht, Dohle, Eichelhäher, Elster, Gimpel, Goldammer, Grünfink, Hausrotschwanz, Kernbeißer, Kleiber, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Krähe, Rotkehlchen, Schwanzmeise, Sperling, Star, Taube, Zaunkönig u.v.m.

text, fotos und animationen:
johanna zentgraf








Samstag, 30. November 2019

HUCK DER RABE aus Buxtehude



HUCK DER RABE
aus Buxtehude 

Als eines Sonntagmorgens der Hase und der Igel sich in der Buxtehuder Heide über den Weg liefen, kam der kleine Rabe Huck gerade von seinem morgendlichen Ausflug zurück. 

Er landete auf dem Ast der alten Birke, in deren unmittelbaren Nähe sich das Nest seiner Rabeneltern befand. Als er und seine Geschwister vor nicht allzu langer Zeit flügge geworden waren, saßen sie meist alle gemeinsam auf den Ästen dieser Birke. Huck liebte diesen Ort. Oft kam er hierhin. Es war sein absoluter Lieblingsplatz. Von der Birkenkrone aus hatte Huck einen herrlichen Weitblick über die angrenzenden Felder und Wiesen. Hier konnte er die ländliche Stille genießen, einfach nur in die Weite schauen und seine Gedanken schweifen lassen.
An besagtem Morgen aber war es nichts mit friedlicher Stille. 
Kaum waren die weithin schallenden Kirchenglocken verstummt, da entbrannte ausgerechnet am Fuße seiner LieblingsBirke ein lautstarker Streit zwischen dem eitlen Hasen und dem Igel.
Der Hase hatte in seiner arroganten Art den Igel, der ihm einen „frohen guten Morgen“ zugerufen hatte, nicht zurück gegrüßt. Empört über die Ignoranz des Hasen und die empfundene Geringschätzung seiner Person, warf der gekränkte Igel dem Hasen dessen Unhöflichkeit lautstark vor. 


Huck der Rabe, ungewollter Zeuge dieser Streit-Szene, kannte die Beiden recht gut und er wusste, dass der Hase ein eingebildeter Fatzke war. Er wusste aber auch, dass der Igel stolz, stur und leicht reizbar sein konnte. Huck hoffte nur, dass die Zwei sich bald schlichen und endlich wieder Ruhe einkehren würde. 
Aber weit gefehlt, zwischen Hase und Igel gab ein Wort das Andere und Keines war versöhnlich. Als aber der Hase sich über die kurzen krummen Beinchen des Igels lustig zu machen begann, eskalierte der Streit. 
„Was nimmt sich dieser Kerl heraus, über meine Gestalt Witze zu machen. Dem werde ich es zeigen.“
dachte der Igel und kochte vor Wut.
Der Worte laut und unfein waren genug gewechselt, sie blieben den Beiden auch schon im Halse stecken. Der Stachelige beschloss - genug palavert nun müssen Taten folgen. Er hatte eine Idee, wie er den Hasen foppen könnte. Gegner waren Hase und Igel ja bereits, also schlug der Igel dem Hasen vor, mit ihm eben hier auf dem Feld, um die Wette zu laufen. Wie flink seine kurzen Beinchen wären, das würde der Hase dann schon sehen, knurrte er.
Der Hase lachte sich ins Fäustchen und mit dieser Mimik verhöhnte er den Igel erneut. Siegessicher nahm der gut trainierte Hase die Herausforderung einer Verabredung zum Wettlauf am späten Nachmittag an. "Die Wette gilt." waren die Beiden sich zum ersten Male einig.


Der Rabe, der alles mit angehört hatte, wunderte sich sehr über des Igels irrwitzig erscheinenden Vorschlag. Seine Neugier ward geweckt. Diesen Wettlauf der ungleichen Gegner wollte er keinesfalls verpassen.


Hase und Igel trennten sich, sie trafen ihre Vorbereitungen, um sich später auf dem Felde nahe der Birke wieder einzufinden.
Der Hase lief zum Sportplatz, wo er Übungen machte, um sich aufzuwärmen.
Der Igel unterdessen war flugs nach Hause gelaufen zu seinem Weib, das ihm zum Verwechseln ähnlichsah. In seiner üblichen Macho-Manier forderte er von seiner Frau, gegen deren Willen, ihm aufs Feld zu folgen und sich in der Fuge, die das Ziel des Wettlaufes sein sollte zu verstecken. Einen Widerspruch erlaubte der Igel seiner Gemahlin nicht. Er sagte ihr, sie hätte nichts weiter zu tun als: wenn der Hase in der Furche, neben der ihren im Ziel einlaufen würde aus ihrer Deckung aufzutauchen und zu rufen: „Ich bin schon hier.“ Gehorsam wie es von ihr erwartet wurde, folgte die Igel-Frau ihrem Mann und erklärte sich bereit zu tun, was ihr aufgetragen worden war. Geduldig wartete sie in der Ziel-Furche geduckt auf das Eintreffen des Hasen, während ihr Igel-Mann sich vorzeitig zur Startposition begab. Der Hase traf pünktlich ein und erkor die Furche neben der des Igels zu seiner Rennstrecke.
Mit „Auf die Plätze, fertig, los“ starteten Hase und Igel ihren Wettlauf. Der Hase rannte schnurstracks los. Der Igel hinter ihm allerdings lief nur ein kurzes Stück, um dann wieder in seiner Furche zum Startpunkt zurück zu schleichen. 


Huck, der gespannt auf die zwei Kontrahenten gewartet hatte, entdecke von seinem hohen BirkenAst aus, dass da zwei Igel auf dem Feld waren. Er erkannte die Frau des Igels, die im Ziel hockte und da begann er zu ahnen mit welcher List der Igel den Hasen reinlegen und diesen um den Sieg und den versprochenen Gewinn bringen wollte. Den Raben, der selbst auch gern für Schabernack zu haben war, belustigte zu Beginn des Wettlaufs noch die List des Igels. Erst als der Hase, der es einfach nicht fassen konnte, wie der Igel mit seinen kurzen StummelBeinchen vor ihm dem Langbeinigen im Ziel sein konnte, noch einmal und immer wieder den Lauf wiederholen wollte, begriff der Rabe, das der Hase das falsche Spiel des Igels nicht durchschaute und das dieser viel zu ehrgeizig war um ein guter Verlierer sein zu können. Der Igel freilich hatte nichts dagegen, den Lauf so oft der Hase es nur wollte zu wiederholen, wieso denn auch. Er und seine Frau saßen ja gemütlich in ihrer Start- und Ziel-Furche, während der Hase ächzend um sein Leben lief. 

Egal wie sich der Hase auch anstrengte, egal wie schnell er auch war, jedes Mal am Ziel bekam er zu hören, dass der Igel schon längst da wäre. Der Erschöpfung nahe, wollte der stolze Hase sich nicht geschlagen geben. Immer verbissener wurde der Hase und sprintete bis er Kraft- und Atemlos in der Mitte des Feldes zusammenbrach. Er zuckte noch ein paar Mal und verschied.
Sein Stolz und übertriebener Ehrgeiz hatten dem Hasen tatsächlich das Leben gekostet.


„Oh weh, das ist alles andere als komisch." - durchfuhr es den erschrockenen und zu tiefst betroffenen Raben.
"Ei der Daus das Spiel geht tödlich aus.“ 
So hätte dieser Wettstreit nicht enden dürfen. 
Huck, der die Wahrheit kannte, sie aber aus lauter Sensationslust und aus Spaß an der Aktion für sich behalten hatte, war bis zum bitteren Ende ein stummer, tatenloser Zeuge geblieben. Deshalb machte er sich nun lange große Vorwürfe, weil er nicht warnend eingeschritten ist. Solch einen schlimmen Ausgang des Geschehens hatte Huck wahrlich nicht voraussehen können. So viel Erfahrung hatte der kleine Rabe in seinem jugendlichen Alter noch nicht. 

Der Igel und seine Frau unterdessen düngten sich frei von Schuld. Sie schrieben das Unglück allein der Dummheit des Hasen zu. Im Siegestaumel brachten die Beiden fröhlich ihren Wettgewinn nach Hause. Später prahlten sie oft damit, das sie mit schlauer List den Hasen besiegt hätten. 


Vom ethisch- und moralischen Standpunkt aus war das Handeln der Igel jedoch äußerst gewissenlos, das begriff Huck schnell. „Wer gut täuscht gewinnt vielleicht, aber zu welchem Preis." 

Vergebens versuchte der Rabe nach diesem Erlebnis sein Gewissen zu beruhigen. Ihm war schlagartig bewusst geworden, dass wenn er den Betrug Kund getan hätte, er vielleicht dieses Unglück hätte verhindern können. Um den Lug und Trug aufzudecken berichtete er später allen, die ihm die Geschichte vom Buxtehuder Hasen und Igel erzählten, was sich wirklich auf dem Felde zugetragen hatte. Abschließend bemerkte der schlaue Rabe oft:   
"Scherze sind nur lustig, solang niemand ernsthaft zu Schaden kommt.“ 


 Aus seinem Fehler hatte Huck gelernt. Nach diesem tragischen Erlebnis blieb er nicht mehr stumm. Sobald er nur eine Gefahr erahnte oder erkannte, warnte er lautstark krähend alle in seiner Umgebung.  Nur leider wird der Raben Krähen oft nur als Lärmbelästigung wahr genommen. So wurde auch Hucks Krähen oft missverstanden. Selten nur fand er Gehör und noch seltener wurde er verstanden.

Noch heute sind Viele der Meinung der Buxtehuder Igel sei schlau gewesen und erkennen in ihm nicht den gewissenlosen Betrüger. 
In Buxtehude, dem Ort des Geschehens, dem Märchen-Ort, den es wirklich gibt, erinnert Vieles an die Geschichte von Hase und Igel. Hier finden sich Wandreliefs, Papp-Figuren, ein Denkmal, Postkarten, Zeichnungen und Bücher, die Hase und Igel darstellen und an die Geschichte erinnern.





Dem gelehrigen Raben Huck,

der aus Erfahrung schlauer wurde hat die Natur in purer Art am Stamm einer Birke im Buxtehuder Park ein Denkmal gesetzt.



text & fotos: 2019 johanna zentgraf

Samstag, 5. Mai 2018

TOD & TEUFEL


TOD & TEUFEL

Wo Terror wütet, dort verbünden sich die fürchterlichsten Mächte der Finsternis.
Die Angst sie nagt das Fleisch von Knochen ab und saugt das Mark.

Verbrüdern Tod und Teufel sich,
spritzt sehr viel Blut. Sie feiern die abscheulichsten Rituale.
Dort wo der dunkle Adern-Saft den Boden tränkt gedeihen
Furcht, Hass, Rache und unbändige Wut besonders gut.
Die Saat geht auf. Das Böse es nimmt seinen Lauf.

Der Teufel verleiht dem Tod die Macht
das Rad des Lebens anzuhalten, ist es auch noch lang nicht an der Zeit.
Gemeinsam schlagen die Verbündeten wahllos und ohne Gnade zu
und sie berauschen sich mit perverser Lust an Zerstörung und Gewalt.
Es gibt das Böse, gebt nur Acht damit es nicht triumphiert.


TOD & TEUFEL BaumGesichter einer sterbenden Eiche im Tiergarten Hannover foto 2012-12-06 & text: © johanna zentgraf

Sonntag, 4. März 2018

DER HOLZESEL BRICKLEBRIT das TierBaumGesicht im Gradierwerk Bad Dürrenberg

DER HÖLZERNE ESEL

das TierBaumGesicht
im Gradierwerk Bad Dürrenberg

Der Goldesel war’s redlich leid, ständig zogen ihn die grimmigen Brüder an seinem Schwanz.
Immerfort riefen sie „Bricklebrit, Esel reck Dich, Esel streck Dich.“
und ungeduldig warteten sie vor seinem Hinterteil auf den Dukatensegen.
Die vielen Goldstücke die der Esel auswarf, waren aber alles andere als ein Segen. Doch wussten die Brüder das nicht.
Das Klimpern der Münzen aus des Esels Frunzelchen verhieß trügerischen Reichtum nur.
Die Gier nach Gold rief manche Neider auf den Plan, die mit List und Tücke des Esels habhaft werden wollten.

Alle die vom Goldesel erfuhren rissen sich um ihn.
Sie zerrten an dem armen Tier, doch Keiner seiner Herren hörte je dem Esel zu:
„Ja, genügt es euch denn nicht, dass mein Kot die Böden düngt? Warum bloß wollt ihr, dass ich Dukaten scheiß? 
Die schmecken und die nähren nicht, sind unverdaulich, hart und kalt, sind einfach widerlich. 
Ihr, die ihr vollmundig am Tischlein deck dich speist, denkt auch einmal an die, die eure Lasten tragen. 
Gebt gutes Futter mir, sonst überlebe ich das nicht.“

Es dauerte auch gar nicht lang, ward klapperdürr das arme Eselein.
Bald wirkte auch kein "Bricklebrit- und Steck Dich" - Spruch, zu schwach und abgemagert war das arme Tier.
Nicht eine Goldmünze brachte es mehr hervor. Das Einzige was ihm entfuhr war heiße Luft.
Was er als dann zu hören bekam war gar nicht schön.
Mit „Du nutzloses Vieh, Du blöder, störrischer Esel“ beschimpften nun die Menschen ihn.

Das war zu viel.
„Ihr nutzt mich nicht mehr aus!“ schrie empört der Esel auf und so weit ihn seine dünnen Beine trugen, galoppierte er davon.
Der Goldesel lief bis er erschöpft zusammen brach.
Ach, dachte er mit letzter Kraft,
wäre ich doch der Knüppel nur, dann käme ich aber aus dem Sack und keiner wagte mehr mich so respektlos zu behandeln.
„Bricklebrit, erlöse mich, bewahre mich vorm Hungertod“ flehte der bis auf die Knochen abgemagerte Goldesel.
Und siehe da, was er erbeten hatte geschah.
Er ward zu einem Stamm, in einen hölzernen Esel verwandelt.
Bauarbeiter, fanden den Stamm und hatten dessen Nutzen als Baumaterial schnell erkannt.
Sie ahnten jedoch nichts von der  Herkunft, der Geschichte und dem Wesen ihres Findlings.
Sie nahmen ihn mit und setzen ihn meisterhaft ein in einem ihrer gigantischen Salinen-Bauwerke.



Im Gradierwerk in Bad Dürrenberg gut versteckt, blieb der verwandelte Esel lange unentdeckt.
Über die Jahre hatte er im Sole Rieselnebel schon Dornstein angesetzt.
Würdevoll war der hölzerne Goldesel alt geworden.
Er fühlte sich nützlich und aufgehoben in seiner neuen Umgebung und er liebte es die frische salzige Luft einatmen zu können.
Kein Leid hatte er mehr zu ertragen.

Eines Tages, der Esel traute seinen Ohren nicht.
Da hörte er eine junge Frau sagen „Esel Streck Dich, Esel reck Dich, Bricklebrit“.
Er war verdutzt. Sie stand ja gar nicht hinter ihm.
Mit freundlichem Blick sah sie ihm direkt in sein salzig glitzerndes Gesicht.
Dukaten will sie nicht, was will sie bloß...? fragte der hölzerne Esel sich.
Was recke und was strecke ich denn jetzt?
Da streckte er seine Ohren, um besser hören zu können, bis diese lang und länger wurden.
Er hörte, wie sich die junge Frau freute den Esel mit den Hasenohren entdeckt zu haben.
Neugierig reckte er ihr seine Schnauze entgegen und schnüffelte an ihr.
Die Frau lachte. Sie kraulte und streichelte seine lange Schnauze.

Sich zu recken und zu strecken um Lebensfreude und Herzlichkeit zu entdecken, das war ein wahrer Segen.
Das rührt selbst einen alten hölzernen Esel.
Bad Dürrenberg Gradierwerk fotos & animation: 2011-06-13 johanna zentgraf