Freitag, 25. Dezember 2009

BAUMGESICHT - ADLER "TE HOKIOI-FLAUMFEDER"



Er ward verletzt und wollte fliehen
verwurzelt hält es ihn am Ort
Frei wollte er den Horizont lang ziehen
Es bleibt ein Traum
Er kann nicht fort!

von Herbert Sand
Hameln, den 08.12. 2009
Kommentar zum Adler Baumgesicht

BAUMGESICHT ADLER “TE HOKIOI-FLAUMFEDER”
Neuseeländischer Haastadlerkopf (ausgestorbene Gattung) 
WEIDE Hameln 
foto 2009: © johanna zentgraf 



DER KÖNIG DER LÜFTE


segelt mit weit gespreizten Schwingen in den Aufwinden
höher als die meisten Vögel kommt der Adler dem Himmel sehr nah.
Verbindet er sich mit der Macht des Ostens,
den Ostwinden und der aufgehenden Sonne,
dann vermag dies hochgeschätzte gefiederte Geschöpf
den Geist der Dinge zu erkennen.
Bekannt für scharfe Weitsicht, dem stärksten seiner Sinne,
erspäht mit Adleraugen der Gigant der Lüfte
aus großer Entfernung
das Wesentliche im Großen und Ganzen.
Seine perspektivische Sicht auf die Dinge ermöglicht ihm
Zusammenhänge, Bedeutungen, Muster und Schlüssel
zu erkennen
und Handlungsfolgen abzuschätzen.
All diese freien Kräfte und Energien geben ihm die Macht der Entscheidung und die der Wahl.
Blitzschnell doch wohl bedacht handelt er mutig und entschlossen.




INDIANISCHES TOTEMTIER ADLER

Ein altes indianisches Totemtier ist der Adler.
Mit Hilfe des Adler-Richtungstotems
konnten die Indianer mit der spirituellen Kraft eine Verbindung herstellen.
Einflüsse des Totems Adler,
der sich mit der Macht des Ostens und der Ostwinde verbindet, 
werden den Geburts- und Tiertotems:
Falke, Biber und Hirsch zugeschrieben. 


FALKE (Sternzeichen Widder)
Zeit des Erwachens 
21. März - 19. April


BIBER (Sternzeichen Stier)
Zeit des Wachsens
20. April - 20. Mai


HIRSCH (Sternzeichen Zwilling)
Zeit des Blühens
21. Mai - 20. Juni 

Erwachen, Bewußtwerdung und Erleuchtung werden jenen gewahr,
die sich der Magie und den Energien des Ostens, des Erwachens öffnen
und die Einflüsse und Rhythmen der Natur zu verstehen suchen.
Erfolg durch Beharrlichkeit, Bemühen und Ausdauer wird sich einstellen.






DIE NATUR BRINGT VIELE WUNDER HERVOR
mit geöffneten Augen und viel Phantasie kann man sie auch sehen


WEIDENBAUMGESICHT 
ADLER “TE HOKIOI-FLAUMFEDER”

Vor vielen Jahren, vermutlich schon im 15. Jahrhundert ist der größte Greifvogel der Neuzeit ausgestorben. Dieser Gigant unter den Adlern, der Haastadler hatte dereinst in Neuseeland gelebt. Legenden besagen, dass dieser Raubvogel, TE POUAKAI oder auch TE HOKIOI genannt, eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern gehabt haben soll und dass das Zischen seiner Schwingen den Ureinwohnern, den Māori, das Fürchten gelehrt hätte. Mit extremer Geschwindigkeit soll sich der Urvater Haastadler, Verwandter des Zwergadlers aus den Lüften auf seine Beute gestürzt haben. 

Die Macht des Ostens war den Ur-Raubvögeln nie bewusst geworden, so wenig wie ihre eigenen Gaben, Möglich- und Fähigkeiten. Instinkt getrieben und Reflex gesteuert gewannen sie weder Maß noch Übersicht.  Mit dem winzigen Gehirn in unverhältnismäßig großem Körper konnten sie den Spirit nicht erfahren, der den anderen Adlern das Leben reicher machte und der ihnen so viel menschliche Bewunderung einbrachte. 

Die Warscheinlichkeit, dass die Geschichten der Māori vom menschenfressenden Raubvogel wahr sein könnten, ist annehmbar.  Als die Menschen sich angesiedelt und Wälder gerodet hatten, jagten sie unter anderem auch die rießigen Laufvögel, die Moas. Das biologische Gleichgewicht geriet ins Wanken. Die Nahrungskette der TE HOKIOI war unterbrochen worden. Ihrer Hauptnahrung beraubt und vom Hungertod bedroht, sollen die Räuber auch Kinder und Frauen der Māori angefallen haben.

Nun der Mensch wußte sich zu wehren. 
Ausgestorben ist der Räuberichste der Adler. 
Doch wohl nicht ganz? 
Einen hölzernen, verwunschenen TE HOKIOI fand ich im Hamelner Park. 
TE HOKIOI-FLAUMFEDER - der Weiden-Adler kann sich nie mehr in die Lüfte schwingen.

TE HOKIOI-FLAUMFEDER war das letzte aus dem Ei geschlüpfte Junge der Gattung der Haastadler, er war anders als die wenigen damals noch lebenden Haastadler. Stolz war er, auf sein Gefieder und die Gabe fliegen zu können. Er liebte den Himmel, die Wolken, die Berge, den Pazifik, liebte die herrliche Neusseländische Landschaft. Mit großen kräftigen Schwingen wünschte er sich, höher fliegen zu können, als das je ein Vogel vermochte. Er wünschte dies um unbeschreibliche Weite und Freiheit spüren zu können. Die leidige Nahrungsbeschaffung sah TE HOKIOI als ein überlebensnotwendiges Übel an. 

Als die Mutter des Adlers TE HOKIOI eines verheisungsvollen Tages von Hunger und Jagtinstinkt getrieben ein kleines Māorimädchen angegriffen und dieses in den Adlerhorst verschleppt hatte, wurde der kleine Adler TE HOKIOI-FLAUMFEDER von großem Mitgefühl ergriffen. Er bat die Mutter, das Mädchen nicht zu töten. Lieber wollte TE HOKIOI selbst sterben, als solch ein wunderbares Geschöpf zu fressen. Nach vielem Ach und Weh gab die Adlermutter dem unaufhörlichen Flehen ihres einzigen Sprösslings nach. 

Das Menschenkind HINE blieb im Adlerhorst und TE HOKIOI-FLAUMFEDER und sie wurden die besten Freunde. Trotz des Gespöttes der Artverwandten-Adler, fütterten die Haastadler-Eltern auch das kleine Menschenkind, die Spielgefährtin ihres Adler-Kindes und so wuchsen die Beiden wie Geschwister heran.

HINE wäre so gern auch selbst geflogen, doch alle Versuche gingen schief. Erst nachdem sie die Federn, welche die Adler verloren hatten, gesammelt und diese kunstvoll zu Flügeln verbunden an ihren Armen befestigt hatte, gelangen ihr erste kurze Flugübungen. Allein konnte HINE mit ihren angeschnallten Flügeln immer noch nicht segeln, aber in TE HOKIOIS Schlepptau wagten die Beiden gemeinsam kleinere Ausflüge. Sie hatten so viel Spaß. Von TE HOKIOI-FLAUMFEDER lernte HINI viel. Er behielt immer den Überblick, warnte und  beschützte HINI bei Gefahr.Glücklich war ihre Kindheit.

HINE war viel zu klein gewesen, um sich an ihre leiblichen Eltern erinnern zu können, darum vermisste sie die Menschen - Mutter und Vater auch nicht. Ihre Eltern jedoch litten sehr. Überall hatten sie ihre kleine HINE gesucht doch nirgends gefunden. Sie hatten Jagt auf die Adler gemacht, doch ihre kleine Tochter war für sie verloren. 

In ihrem schmerzlichsten Kummer verfluchte HINES kämpferische Mutter die vermeintlichen Mörder ihres Kindes, die Haastadler: 

Alle Nachkommen des Raubvogels, der die kleine HINE entführt hatte und in der Vorstellung von HINES Mutter ihr Kind auch getötet haben musste, sollten sich in der Vollmondnacht ihres 20. Lebensjahres verwandeln in Holz, Stein, oder Metall und niemals mehr sollten sie fliegen können. Nie mehr sollte ein Haastadler seinen lauten Schrei “Hokioi...hokioi” ausstoßen können, nie mehr unverhofft hernieder stürzen aus den Himmeln und keinem schwächeren Lebewesen mehr gefährlich werden.

ALS EINZIGEN UND LETZTEN 
NACHKOMMEN DER HAASTADLER TRAF 
"TE HOKIOI-FLAUMFEDER" 
DER FLUCH
der Māori-Mutter




HINE verstand nicht, was sie sah in der hellen Vollmondnacht, als ihr Adlerfreund erstarrte und sich auf der Stelle gar verwandelte in einen Weidenbaum dessen Zweige Trauer trugen. HINE wich lange nicht von TE HOKIOI-WEIDENSTRAUCHs Seite. Und Jahr um Jahr suchte sie Trost im Schatten der verwunschen Weide.


“Sieh mein lieber Adler-Bruder, traf ein Fluch den Falschen gar. 
Doch werde ich dich nie vergessen, lieben werde ich dich immer dar.
Deinen Traum, den werde ich leben 
und den Menschen Kund tun werde ich,
dass wer Leid säht, Leid auch ernten wird. 

Sei mein Todem, sei mein Held - für den Glauben, 
dass die Weitsicht und die Suche nach der Wahrheit schlaues Handeln hat zur Folge 
und wir nicht verleitet werden, voreilig trügerische Schlüsse zu ziehen. 

Es gibt die helle und die dunkle Seite - füge ich sie ins Gleichgewicht ...
Alles ist vergänglich, oder denke besser ich - Alles ist veränderlich ?
Trägt der zweite Gedanke doch den Funken Hoffnung in sich.”








Viele Arten der Spezies Greifvogel mit der Endung -Adler gibt es.
Das hat mein Interesse geweckt und ich habe ein bisschen recherchiert:


ECHTE ADLER 
(Gattung Aquila)
Familie der Habichtartigen (Accipitridae)

Keilschwanzadler
(Aquila audax) Standvogel
Größe: ca 90-100 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 2,50 m
Lebensraum: Australien, Tasmanien, Neuguinea
***
Steinadler oder Goldadler
(Aquila chrysaetos) Standvogel
Größe: ca 75-88 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 2,30 m
Lebensraum: Eurasien, Nord-Afrika, Nord-Amerika und in den deutschen Alpen
***
Spanischer Kaiseradler oder Prinzenadler
(Aquila adalberti) Standvogel
Größe: ca 78-80 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 2,20 m
Lebensraum: Süd-, West- und Mittelspanien, Iberische Halbinsel, Portugal, Marokko
***
Kaiseradler
(Aquila heliaca)
Größe: ca 78-83 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 2,15 m
Lebensraum: Balkanhalbinsel, Mittelmeerraum, Asien bis Mongolei
***
Steppenadler
(Aquila nepalensis) Zugvogel
Größe: ca 66-78 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 2,00 m
Lebensraum: Rumänien, Aralsteppe bis Transbaikal, Mongolei, Nord- u. Südwestafrika, Ungarn
***
Gurneyadler
(Aquila gurneyi)
Größe: ca 66 -76 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 1,90 m
Lebensraum: Westguinea Molukken, Japan, Aruinseln
***
Raubadler oder Savannenadler
(Aquila rapax) Zugvogel
Größe: ca 60-72 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 1,83 m
Lebensraum: Afrika südlich der Sahara, Arabische Halbinsel
***
Schelladler
(Aquila clanga) Zug- u. Standvogel
Größe: ca 66 -73 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 1,79 m
Lebensraum: Osteuropa, Polen, Baltikum, Ost- u. Nordasien
***
Habichtsadler
(Aquila fasciata)
Größe: ca 55-67 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 1,75 m
Lebensraum: Südeuropa, Nordafrika, Südasien
***
Schreiadler
(Aquila pomarina) Zugvogel
Größe: ca 55-67 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 1,70 m
Lebensraum: Indien, Türkei, Mittel- u. Ost-Europa, Norddeutsche Tiefebene, Nordburma, Bangladesch
***
Silbersadler
(Aquila wahlbergi) Zugvogel
Größe: ca 55-60 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 1,60 m
Lebensraum: Südsahara, untere Gebirgsregion Afrikas
***
Kaffernadler oder Verreauxadler
(Aquila verreauxii) Standvogel
Größe: ca 75-90 cm I Flügel-Spannweite: ca bis zu 0,65 m
Lebensraum: Afrika südlich der Sahara, Ägypten, Tschad, Sudan, Somalia, Israel, Sinai



WEITERE GATTUNGEN ADLER


  • Haubenadler
  • Seeadler & Fischadler
  • Affenadler
  • Kampfadler
  • Schopfadler
  • Papuaadler
  • Schlangenadler
  • Kronenadler
  • Zwergadler
  • Würgadler oder Sperberadler
  • Streitadler oder Streitaar, Kronenstreitadler, Zaunadler











fotos 2007/2009:  © 2009-2010 johanna zentgraf
autoren 2009:      © 2009-2010 johanna zentgraf & herbert sand


Samstag, 31. Oktober 2009

BAUMGESICHT - AHORN DAPHNE




BAUMGESICHT - AHORN DAPHNE
in ÖSTERREICH
im wunderschönen VILLACH
am Fluss Drau, direkt an der Flusspromenade
entdeckte ich
das AHORN-Baumgesicht-WEIBCHEN


PIANO-IMPROVISATION für BaumGesicht Daphne von horst-maria merz

Wie außer Atem schien sie, mit weit geöffnetem Mund nach Luft zu ringen. Das Laub, das dichte volle Haar, fiel ihr tief in die Stirn. Mit wachen Augen blickte sie hinab zum Fluss, und lauschte mit dem linken Ohr auf dessen Plätschern und sein Rauschen.
Als ich die Fotos von dem Baum den Freundinnen und Freunden zeigte, da war von jeder Seite klar, dass an dem Geschlecht des Ahorn - Baumgesichts kein einziger Zweifel war. Die Formen, wie man sie auch sieht, die sind eindeutig weiblich...
Von meinen Baumgesichtern gefiel Christa Dubbert dies ausdrucksstarke Gesicht am aller allerbesten und als sie's sah, erinnerte sie sich, an eine Geschichte aus alter Zeit. Diese Geschichte nun hat sie niedergeschrieben und mir geschickt. Das namenlose Baumgesicht heißt Daphne jetzt.
Was man alsbald verstehen kann, wenn man die Geschichte gelesen hat.


Aus altgriechischer Mythologie ist die Verwandlung der Nymphe Daphne in einen Baum überliefert.
Von dem was da geschrieben stand, wurd' vieles übernommen,
doch wie das mit Geschichten meistens ist:
die angeregte Phantasie schmückt gern, oder sie kürzt und wandelt leicht,
was schwarz auf weiß war, das wird zu bunt.


***
METHAMORPHOSEN
die Verwandlung von Ovid (2-8 nach Christus)
bearbeitet und gekürzt: von Christa Duppert

UNERWIEDERTE LIEBE
Apoll Aπόλλων & Daphne δάφνη dáphnē

Der Tochter des Flussgottes Peneios, Daphne, galt Apollos erste Liebe. Doch nicht blinder Zufall erregte dies Gefühl, sondern der rasende Zorn Amors. Diesen hatte Apoll mit angezogener Sehne den Bogen spannen sehen und zu ihm gesprochen:
"Was willst Du, mutwilliger Knabe, mit Waffen für Helden zu schaffen? Dieser Schmuck gebührt nur meinen Schultern. Begnüge du dich damit, nach Gott weiß welchen Liebschaften mit deiner Fackel zu forschen, und maße dir nicht meine Ehrenzeichen an!"
Ihm antwortete Amor der Sohn der Venus
"Mag auch dein Bogen alles treffen:
der meine trifft d i c h !"
Also sprach er, schlug mit den Flügeln und stand bald auf dem schattigen Gipfel des Parnaß.
Hier zog er aus seinem vollen Köcher zwei Pfeile verschiedener Wirkung:
der eine verscheucht, der andere entflammt die Liebe.
Der, der sie entflammt, ist golden mit scharfer, funkelnder Spitze;
der sie verscheucht, ist stumpf und hat Blei am Ende des Rohres.
Damit traf der Gott die Nymphe, Daphne.
Aber mit jenem verletzt er Apoll bis ins Mark der Gebeine.
Gleich erfüllt Liebe den Gott allein, die Nymphe entflieht.

Nur am Schatten der Wälder erfreut sie sich und an den Fellen erbeuteter Tiere, denn der Göttin Diana will sie es nachtun, die immer Jungfrau blieb.







Nur mit einem Band umschlang sie das kunstvoll zusammengeraffte Haar. Viele warben um sie, doch sie wies die Freier ab, wollte von Männern nichts wissen und wusste auch noch nichts von ihnen.
So durchschweifte sie einsame Wälder und kümmerte sich nicht darum, was Hochzeit sei, Liebe und Ehe.
Sie entflieht Phoebus dem Gott Apoll, der vor Liebe nach ihr brennt, kaum das er sie erblickte.
Daphne entflieht rascher als ein flüchtiger Lufthauch und bleibt auch nicht stehen, als er sie mit folgenden Worten zurückruft:
"Nymphe, ich bitte dich, bleibe du Tochter des Peneios!
Für mich ist Liebe der Grund, dir zu folgen. Ich Unglücklicher!
Dass du mir nur nicht fällst, dass nicht die Dornen die zarten Füße dir ritzen - nie darf sie etwas verletzen -, dass nicht ich die Schmerzen bereite! Rauh ist die Gegend, wohin du eilst; laufe langsamer, bitte, und hemme deine Flucht! Ich selbst will dir langsamer folgen.
Frage doch, wem du gefällst! Ich bin keine Bewohner des Berges, kein roher Schaf- oder Kuhhirt. Du weißt nicht Verblendete, weißt nicht, wem du entfliehst, und deshalb nur fliehst du!
Jupiter ist mein Vater. Durch mich wird Zukünftiges, Vergangenes und Gegenwärtiges offenbar, durch mich tönt harmonisch das Lied zu den Klängen der Saiten. Meine Erfindung ist die Heilkunst, überall auf der Welt heiße ich Helfer, und auch die Kraft der Kräuter ist mir untertan.
Wehe mir, dass Liebe sich durch kein Kraut heilen lässt und dass meine Künste, die allen nützen, für ihren Erfinder nutzlos sind!"
Mehr noch wollte er reden, allein schüchtern floh Daphne davon und ließ ihn selber zurück mit unvollendeter Rede. Von Eros beflügelt, ist der Verfolger geschwinder, gönnt der Flüchtenden keine Rast und ist ihr hart auf den Fersen. Sein keuchender Atem erreicht ihr wirres Haar, ihren Nacken.
Schon schwinden ihre Kräfte - da erblickt sie die Wasser des Pinios, des Vaters Peneios.
"Vater" ruft sie "rette mich, oder nimm durch eine Verwandlung die Schönheit von mir, durch die ich zu sehr gefiel!"












Kaum ist die Bitte ausgesprochen,
als ihr die Glieder schwer werden und erstarren.
Ihren zarten Busen umschließt weiche Rinde, in Blätter verwandelt sich ihr Haar, in Äste die Arme.
Ihr Fuß eben noch so flüchtig, stockt, von zähen Wurzeln gehalten, ein Wipfel verbirgt ihr Gesicht.
Nichts bleibt zurück, als die glänzende Schönheit.

So auch liebt sie Apoll
und als er die rechte Hand an den Stamm legt,
fühlt er noch unter der frischen Rinde Daphnes Herz schlagen.
Er umschlingt mit den Armen die Zweige
und bedeckt das Holz mit Küssen
doch selbst das Holz weicht vor den Küssen zurück.



Da ruft der Apoll:
"Kannst du auch nicht meine Gattin werden, so sollst du zumindest mein heiliger Baum sein. Ewig wirst du mein Ahorn, meine Eiche, mein Lorbeer, mein Haar, meine Leier, meinen Köcher bekränzen!"
Apollo hatte geendet.
Mit eben entstandenen Zweigen
nickt das baumgewordene Wesen ihm Beifall zu
und gleich einem Haupt
neigt sich der Wipfel.









autorin 2009: © christa dubbert
fotos 2009: © johanna zentgraf

Dienstag, 27. Oktober 2009

BAUMGESICHT - SCHNEPFCHEN DAS SCHNECKENPFERD


DIE BALLADE
VON SCHNEPFCHEN
DEM SCHNECKENPFERD
von kristina sahlin
für johanna zentgraf
oktober 2009














An einem grauen Wintertag
wie man ihn keinerorts sehr mag
der Wind bließ herb, es regnete leise
da machte sich das Schneckenpferd
auf eine lange Reise  
**** 
Es war noch früh, die Nebel sangen
im feuchten Gras die Grillen sprangen
da kroch aus seinem Schneckenhaus
des Schneckenpferdchens Kopf heraus 
**** 
Sah keck in die weite Welt hinaus
die Fühler spitz, das Fell ganz kraus
es fror am ganzen Schneckenleib
und dachte sich: "Hui! Höchste Zeit!" 
**** 
Voll Sehnsucht sah's nach Süden hin
voll wilden Muts in Herz und Sinn
träumte von Stürmen und Meeresstrand
von Abenteuern und fernem Land 
****
Durch dichtes Buschwerk gings alsdann
im Schneckentempo glatt voran
hintendrein zog schillernde Spur
sich querfeldein durch Hessens Natur
****
Ein kleines Bündel auf dem Rücken
kriecht es durch Pfützen und über Brücken
quer durch Westfalen und durchs Sauerland
wo es so manchen Gefährten fand 
****
Schon erreichts Wald Niedersachsen
wo Pilze, Farne und Eichen wachsen
dort kehrts in einen Gasthof ein
und sonnte den Bauch im Sonnenschein 
****
In Brandenburg kam's an die Spree
bestieg ein Boot und fuhr zur See
und in der Ostsee wilden Wellen
muss es sich üblen Piraten stellen 
****
Weiter gings auf der Wellen Kronen
in die neue Welt zu den Shoshonen
von dort bis zu dem Himalaya
der Himmel schön zum Greifen nah 
****
Später dann auf den Seychellen
surfte Schnepfchen in den Wellen
und auf eines Wales Kamm
es durch alle Meere schwamm 
****
Immer weiter ging die Reise
teils auf höchst kuriose Weise
mit einem Rad nach Singapur
auf dem ein alter Inder fuhr 
****
Auf einem Schlitten gings dannn weiter
dunkle Nächte als Begleiter
an den Nordpol, durch Eis und Schnee
von dort aus weiter nach Gizeh 
****
Mit müder Kraft kriecht Schneckenpferdchen
unrasiert mit vollem Bärtchen
Stieg und stieg die Pyramiden hinan
und fühlt sich wie ein greiser Mann 
****
Voll Wehmut denkt es an Zuhaus
zieht die Schneckenstirne kraus
"Die ganze Welt hab ich umkrochen
und mehrmals mir den Fuß gebrochen." 
****
"Nun bin ich müd und will zurück
ich brauch nur noch ein kleines Glück
ein bisschen Klee, ein wenig Gras
ein Schneckenweib und etwas Spass." 
****
Doch dichte Wolken, schwarz und grell
stürmten heran, finster und schnell
wirbelten Schnepfchen wild umher
zogen's hinaus aufs off'ne Meer 
****
Und mitten in stürmischer Meeresglut
zerschellte er an Klippen inmitten der Flut
schlug auf an fremden Pamenstrand
auf öde verlassenes Inselland 
****
Dem Tode nah leckt sich die Wunden
dreht verzweifelt manch einsame Runden
es scheint dort ein Fluch von toten Seelen
ihn mit ihren Stimmen still zu verhöhnen 
****
In einer Höhle sucht es Schutz
dort findet es unter Stein und Schmutz
'nen Schatz aus Gold und Edelstein
und doch kann es nicht glücklich sein 
****
So träumt das kleine Schneckenpferdchen
von seinem alten Heimatgärtchen,
wo wildes Gras und Ginster blühen
und kühle Winde weiterziehen 
****
Die Insel nur vom Meer umschlossen
deren Schönheit ist er bald verdrossen
schon denkt die Schneck in ihrer Not
an einen Ausweg durch den Tod. 
****
Doch g'rad als es sprang die Klippen hinab
in das tiefe Meeresgrab
da spannte ein Fink die Flügel aus
und brachte Schneckenpferdchen wohl nach Haus
****
Lange noch lebte das Schneckenpferdchen
in seinem alten Heimatgärtchen
Heut ist's vielleicht tot, vielleicht lebt es noch
in einer alten Sage heißt's jedoch: 
****
Willst du das Schneckenpferdchen sehen
so musst du in die Wälder gehen

Vor einer Linde wirst du staunen
Bad Wildungen ist der geheime Ort,
wo Schneckenpferdchen fortlebt, fort und fort...
 

 


******

Beim Baumgesichter - Finden - Steckenpferd
entdeckte ich das Schneckenpferd


Auf Theater-Tournee bleibt wenig Zeit,
doch dieses Mal tat's mir nicht leid,
denn einige der Baumgesichter fanden endlich neue Dichter.

Theater-Maske in Bad Wildungen,
da sah Kristina Schnepfchens Bild und dachte sich,
das Schneckenpferd, das adoptiere ich.
Als die Tournee zu Ende ging, kam der Moment,
da ich Kristinas Gedicht-Rolle empfing.

Nun habe ich das Baumgedicht abgetippt
und Schnepfchen auf neue Abenteuer-Reise geschickt.

Ins World Wide Web, das kennst du noch nicht,
geht die virtuelle Reise jetzt
verlauf dich nicht du Schneckenpferd
du erstes adoptiertes Baumgesicht.

Kristina danke ich und wünsche Glück
Johanna

Montag, 26. Oktober 2009

BAUMGESICHT - DICKWANGE

VERSTOSSEN AUS DEM PARADIES
DICKWANGE
das Baumgesicht des Baumes,
der im Berliner Tierpark vor dem
Käfig der Paradieskraniche steht,
ist wirklich arm dran.

Sein Gesicht ist ganz entstellt,
seit vom Zahn die Hälfte fehlt.
Seine linke Wange ist geschwollen
hängt fast bis zu seinen Sohlen.

Seine Nachbarn die Paradieskraniche,
mit ihren von Natur so dicken Wangen
(in der Paarungszeit verlängern sich die Federn seitlich am Kopf des Paradieskranichs)
haben kein Verständnis für Dickwanges Klagen und Bangen.

Fern ihrer Heimat,
fern der südafrikanischen Steppen und der dortigen Flussufer,
wo es keinen klagenden Baum gegeben hatte, dem die Wange schwoll, leben die schiefergrauen majestätischen Paradieskraniche im Berliner Tierpark in fremder Umgebung.


Geschützt und betreut sind sie in ihrem neuen Lebensraum.
Die Voliere ist sauber und auch nicht klein.
Nahrung auf dem Silbertablett ist das nicht wundervoll ?
Nur, was das mit dem Zaun im Vogelparadies soll ?

Verstoßen aus dem Paradies sind Adam, Eva, Baum Dickwange
und ohne Fragen sind auch die Kraniche,
die nur in ihrem Namen das Paradies noch mit sich tragen.
Kein noch so komfortabler Luxus macht die Freiheit wett,
die man im Paradiese hätt'.
So klagen auch sie hinter ihrem Luxusgitter.



Die Paradieskraniche und der Baum mit dem entstellten Gesicht,
alle klagen,
doch sie verstehen einander nicht,
wie bitter.


So geht des Baumgesichtes Klagelied,
was ein jedes Kind versteht

Schmerzen sind ein schlimmes Übel
Aua, aua tut das weh...
Zahnschmerz sticht von Kopf bis Zeh.

Wenn ich über die Ursach' grübel,
bereu' ich,
das ich Mutter ausgelacht',
wenn sie ihren Spruch aufgesagt':
"Zähne putzen - nicht vergessen"
Das war kein Spruch, das war ein Rat.
Morgens, abends und nach dem Essen
ich, ich hab' das Putzen gern vergessen.

Aua, aua tut das weh...
Zahnschmerz sticht von Kopf bis Zeh.

Bereue meine Schlemmerlust,
Bereue, das ich all die Süßigkeiten
gesunder Nahrung vorgezogen hab.
Bereue meine Zügellosigkeit
und das ich nichts
auf all die wohl gemeinten Warnungen gab.

Aua, aua tut das weh...
Zahnschmerz sticht von Kopf bis Zeh.

Kühle meine dicke Backe,
meinem Backenzahn fehlt eine Zacke.

Leide, weil ich nicht bedacht,
das richtige Pflege Zähne schöner,
doch vor allem auch gesünder macht.
---

foto 2009: © johanna zentgraf
autor 2009: © johanna zentgraf

Samstag, 17. Oktober 2009

MUSIK VON EINEM BAUM

Diego Stocco - Music from a Tree


http://www.youtube.com/watch?v=fY-ZoVMwGKM

Freitag, 18. September 2009

BAUMGESICHT - GLUBSCHI

GLUBSCHI
Glubschi steht im Tierpark Berlin und verabschiedet dort alle Besucher, die den ganzen Tag staunend durch den Park spaziert sind.














Sein Baum-Leben lang sah Glubschi immer wieder gern die erstaunten Gesichter der Menschen mit ihren großen Augen. Er freute sich über diesen besonderen Ausdruck in deren Gesichtern, den sie hatten, weil sie so viele exotische Tiere gesehen hatten, die sie sonst meist nur aus dem Fernsehen kannten.

Um zum Abschied fröhlich zu grüßen und sich für das Interesse zu bedanken, macht er ebenfalls große Kulleraugen.



Glubschi jedoch sieht kaum noch einer der zahlreichen Besucher, nach der überwältigenden Flut toller Eindrücke. Deshalb zieht er jetzt immer häufiger eine Schnute. 
Schaut doch einmal, ob ihr Glubschi entdeckt. Er steht hinten vor dem Bison-Gehege, das ihr gleich am Tierpark Ein- und Ausgang, der zur U-Bahn führt, sehen könnt.







autorin: © doreen loehr
fotos:    © doreen & janine loehr


Mittwoch, 16. September 2009

BAUMGESICHT - BELEFANT TROMPO


BELEFANT TROMPO
ELEFANTENBAUM
vom Tierpark Berlin

in Berlin-Friedrichsfelde
Unser Besuch im Tierpark übertraf all unsere Erwartungen. Wir hatten Lust auf  Tiere und Natur. Da fiel die Wahl zwischen Zoo oder Tierpark leicht, da der Tierpark der größte Landschaftstiergarten ist und wir dorthin den Hund mitnehmen durften.
Mit der U-Bahn der Linie 5 konnten wir direkt bis zur Station Tierpark fahren, wie praktisch. Tiere aus 6 Kontinenten der Erde und weitläufige Anlagen, gab es im Tierpark zu sehen und erleben, mehr als man an einem Nachmittag überhaupt erlaufen konnte, aber das wussten wir ja schon, und so machten wir vor Ort gleich vor dem ersten Lageplan halt, um die Route unseres Tierpark- Besuches abzustecken. Das Alfred-Brehm-Haus mit seinen Großkatzen und den Vögeln und Flughunden in der Tropenhalle, die Elefanten, Giraffen, Eisbären, Nashörner, Seekühe, die Flamingos und die wunderschönen Aquarien wollten wir auf alle Fälle besuchen.

HUND FELICKS

Hund Felicks, den wir an kurzer Leine auf das Tierpark-Gelände hatten mitnehmen dürfen, traute seiner Nase nicht. Was waren das bloß für ungewohnte Gerüche hier im Animal-Park...???
Damit Felicks auch sehen konnte, was er da erschnuppert hatte, musste er das ein oder andere Mal hochgehoben werden.

EISBÄREN
Ganz am Anfang unseres Tierpark-Bummels kamen wir zum Eisbärengehege und dort konnten wir einem weißen Schwimmbären, beim planschen zusehen, während sich ein Zweiter auf dem Felsenplateau sonnte.


KÖNIGSGLANZSTAR
Der farbenprächtige Königsglanzstar im Tropenhaus war sehr zutrauig.



TIGER * LÖWIN * LUCHS


Als wir dann zu den Großkatzen kamen, war es Felicks nicht geheuer. Ein brüllender Löwe, den wir leider nicht zu Gesicht bekamen, jagte ihm einen riesen Schreck ein.


Ob Flicks Doreens Worten geglaubt hatte, dass die Raubkatzen bestimmt nicht aus ihren Käfigen und Gehegen kommen können stand in Frage?
Sein wachsamer Blick verriet Skepsis.



Wir beruhigten den verängstigten Hund. Im Gegensatz zu ihm, waren wir überglücklich, diese wundervollen Tiere sehen zu können. Was für ein prächtiger Tiger, was für eine verträumte Löwin  räkelten sich da vor unseren Augen in der warmen Sommersonne.

Wir fragten uns, wer hier wohl wen beobachtete.

Von den großen Katzen kamen wir zu den keineren ihrer Art. Der Luchs schlich durch seinen Zwinger, um dann hinter den Gitterstäben an einem sonnigen Plätzchen dem Treiben davor zu zuschauen.





GEIER

Der Geier, der gerade flirten wollte, war sichtlich genervt von den vielen Zaungästen vor der Voliere und stürzte in steilem Flug Richtung Publikum, was reflexartig zurückwich. Vor Schreck wäre mir beinahe der Fotoapparat aus der Hand gefallen.
Als der Geier dann im Gras saß und seine großen Flügel angelegt hatte, wirkte er längst nicht mehr so bedrohlich.

GIRAFFEN
Zärtlich ging es auch bei den Giraffen zu.
Dieser Kuss muss elektrisierend gewesen sein.



WATUSSRINDER
Die großhörnigen Watussrinder von den Steppen Ostafrikas
kümmerten sich rührend um ihren Nachwuchs.
Da staunte Felicks nicht schlecht.





ARABISCHE ORYX
Gleich im Nachbargehege konnten wir eine ganz andere Sorte gehörnter Vierbeiner bestaunen.
Die weißen, schlanken, hübsch gezeichneten Oryx Antilopen,
grasten und grasten unaufhörlich.
Ganz selten nur blickten sie einmal auf.




PFAU
Der Pfau dagegen,
schritt erhobenen Hauptes durch das saftig grüne Gras.




SCHWARZWEISSER VARI
(varicia variegata) aus Madagaskar

Als wir laute schrille Schreie vernahmen, gingen wir in die Richtung, aus der diese gekommen waren, um zu sehen, welche Tiere solch einen Lärm machten und warum. In einem eingezäunten Gelände, zu dem auch wir Menschen Zugang hatten, waren die Lemuren am Streiten.
Als wir ankamen, hatten sie sich beruhigt. Es war wohl, wie so häufig um Machtkämpfe gegangen.

Diesen drolligen flinken Feuchtnasenaffen, mit ihrer Hundeschnauze und ihrem schönen dichten Fell sahen wir lange vor dem trennenden Zaun zu, denn ihre Schreie hatten uns Respekt eingeflößt und das Schild mit der Aufschrift:
"Betreten auf eigene Gefahr", hatte uns nicht gerade ermutigt, das Gehege zu betreten.
Da die Varis während der ganzen Zeit, die wir dort verbrachten friedlich blieben, trieb uns die Neugierde dann doch dazu, auf Tuchfühlung zu gehen und sie in unmittelbarer Nähe zu beobachten. Das die Varis, auch wenn sie wie Kuscheltiere aussehen, keine sind, vergaßen wir dabei nicht und widerstanden der Verlockung sie zu streicheln, und zu fühlen, wie weich dieses kuschelige Fell ist.
Es war ein besonders Erlebnis, mit ihnen in einem Käfig gewesen zu sein.

PLITSCHE PLATSCHE
PELIKANE * FISCHE * SEEPFERDCHEN










DIE DICKHÄUTER

PANZERNASHORN
Panzernashorn "Jhansi" war nicht so gut drauf. Es schmollte, weil die anderen Nashörner das Fressen schon bekommen hatten und immer noch kein Pfleger in Sicht war. Mit seinem Horn wummerte es an die Stalltür um zu sagen:
"Hallo, habt ihr mich vergessen? Ich habe auch Hunger."



ELEFANTEN

Die Elefanten waren, wie immer sehr verspielt. Besonders der kleinste tollte wild herum.
Sie spiegelten sich im Wasserbecken ihres großflächigen Areals.
Das erinnerte mich daran, dass ich gehört hatte, dass diese, für ihr fürsorgliches soziales Verhalten bekannten Landwirbeltiere, zu den wenigen Tieren gehören sollen, die den wissenschaftlichen Spiegeltest bestanden haben, also über eine Selbstwahrnehmung verfügen. Man sagt ihnen auch ein großes Erinnerungsvermögen nach.


BESSER WEISE, ALS WEISS GEKALKT
Oder gibt es etwa doch echte weiße Elefanten?




ELEFANTEN, 
deren Vorfahren die gewaltigen Mammuts waren,
Elefanten stark, weise, fürsorglich aber auch nachtragend,
in vielen Ländern der Erde
wurden und werden sie verehrt, symbolisiert oder sogar vergöttert
UND NACHGEBILDET




BELEFANT TROMPO

Wer hätte das gedacht?
Tiere in vielen Arten und Formen gibt es
im großen Natur-Tierpark Berlin,
aber so etwas,
einen Elefanten-Riesen, der immer an der selben Stelle steht,
den hatten wir zuvor noch nie gesehen.

Als ich ihm plötzlich verwundert gegenüberstand, hat er freundlich mit der Zucke gewimmpert oder den Wimpern gezuckt ;o)  - und dann hat er auch noch sein zuckersüßes Lächeln aufgesetzt. Vor solch einem Riesen muss man keine Angst haben, dachte ich mir, und näherte mich ihm.

Der Wind in seinen Blättern erzählte mir seine Geschichte.




Vor vielen Jahren an einem  schönen kühlen, aber sonnigen   Frühlingsmorgen, der letzte Schnee war gerade geschmolzen, war eine wagemutige Eichel nach ihrem Sturzflug vom Eichenast direkt auf dem weichen Boden des Tierparks gelandet. Dort war sie aufgesprungen und hatte bald zu keimen begonnen. Sie hatte ihre Wurzel senkrecht und tief in den Erdboden gebohrt, um dort Nährstoffe aufzunehmen. Der Keimling der Eichel, der die gleiche Größe wie die Eichelwurzel hatte, rekelte sich der Frühjahrssonne entgegen.
Nach wenigen Wochen hatte das winzige Eichenpflänzchen seine ersten zarten Blätter gebildet und dank guter klimatischer Bedingungen entwickelte es sich prächtig.

Der kleine Eichensprössling war mit den Tierkindern des Tierparks aufgewachsen. Seine liebsten von all seinen Freunden waren die einfühlsamen Elefantenkälber gewesen. So einen schönen Rüssel wie die Säugetiere haben, möchte ich auch gern, erzählte er oft seinen Baumfreunden.

Wenn die großen Bäume ihn fragten, was er einmal werden wollte, wenn er groß sein würde, dann antwortete er: "Ein Elefant, ein Elefant." "Du bist doch ein Baum, du kannst kein Elefant werden." erwiderten diese. "Dann werde ich eben ein BELEFANT" sagte der kleine Eichenbaum darauf - fest entschlossen. Was ein Belefant sein sollte, das konnten sich die alten Bäume beim besten Willen nicht vorstellen, doch sie gaben dem Eichenkind den Namen

"Belefant Trompo".
Auf diesen Namen war und ist Trompo immer sehr stolz gewesen.





Wenn Trompo schon kein Dickhäuter werden konnte, beschloss er wenigstens zu versuchen, in Wesen, Gestalt und Größe seinen Vorbildern, den Elefanten  ähnlich zu werden. Von seiner Größe und Farbgebung war er bald einem Elefanten zum Verwechseln ähnlich.
Gleich über dem Erdboden hatte er damit begonnen, seinen Stamm nach dem Vorbild der Elefantenfüße zu gestalten. Da die Elefanten Zehenspitzengänger sind, gab Trompo seinen oberirdischen Wurzeln die Form von breiten Füßen mit großen Zehen. Das gelang ihm sehr gut. 

Bis dahin war die Metamorphose für ihn nicht so schwer gewesen. Seine geriffelte Rinde, darüber ist er besonders glücklich, sieht der faltigen Haut eines Elefanten sowieso ganz ähnlich. Da brauchte er nichts zu ändern.


Doch als sich sein erster Ast ausbildete, wurde es kompliziert. Dieser Ast sollte unbedingt die Form eines Rüssels bekommen. In dieser Zeit wagte Trompo kaum seine Astaugen zu schließen. Er hatte jeden Millimeter des Wachstums und der Wachstumsrichtung kontrolliert und korrigiert, wenn das nötig wurde. Zu Anfang war der Baumrüssel ja ein bisschen mickrig ausgefallen, aber später stimmte das Verhältnis. Die Mühe hatte sich gelohnt. Trompos erster Ast war wirklich zu einem prächtiger Rüssel geworden.

Wer jetzt die Stoßzähne vermisst, dem sei gesagt, Trompo wollte nie Stoßzähne haben. Die kleinen Elefanten, hatten ihm schlimme Geschichten erzählt, von üblen Kämpfen und von Elfenbeinjägern und dem Leid, welches diese den Elefanten aus Gier und Habsucht angetan hatten. Das hatte Trompos großes Mitgefühl geweckt. Außerdem, gegen wen hätte er sich mit solchen Imponier-Zähnen bewaffnen sollen? Er hatte keine Feinde.

Und die Ohren???
Ja, Elefantenohren hätte er schon gern gehabt - am liebsten so große, wie die der afrikanischen Elefanten. Na ja, die kleineren asiatischen Elefantenohren wären auch ganz schön gewesen, aber aus seinem Stamm wollten und wollten keine Ohren wachsen.
Aber auch ohne Ohren ist Trompo ein wunderschöner, freundlicher Belefant geworden.


Als das Bäumchen Belefant Trompo mit 50 Jahren zum Baum wurde, wuchsen erstmals auch an seinen Ästen Eicheln. Die Eichhörnchen, die ihm zu seinem 50. Geburtstag gratulierten, freuten sich über die Früchte und feierten ausgelassen mit Trompo.
Vielleicht, das wäre schön, landet ja auch einmal eine seiner Eicheln auf fruchtbarem Boden und vielleicht gibt es dann irgendwann eine junge Belefantin oder einen jungen Belefanten im Tierpark Berlin.

autorin:      © johanna zentgraf
fotos 2009: © johanna zentgraf