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Donnerstag, 31. Dezember 2020

FLOCKE & SCHNEEBALL

 

DAS KLEINE RENTIER FLOCKE & DAS HÜNDCHEN SCHNEEBALL
TierBaumGestalten einer Birke im Tempelwald in Borkwalde
 
Flocke, das kleine Rentier wollte so gern den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen,
aber davon konnte er nur träumen.
Für solch eine schwere Arbeit war Flocke noch viel zu klein. 
Er musste erst noch tüchtig wachsen und viel lernen. 
Dann, aber auch nur dann, wenn er alles Nötige dazu tun würde, 
könnte vielleicht sein größter Wunsch einmal in Erfüllung gehen.
Das jedenfalls hatten ihm die erwachsenen Rentiere gesagt. 
Was ich dafür tun kann, werde ich tun - dachte sich der Kleine.
 

Als es Winter wurde und Mutter Renkuh sich einige Tage vor Weihnachten auf ihre alljährliche Schlittenfahrt vorbereitete, 
bat ihr Söhnchen Flocke sie so ausdauernd und inständig: 
"Lass mich bitte nicht allein. 
Nimm mich mit. 
Bitte, bitte...
Flocke wiederholte das Zauberwort so oft, bis er mit seinem Bitten das Herz seiner Mami erweicht hatte.
 
"Gut" sagte sie, aber du versprichst, das du die ganze Zeit brav sein wirst. 
Sie öffnete ihr Säckchen mit dem Sternenstaub, blies etwas Staub auf ihre Nasenspitzen 
und flugs im nächsten Augenblick auch schon wirbelten Rentier-Mama und ihr Söhnchen durch die Lüfte. 
Der Zauber des Sternenstaub-Antriebes ermöglichte es den Rentieren, das sie fliegen konnten. 
Doch nur ganz wenige besondere Rentiere waren im Besitz von Sternenstaub.
Für Flocke war es sein erster Flug. 
"Hui" jauchzte er und "Ui Ui Ui, Hu hu hui, Ohhh, Hoppla, Oh, Oh Weh
Weil Flöckchen so ein Leichtgewicht war, überschlug er sich zu Anfang seiner Flugversuche einige Male. 
Die Mutter erschrak sehr und griff nach Flockes kurzem Geweih und rief ihm zu: "Bleib in meinem Windschatten, sonst gehst du mir noch verloren.
Als Flocke sein Gleichgewicht wieder hatte, ließ die Mutter ihn los und Flocke flog in geringem Abstand immer fein hinter ihr her.
Ihm war ein bisschen schwindelig geworden von der ungewohnten Fortbewegung. 
Erst als das Schwindelgefühl nachgelassen hatte und er den Schrecken überwunden hatte, konnte er seinen Flug und die herrliche Aussicht angstfrei genießen. 
Nun machte es ihm aber richtig großen Spaß. So sehr, das sein Näschen vor Glück rot zu glühen begann. 
Ungestüm plapperte Flocke jetzt ständig los und kommentierte alles was er sah. 
"Sieh nur, schau doch, hast du das gesehen..." rief er der Mutter zu. 
Die Rentierkuh aber trieb zur Eile. Der Weihnachtsmann wartete schon auf sein 12. Rentier. Sie wollte unter keinen Umständen zu spät kommen. 
"Das Nächste Mal fliegen wir früher los, aber jetzt komm, wir haben keine Zeit an den schönen Stellen zu halten. 
Vielleicht stoppen wir auf unserem Rückflug, nach getaner Arbeit an einem Sehnsuchtsort." versprach sie und drängte ihn.
Als die beiden beim Weihnachtsmann ankamen,  waren die 11 anderen Rentiere schon vor den Schlitten gespannt und scharrten bereits ungeduldig mit den Hufen.
"Höchste Zeit" brummte der Weihnachtsmann "Jetzt aber hurtig."
Flocke durfte auf dem hinteren Sitz des Weihnachtsschlittens sitzen. 
Als das Rentier-Gespann mit dem Schlitten des Weihnachtsmannes über die Dächer schwebte, brach auch schon die Nacht herein. 
Flöckchen konnte seine Augen nicht mehr offen halten, so sehr er das auch wollte. 
Der Weihnachtsmann reichte ihm eine flauschige Decke. 
Eingemummelt schlief Flocke bald tief und fest. Er verpasste die vielen Stopps bei den Kindern. 
Als Flocke erwachte, waren alle Geschenke ausgeliefert und ein neuer Tag war angebrochen. Alle, auch der Weihnachtsmann waren weg.
 
Flocke war wieder mit seiner etwas erschöpften Mutter allein. 
Er war sehr traurig, dass er nicht hatte wach bleiben können.  
Mutter Rentier musste sich vor ihrer Heimreise unbedingt noch etwas ausruhen. 
Doch bevor sie sich schlafen legen wollte, hatte sie noch eine Überraschung für ihr kleines trauriges Rentier Flocke. 
Zu diesem Anlass flog sie mit Flocke zu einem Ort im Kiefernwald, der auf ihrem Heimweg lag. 
Die Zwei landeten am Rande des Tempel-Waldes. Flocke war schon sehr gespannt, womit die Mutter ihn im Borkenwald überrasche wollte.



Die Beiden wanderten den verschneiten Waldweg entlang. 
Die Mutter zeigte ihrem Sohn, was für herrliche Kristall-Formen die Schneeflocken hatten, die gerade vom Himmel fielen. 
"Wunderschön" staunte Flocke und dankte seiner Mutter für die Überraschung.
 
Die Mutter aber lachte und freute sich sehr über ihren leicht zu beglückenden Sprössling.
 
"Ich habe noch eine Überraschung für dich." 
sagte die Mutter und zeigte auf eine Birke, die am Wegesrand stand. 
Flocke lief schnell um seine Überraschung zu entdecken.  






Am Fuße der Birke lag ein kleiner Schneeball. 
Als Flocke ihn berührte bellte das winzige weiße Wollbündel und es wedelte mit dem Schwänzchen. 
Es hob sein Köpfchen und zwei Äuglein blinzelten Flocke an. 
"Ein Hündchen, weiß wie Schnee, so süß."
Flocke konnte seine übergroße Freude kaum fassen. 
Wie sehr hatte er sich doch einen Hund als Begleiter gewünscht. 
Er umarmte erst das kleine Hündchen, das er Schneeball nannte und dann liebkoste er seine Mami. 
Bis Sylvester verweilten die Drei im Wald bei der Borkwalder Birke 
und gemeinsam vertrieben sie mit ihrem fröhlichen Gemüt die bösen Geister des vergangenen Jahres.

 

Der Birke im Tempelwald blieb die Begegnung mit Flocke und Schneeball vom 02.01.2020 unvergessen. 

fotos, animationen und text: johanna zentgraf



















 

 

 







 


Samstag, 30. November 2019

HUCK DER RABE aus Buxtehude



HUCK DER RABE
aus Buxtehude 

Als eines Sonntagmorgens der Hase und der Igel sich in der Buxtehuder Heide über den Weg liefen, kam der kleine Rabe Huck gerade von seinem morgendlichen Ausflug zurück. 

Er landete auf dem Ast der alten Birke, in deren unmittelbaren Nähe sich das Nest seiner Rabeneltern befand. Als er und seine Geschwister vor nicht allzu langer Zeit flügge geworden waren, saßen sie meist alle gemeinsam auf den Ästen dieser Birke. Huck liebte diesen Ort. Oft kam er hierhin. Es war sein absoluter Lieblingsplatz. Von der Birkenkrone aus hatte Huck einen herrlichen Weitblick über die angrenzenden Felder und Wiesen. Hier konnte er die ländliche Stille genießen, einfach nur in die Weite schauen und seine Gedanken schweifen lassen.
An besagtem Morgen aber war es nichts mit friedlicher Stille. 
Kaum waren die weithin schallenden Kirchenglocken verstummt, da entbrannte ausgerechnet am Fuße seiner LieblingsBirke ein lautstarker Streit zwischen dem eitlen Hasen und dem Igel.
Der Hase hatte in seiner arroganten Art den Igel, der ihm einen „frohen guten Morgen“ zugerufen hatte, nicht zurück gegrüßt. Empört über die Ignoranz des Hasen und die empfundene Geringschätzung seiner Person, warf der gekränkte Igel dem Hasen dessen Unhöflichkeit lautstark vor. 


Huck der Rabe, ungewollter Zeuge dieser Streit-Szene, kannte die Beiden recht gut und er wusste, dass der Hase ein eingebildeter Fatzke war. Er wusste aber auch, dass der Igel stolz, stur und leicht reizbar sein konnte. Huck hoffte nur, dass die Zwei sich bald schlichen und endlich wieder Ruhe einkehren würde. 
Aber weit gefehlt, zwischen Hase und Igel gab ein Wort das Andere und Keines war versöhnlich. Als aber der Hase sich über die kurzen krummen Beinchen des Igels lustig zu machen begann, eskalierte der Streit. 
„Was nimmt sich dieser Kerl heraus, über meine Gestalt Witze zu machen. Dem werde ich es zeigen.“
dachte der Igel und kochte vor Wut.
Der Worte laut und unfein waren genug gewechselt, sie blieben den Beiden auch schon im Halse stecken. Der Stachelige beschloss - genug palavert nun müssen Taten folgen. Er hatte eine Idee, wie er den Hasen foppen könnte. Gegner waren Hase und Igel ja bereits, also schlug der Igel dem Hasen vor, mit ihm eben hier auf dem Feld, um die Wette zu laufen. Wie flink seine kurzen Beinchen wären, das würde der Hase dann schon sehen, knurrte er.
Der Hase lachte sich ins Fäustchen und mit dieser Mimik verhöhnte er den Igel erneut. Siegessicher nahm der gut trainierte Hase die Herausforderung einer Verabredung zum Wettlauf am späten Nachmittag an. "Die Wette gilt." waren die Beiden sich zum ersten Male einig.


Der Rabe, der alles mit angehört hatte, wunderte sich sehr über des Igels irrwitzig erscheinenden Vorschlag. Seine Neugier ward geweckt. Diesen Wettlauf der ungleichen Gegner wollte er keinesfalls verpassen.


Hase und Igel trennten sich, sie trafen ihre Vorbereitungen, um sich später auf dem Felde nahe der Birke wieder einzufinden.
Der Hase lief zum Sportplatz, wo er Übungen machte, um sich aufzuwärmen.
Der Igel unterdessen war flugs nach Hause gelaufen zu seinem Weib, das ihm zum Verwechseln ähnlichsah. In seiner üblichen Macho-Manier forderte er von seiner Frau, gegen deren Willen, ihm aufs Feld zu folgen und sich in der Fuge, die das Ziel des Wettlaufes sein sollte zu verstecken. Einen Widerspruch erlaubte der Igel seiner Gemahlin nicht. Er sagte ihr, sie hätte nichts weiter zu tun als: wenn der Hase in der Furche, neben der ihren im Ziel einlaufen würde aus ihrer Deckung aufzutauchen und zu rufen: „Ich bin schon hier.“ Gehorsam wie es von ihr erwartet wurde, folgte die Igel-Frau ihrem Mann und erklärte sich bereit zu tun, was ihr aufgetragen worden war. Geduldig wartete sie in der Ziel-Furche geduckt auf das Eintreffen des Hasen, während ihr Igel-Mann sich vorzeitig zur Startposition begab. Der Hase traf pünktlich ein und erkor die Furche neben der des Igels zu seiner Rennstrecke.
Mit „Auf die Plätze, fertig, los“ starteten Hase und Igel ihren Wettlauf. Der Hase rannte schnurstracks los. Der Igel hinter ihm allerdings lief nur ein kurzes Stück, um dann wieder in seiner Furche zum Startpunkt zurück zu schleichen. 


Huck, der gespannt auf die zwei Kontrahenten gewartet hatte, entdecke von seinem hohen BirkenAst aus, dass da zwei Igel auf dem Feld waren. Er erkannte die Frau des Igels, die im Ziel hockte und da begann er zu ahnen mit welcher List der Igel den Hasen reinlegen und diesen um den Sieg und den versprochenen Gewinn bringen wollte. Den Raben, der selbst auch gern für Schabernack zu haben war, belustigte zu Beginn des Wettlaufs noch die List des Igels. Erst als der Hase, der es einfach nicht fassen konnte, wie der Igel mit seinen kurzen StummelBeinchen vor ihm dem Langbeinigen im Ziel sein konnte, noch einmal und immer wieder den Lauf wiederholen wollte, begriff der Rabe, das der Hase das falsche Spiel des Igels nicht durchschaute und das dieser viel zu ehrgeizig war um ein guter Verlierer sein zu können. Der Igel freilich hatte nichts dagegen, den Lauf so oft der Hase es nur wollte zu wiederholen, wieso denn auch. Er und seine Frau saßen ja gemütlich in ihrer Start- und Ziel-Furche, während der Hase ächzend um sein Leben lief. 

Egal wie sich der Hase auch anstrengte, egal wie schnell er auch war, jedes Mal am Ziel bekam er zu hören, dass der Igel schon längst da wäre. Der Erschöpfung nahe, wollte der stolze Hase sich nicht geschlagen geben. Immer verbissener wurde der Hase und sprintete bis er Kraft- und Atemlos in der Mitte des Feldes zusammenbrach. Er zuckte noch ein paar Mal und verschied.
Sein Stolz und übertriebener Ehrgeiz hatten dem Hasen tatsächlich das Leben gekostet.


„Oh weh, das ist alles andere als komisch." - durchfuhr es den erschrockenen und zu tiefst betroffenen Raben.
"Ei der Daus das Spiel geht tödlich aus.“ 
So hätte dieser Wettstreit nicht enden dürfen. 
Huck, der die Wahrheit kannte, sie aber aus lauter Sensationslust und aus Spaß an der Aktion für sich behalten hatte, war bis zum bitteren Ende ein stummer, tatenloser Zeuge geblieben. Deshalb machte er sich nun lange große Vorwürfe, weil er nicht warnend eingeschritten ist. Solch einen schlimmen Ausgang des Geschehens hatte Huck wahrlich nicht voraussehen können. So viel Erfahrung hatte der kleine Rabe in seinem jugendlichen Alter noch nicht. 

Der Igel und seine Frau unterdessen düngten sich frei von Schuld. Sie schrieben das Unglück allein der Dummheit des Hasen zu. Im Siegestaumel brachten die Beiden fröhlich ihren Wettgewinn nach Hause. Später prahlten sie oft damit, das sie mit schlauer List den Hasen besiegt hätten. 


Vom ethisch- und moralischen Standpunkt aus war das Handeln der Igel jedoch äußerst gewissenlos, das begriff Huck schnell. „Wer gut täuscht gewinnt vielleicht, aber zu welchem Preis." 

Vergebens versuchte der Rabe nach diesem Erlebnis sein Gewissen zu beruhigen. Ihm war schlagartig bewusst geworden, dass wenn er den Betrug Kund getan hätte, er vielleicht dieses Unglück hätte verhindern können. Um den Lug und Trug aufzudecken berichtete er später allen, die ihm die Geschichte vom Buxtehuder Hasen und Igel erzählten, was sich wirklich auf dem Felde zugetragen hatte. Abschließend bemerkte der schlaue Rabe oft:   
"Scherze sind nur lustig, solang niemand ernsthaft zu Schaden kommt.“ 


 Aus seinem Fehler hatte Huck gelernt. Nach diesem tragischen Erlebnis blieb er nicht mehr stumm. Sobald er nur eine Gefahr erahnte oder erkannte, warnte er lautstark krähend alle in seiner Umgebung.  Nur leider wird der Raben Krähen oft nur als Lärmbelästigung wahr genommen. So wurde auch Hucks Krähen oft missverstanden. Selten nur fand er Gehör und noch seltener wurde er verstanden.

Noch heute sind Viele der Meinung der Buxtehuder Igel sei schlau gewesen und erkennen in ihm nicht den gewissenlosen Betrüger. 
In Buxtehude, dem Ort des Geschehens, dem Märchen-Ort, den es wirklich gibt, erinnert Vieles an die Geschichte von Hase und Igel. Hier finden sich Wandreliefs, Papp-Figuren, ein Denkmal, Postkarten, Zeichnungen und Bücher, die Hase und Igel darstellen und an die Geschichte erinnern.





Dem gelehrigen Raben Huck,

der aus Erfahrung schlauer wurde hat die Natur in purer Art am Stamm einer Birke im Buxtehuder Park ein Denkmal gesetzt.



text & fotos: 2019 johanna zentgraf

Mittwoch, 5. Januar 2011

BAUMGESICHT - HAUBENPINGUIN FRIEDOLIN


BAUMGESICHT
HAUBENPINGUIN 
FRIEDOLIN

Im Taunus in Oberursel 
wuchs am Urselbach die Birke 
„fröstelnde Frieda“ heran.







DIE BIRKE
FRÖSTELNDE FRIEDA
von Oberursel / Hessen

Die Birke war sehr klein und zart und sie bibberte schon, wenn auch nur das leichteste Windchen blies. Weil sie so schnell fror, war ihr im Herbst schon vor dem kommenden Winter bang und ihre feinen Blättchen zitterten, wie sonst nur Espenlaub.

Wenn es Winter wurde, 
fielen die Blätter der fröstelnden Frieda viel früher schon von den Ästen, als es die Blätter all der anderen Birken taten.



DIE BIRKENZEISIGE
in Oberursel / Hessen

Eines schönen Tages 
flog ein Schwarm Birkenzeisige 
durch die Wälder des Taunus.
Die weit gereisten Zugvögel 
landeten auf der Birken, 
die im hessischen Städtchen 
O B E R U R S E L
den Urselbach säumten

Von den Wipfeln der Bäume im schönen Taunus zwitscherten die Zeisige Lieder und Geschichten aus ihrer fernen Heimat, der tasmanischen Maquarieinsel, die sich südlich im Pazifischen Ozean aus dem Meer erhebt. 

Die Birken lauschten andächtig den Erzählungen der Birkenzeisige.

Die Bäume am Mühlenwanderweg und deren Bewohner erfuhren so von den Zeisigen viel über die australische, subantarktische Maquarieinsel, über die dort ansässigen Lebewesen und die klimatischen Bedingungen auf der Insel.
Als die fröstelnde Frieda zum ersten Mal von einem Birkenzeisig erfuhr, dass es auf dessen Heimatinsel flugunfähige Seevögel gibt, die sich dem Leben in extremen Kältezonen der Erde hervorragend angepasst haben, war sie so neugierig und wollte alles wissen über die Pinguine, die nicht frieren. Frieda beneidete die Pinguine um deren dicke Fettschicht und um die wasserdichten Federn, die gleichmäßig über ihren ganzen Körper verteilt sind. Wenn die Birkenzeisige sangen, hörte die kleine Birke so gespannt deren Erzählungen zu, dass sie während dieser Zeit nicht einmal bemerkte, wie kalt es war.

FRIEDOLIN 
DER HAUBENPINGUIN

Die Geschichte von „Friedolin“ dem Haubenpinguin hatte es der Birke Frieda besonders angetan, 
nicht nur wegen ihrer Namensverwandtschaft.


Der weitgereiste Birkenzeisig hatte Frieda berichtet, dass der Haubenpinguin, Friedolin, der winzigste Pinguin seiner Art gewesen war, den er je gesehen hatte.
Obwohl Haubenpinguine meist nur das zweite größere Ei ihres Geleges ausbrüten, weil sie mehr als ein Junges nicht ernähren könnten, hatte eines der Pinguinpaare, die im Frühjahr zum Brüten auf die Maquarieinsel gekommen waren, eine Ausnahme gemacht von dieser evolutionsbedingten erfolgreichen Methode für das Überleben ihrer Art.
Das zweite Ei, aus dem Gelege dieser jungen erwartungsvollen Pinguin-Eltern, die ihr Nest etwas zu nah am Meer gebaut hatten, war von einer gewaltigen Welle ergriffen und gegen die Felsen geschleudert worden. Das Pärchen hatte verzweifelt und entsetzt mit ansehen müssen, wie ihr großes Ei an einer der vielen Klippen, die es dort gab, zerschellte und wie es sich schäumend mit der weißen Gischt vermischt und diese gelb gefärbt hatte.
Nach diesem schmerzlichen Verlust waren das Weibchen und das Männchen Pinguin sehr erleichtert, als sie sahen, dass ihr kleines erstes Ei noch im Brutloch lag und verschont geblieben war. Sie beschlossen, all ihre Fürsorge diesem ihnen verbliebenen Nachkommen zu widmen. Trotz des Gespöttes und des Unverständnisses der anderen Pinguine der Kolonie, brüteten sie das kleine Ei aus.

„Was für eine vergebene Liebesmüh! Dieses Junge wird nie stark genug werden.“ klugscheißerten die alten Pinguine. Viele der anderen brütenden Paare spotteten und machten Witze über die Größe des wirklich sehr kleinen Pinguin-Ei‘s.
Die liebevollen Eltern aber ließen sich nicht beirren. Sie taten alles, damit der kleine Pinguin sich entwickeln konnte. Sorgsam drehten, wärmten und wendeten sie das Ei.
Als der kleine Winzling dann endlich nach 33 Tagen geschlüpft war, war die Freude Rießen groß. “So ein süßes Kerlchen“ - viel, viel kleiner als all die anderen Jungen in der Pinguinkolonie war es. Der Kleine strecke den Eltern sein Schnäbelchen entgegen. Fast allein hatte das Pinguinküken die Eischale aufgepickt. Seine Eltern hatten nur ein bisschen mitgeholfen, damit ihr Küken die nicht mehr benötigte Schutzhülle unbeschadet verlassen konnte.

„Friedolin“, das reimt sich gut auf Pinguin. „Ja – Friedolin - so nennen wir ihn.“- hatten überglücklich Mama und Papa Haubenpinguin gejubelt und Friedolin hatte vergnügt gepiepst.

„Ihr braucht dem Kleinen gar nicht erst einen Namen zu geben, er wird gewiss nicht lange überleben.“ versuchten Tanten und Onkel Haubenpinguine im Chor mit vielen ihrer Pinguin-Nachbarn durch ihre Ratschläge und mit ihren düsteren Vorhersagen die Freude des jungen Pinguin-Paares zu dämpfen, damit die Beiden nicht zu sehr leiden müssten, wenn bei ihrer Brut etwas schief gehen würde. Einige dieser Verwandten und Bekannten aus der Kolonie hatten schon schlimme Erfahrungen in der rauen Wildnis machen müssen oder aber von solchen gehört.
Die jungen Eltern aber verbaten sich diesen fürchterlichen Pessimismus ihrer Artgenossen.
„Gebt endlich Ruhe.“ sagten sie „Hoffnung, ja Hoffnung braucht es vor allem zum Überleben …“

„Wir kriegen dich schon groß“ sagten sie zu ihrem kleinen Friedolin. Alsdann stürzte sich Mama Pinguin in die Fluten, um Nahrung zu finden für sie alle Drei. Während der Abwesenheit der Mutter wärmte und schütze der Papa den Kleinen. Von ihren Tauchgängen kam die Mama Pinguin meist mit genug Krill und kleinen Fischchen zurück, um ihre kleine Familie satt zu bekommen. Ihr Küken und der Papa bekamen ausreichend und gutes Futter. Später hatten sich die Eltern abgewechselt. Sie waren zu einer Arbeitsteilung übergegangen. Beide betreuten und verpflegten ihren kleinen Friedolin fürsorglich.

Die Eltern hatten viel Freude an dem kleinen Friedolin, der so ein lebenslustiger Pinguin war. Trotz seines Zwergenwuchses stand er den anderen Pinguinküken in nichts nach. Er war zwar zart aber trotzdem kräftig - und mutig war er. Und meistens war er gut gelaunt.


Als Friedolin alt genug war, um in den Pinguin-Kindergarten zu gehen, war er anfänglich wieder einmal vielem Gespött ausgesetzt. Die größeren Pinguine seiner Altersklasse übten sich in Revierkämpfen, wie sie es bei ihren Eltern gesehen hatten. Sie glaubten, bei so einem kleinen Pinguin hätten sie ein leichtes Spiel. Aber da hatten sie sich getäuscht. Friedolin ließ sich nicht unterkriegen. Versuchten die Großen ihn zu vertreiben, blieb Friedolin erhobenen Hauptes und mit ausgestreckter Flosse stehen. „Bis hierhin und nicht weiter.“ sagte Friedolin. Er behauptete sein Revier, das kleine Fleckchen Erde, auf dem er stand, ohne viel Tamtam darum zu machen. Er rührte sich einfach nicht vom Fleck. Die Schreihälse ließ Friedolin schreien, er hörte nicht hin und ließ sich auf keine Diskussionen mit ihnen ein.

Spielerisch lernten die Pinguine im Kindergarten vieles, was ihnen in ihrem späteren Leben von Nutzen sein sollte. Friedolin war immer sehr aufmerksam gewesen, wenn es etwas zu lernen gab. Bereitwillig zeigte er den Pinguinkindern, die nicht so schnell alles verstanden hatten, das was er gelernt hatte. Bald war Friedolin auch im Kindergarten sehr beliebt.
Weil er oft mit ihnen scherzte und sie zum Lachen brachte, mochten besonders die Pinguin-Mädchen den kleinen Friedolin sehr gern.

Friedolin war immer in Bewegung. 
Man sah ihn nur selten langsam watscheln. 
Meistens hüpfte Friedolin und wenn er glücklich war, dann sprang der kleine schwarzweiße Punkt wie wild über die Steine und Eisschollen. 


Friedolin flatterte mit seinen schmalen Flossen, den Flügelähnlichen, die fürs Fliegen zu kurz geraten und wahrlich ungeeignet waren. Auf und ab bewegte er die Stummel-Flossen so als wolle er gleich losfliegen und hüpfte und tanzte. Das sah so lustig aus, dass sogar die ewig Ernsten unter den Pinguinen sich vor Lachen ihre Bäuche halten mussten. „Wir Pinguine können doch gar nicht fliegen …“ lachten alle „Ha, hahaha …“ „Versuche es doch lieber mal mit schwimmen.“


Als Friedolin zum ersten Mal ins Meer gesprungen war, da war ihm sehr schnell klar. Das Wasser, das war sein Element. Bald schwamm er allen davon und drehte die wundervollsten Pirouetten. Pfeilschnell wie er war, hatten seine Feinde keine Chance ihn zu fangen. Die Vögel, die ihn an Land ausgelacht hatten, weil er nicht fliegen konnte, die waren jetzt stumm. Sprachlos vor Bewunderung waren sie, als sie sahen, wie wendig und grazil der stromlienförmige kleine Körper des Pinguins durchs Wasser schnellte.

Als eines bitterkalten Tages ein Birkenzeisigküken von einem Felsenvorsprung abgerutscht war, ins Meer gestürzt und in den Fluten des Pazifischen Ozeans um sein Leben gekämpft hatte, da war der kleine Friedolin rechtzeitig zur Stelle gewesen. Auf seinem Rücken trug er das erschöpfte Küken, das viel Wasser geschluckt hatte, ans Land. Das kleine Birkenzeisigküken erholte sich zum Glück. Die Birkenzeisige feierten den Pinguin Friedolin, den Lebensretter, als ihren Helden. Überall taten sie fortan kund, was wahre Größe ist und das sich diese nicht in Zentimetern messen lässt. Der Kleinste der Pinguine, der war für die Zeisige der Größte.

Der Birkenzeisig, der die Geschichte vom Haubenpinguin Friedolin der Birke fröstelnde Frieda im Taunus erzählt hatte, der war dem kleinsten Pinguin von der Maquarieinsel selbst schon begegnet. 

Seine Zeisig-Mama war es gewesen, die der Pinguin Friedolin damals aus den Fluten des Meeres gerettet hatte. Die Birkenzeisig-Mama hatte mit all ihren Jungen oft den Pinguin besucht.



Als der Birkenzeisig auf einem von Friedas Ästen gelandet war, glaubte er an deren Stamm einen Pinguin erkannt zu haben. „Schwarz und weiß so sah auch der kleinste Pinguin auf der Maquarieinsel aus, wie die Farben deiner Rinde.“ trällerte der Zeisig froh und er besuchte Frieda, mit dem Pinguin-BaumGesicht so oft er nur konnte.

Friedas schwarzweiße Rinde war im Laufe der Zeit kräftiger geworden und seid sie sich dem Haubenpinguin Friedolin verwandt fühlte, war sie auch nicht mehr so wetterfühlig. Manchmal freute sie sich jetzt sogar auf die Zeiten, in denen weißer Schnee vom Himmel viel. Wurde es ihr doch einmal zu kalt in ihrem Winterkleid, dann machte sich die Birke warme Gedanken halt.
Die Birke Frieda weiß wohl, wenn der Birkenzeisig wieder „tschett, tschett“ singt:
Der nächste Frühling kommt bestimmt.











text & fotos: 2010 / 2011 © johanna zentgraf



Sonntag, 21. März 2010

BAUMGESICHT - YOUNIS

DAS BIRKEN-BAUMGESICHT YOUNIS

Klaus-Dieter und Janine begegneten dem BaumGesicht Younis auf dem Weg zu ihrem gemeinsamen Wochenend-Vernissage & Gallery- Marathon in Berlin.
Younis steht in der Einemstraße Ecke Kurfürstenstraße in Berlin Mitte-Tiergarten.
Es war der 20. März 2010 als Klaus und Janine das Gedanken vertiefte BirkenBaumGesicht bemerkten.


"Guten Abend ihr Kunst- und Kultur interessierten Menschen. 
Wisst ihr, dass die Tagundnachtgleiche in diesen Jahr auf den 20. März fällt.?
    Heute also beginnt der astronomische Frühling.
    Die Sonne steht senkrecht über dem Erdäquator.
    Heute ist der erste der zwei Tage im Jahr, an dem Nacht und Tag ungefähr gleich lang sein werden.


    Wenn ihr das nächste Mal bei mir vorbeischaut, werde ich zarte grüne Blätter tragen."

    fotos 2010-03-20: © klaus-dieter-knoll
    text 2010-03-21: © johanna zentgraf  



    Donnerstag, 28. Januar 2010

    BAUMGESICHT - NEUJAHRSWICHTEL ALBAJANU


    Während des ersten Spaziergangs im neuen Jahr,
    am Nachmittag des 01. Januar 2010,
    entdeckte Doreen in einem Vorgarten im Böhmischen Dorf
    in Berlin-Neukölln am oberen Baumstamm einer Birke das BaumGesicht Albajanu.

    ALBAJANU
    ist ein Neujahrswichtel.
    Sein Name, Albajanu,
    bedeutet soviel wie
    WEISSER JANUAR.




    An diesem ersten Tag im neuen Jahrzehnt trug Albajanu auf seiner weißen Zipfelmütze tatsächlich eine Schicht frisch gefallenen weißen Schnees.
    Der kleine Wicht war überglücklich, was für ein schöner Jahres-Neubeginn.


    Endlich war der Schnee nicht wie so oft in den letzten Jahren gleich wieder getaut. Er schmückte die Bäume und Dächer und nahm den Gehwegen und Straßen das Grau. Wie gepudert sah die Landschaft aus. Die Luft, die nach den Feuerwerken der Silvester-Nächte oft noch den ganzen folgenden Tag nach Pulver gerochen hatte, duftete an diesem 1. Januar nach frischem Schnee, dessen Kristalle in der Sonne funkelten und alles sah so klar und friedlich aus.
    Albajanu atmete tief ein, beim Geruch des frischen Schnees kamen ihm viele schöne Erinnerungen aus der Vergangenheit in den Sinn. Diesen Gedanken hing er verzückt nach, bis sein Blick auf die Graffiti-Wand auf der gegenüberliegenden Straßenseite fiel. Aufgesprüht von Kinderhand war dort zu lesen:

    "alles wird gut"


    Ein guter Wunsch für das neue Jahrzehnt, dachte Albajanu.
    Hoffentlich erfüllt er sich,
    hoffentlich auch für den kleinen Schmierfink,
    der dies geschrieben hat.
    Ein Kind mit Sorgen, dachte er...


    Albajanu erinnerte sich, wie er die Kinder früher oft beim Spielen beobachtet hatte.
    Die Straße oder besser gesagt der Weg, wo der kleine Wicht aufgewachsen war, wurde selten befahren. Ein Flecken in der Großstadt, an dem Kinder tollen und Eltern unbesorgt sein konnten.
    So hatte er seinen Spaß gehabt an den Kleinen mit ihren Dreirädern, Rollern, Fahrrädern, Puppenwagen, Hüpf- und Sprungseilen, Hula-Hoop-Reifen, Drehkreiseln, ihren Schlitten, Schnee- Schlitt- und Rollschuhen.
    Er hatte sie bewundert beim Blumenpflücken, Flechten von Kränzen, beim Bau von Sandburgen, Iglus und Baumhäusern oder Decken-Zelten, beim Malen und Geschichten erzählen, bei ihren Entdeckungen und Mutproben, bei den vielen Ballspielen, oder beim Versteck-, Indianer- oder Cowboy-, beim Puppen- und Theaterspiel.

    Albajanu vermisst, das fröhliche Lachen der spielenden Strassen-Kinder wirklich sehr. Was ist nur geschehen in den letzten Jahren? Wo sind all die fröhlichen Kinder geblieben?
    Schnee ist gefallen, doch keine Schneeballschlachten weit und breit und nirgendwo ist ein Schneemann zu sehen.
    Statt dessen hört er die Leute ständig von Chaos sprechen.
    Wer verursacht dieses Chaos und warum denn bloß?
    Chaos? - Es ist Winter. - Also bitte...

    Wo Sensationsmache Angst einflößend wirkt, wo Schein für Sein steht, wo Herzlichkeit, Sicher- und Geborgenheit immer seltener werden, wachsen die Kinder in einer immer liebloser werdenden Atmosphäre auf, verunsichert, mit wenig Motivation und Hoffnung in die Zukunft.
    Bei der Jagt ums schnelle Geld wurden in den vergangenen Jahren mehr und mehr soziale Grundpfeiler in Grund und Boden gestampft. Gutgläubige Menschen wurden betrogen ausgenutzt und überrollt. Gegenseitige Achtung wurde zu einem Fremdwort für Viele.

    Albajanu aber will die Hoffnung nicht aufgeben.
    Gute Vorsätze für ein neues Jahr zu schmieden ist eine alte Tradition vieler Menschen, weiß Albajanu. Vielleicht besinnt sich die Menschheit ja doch irgendwann und beginnt endlich damit nach edlen Werten zu streben, damit die Menschenkinder und alle Lebewesen eine bessere Zukunft haben werden, das wünscht er sich.


    Für Albajanu habe ich einen SchneeMann gebaut und fotografiert. 
    Auf meinen Winterspaziergängen
    habe ich ein paar SchneeMänner entdeckt
    und ich bekam SchneeMann-Fotos geschickt.
    Noch sind das sehr wenige SchneeSkulpturen für die SchneeMann-DiaShow,
    aber der Winter ist ja noch nicht zu Ende.

    text & foto 2010: © johanna zentgraf


    SCHNEEMÄNNER - DIASHOW
    FÜR ALBAJANU



    Wenn Du/Sie/Ihr ein schönes SchneeMann/Frau/Tier-Foto
    für Albajanu hast/habt,
    sende/t es bitte an folgende E-Mail-Adresse: 
    zen@baumgesichter.net
    (Nur Fotos mit Name und Einwilligung des Fotografen und der Abgebildeten,
    wenn möglich auch mit Datum)
    Eine Auswahl dieser SchneeMann-Fotos
    werde ich später in der SchneeMänner-DiaShow für Albajanu zeigen.

    NEUJAHRSWICHTEL ALBAJANU
    freut sich auf Eure SchneeMann-Fotos.




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    3. PLATZ beim Besucher-Award Januar 2011

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    in der Kategorie:

    KUNST - LITERATUR

    (mit insgesamt 9 Homepages)

    im Januar 2011

    beteiligten sich 2.840 Besucher.


    Für den Blog

    BAUMGESICHTER I TREEFACES

    gaben insgesamt 544 Teilnehmer

    ihre Stimme ab.

    Ich hoffe,

    dass nun niemand sprachlos ist

    und möchte allen danken,

    die so fleißig mitgestimmt haben.


    Dakini der BaumWesen

    Johanna Zentgraf