BaumWesen: Geister, Wichte, Trolle, Kobolde, Elfen, Tiere, Zwerge, Fabel- & Märchengestalten des Waldes
Samstag, 4. April 2026
FRÖHLICHE OSTERFEIERTAGE 2026
Dienstag, 11. Februar 2025
DER RATTENFÄNGER VON HAMELN
DER RATTENFÄNGER
Zu Hameln fechten Mäus und Ratzen
Am hellen Tage mit den Katzen;
Der Hungertod ist vor der Tür:
Was tut der weise Rat dafür?
Im ganzen Land
Macht er`s bekannt:
Wer von den Räubern
Die Stadt kann säubern,
Des Bürgermeisters Töchterlein,
Die soll zum Lohn sein eigen sein.
Am dritten Tage hört man`s klingen
Wie wenn im Lenz die Schwalben singen;
Der Rattenfänger zieht heran -
O seht den bunten Jägersmann!
Er blickt so wild
Und singt so mild,
Die Ratten laufen
Ihm zu in Haufen;
Er lockt sie nach mit Wunderschall,
Ertränkt sie in der Weser all.
Die Bürger nach den Kirchen wallen,
Zum Dankgebet die Glocken schallen:
Des Bürgermeisters Töchterlein
Muss nun des Rattenfängers sein.
Der Vater spricht:
“Ich duld es nicht!
So hoher Ehren
Mag ich entbehren.
Mit Sang und Flötenspiel gewinnt
Man keines Bürgermeisters Kind.“
In seinem bunten Jägerstaate
Erscheint der Spielmann vor dem Rate.
Sie sprechen all aus einem Ton
Und weigern den bedungnen Lohn:
“Das Mägdelein?
Es kann nicht sein;
Herr Rattenfänger,
Müht Euch nicht länger!
Eur Flötenspiel ist eitel Dunst
Und kam wohl von des Satans Kunst.“
Am andern Morgen hört man`s klingen,
Wie wenn die Nachtigallen singen.
Ein Flöten- und ein Liedersang,
So süß vertraut, so liebebang!
Da zieht heran
Der Jägersmann,
Der Rattenfänger,
Der Wundersänger,
Und Kinder, Knaben, Mägdelein
In hellen Scharen hinterdrein.
Und hold und holder hört man`s klingen,
Wie wenn die lieben Englein singen,
Und vor des Bürgermeisters Tür,
Da tritt sein einzig Kind herfür.
Das Mägdelein
Muss in den Reihn;
Die Mäuschen laufen
Ihm zu in Haufen.
Er lockt sie nach mit Wunderschall,
Und nach der Weser zogen all.
Die Eltern liefen nach den Toren,
Doch jede Spur war schon verloren.
Kein Eckart hatte sie gewarnt,
Des Jägers Netz hält sie umgarnt.
Zwei kehren um,
Eins blind, eins stumm.
Aus ihrem Munde
Kommt keine Kunde.
Da hob der Mütter Jammer an.
So rächte sich der Wundermann.
Gedicht von Karl Joseph Simrock
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| RATTENFÄNGER mit KATZE BaumGestalt einer Kastanie in Hameln fotos und animation 2025-02-02: johanna zentgraf |
Montag, 18. März 2013
VÄTERCHEN FROST - DER RIESE DRUMB
VÄTERCHEN FROST
Das BaumGesicht vom Bad Nenndorfer Kastanienbaum
Der Riese Drumb, der alte Vater Frost, knirscht laut mit seinen großen weißen Zähnen. Es ist schon wieder März, das passt ihm nicht.
„Der Winter ist noch nicht vorbei!
Ich bleibe noch!"
brummt er und meint das bitterernst.
Er beißt sich fest,
lässt einfach nicht mehr los und eisig kneift die Kälte.
In diesem Jahr halfen kein Lärm und keine Fastnachts-Maskeraden den Winter zu vertreiben. Der alte Drumb hat laut gegrollt, die Guggenmusik lautstark übertönt. Das Blechblas-Vertreibungs-Ritual blieb ohne Erfolg. Väterchen Frost, der kennt das ja. Es wiederholt sich Jahr um Jahr. Er weiß von vielen alten Bräuchen, den Winter auszutreiben und wie er sich davor schützt. Seit Langem schon lässt Väterchen Frost sich keine Angst mehr einjagen. Er fürchtet sich nicht vor den grausigsten Perchten-, Teufels-, und Hexenmasken, noch ängstigen brennende Strohpuppen und Holzscheiben ihn. Vor Hutzel- und Funkenfeuern nimmt er sich in Acht.
Der Drumb, alt wie er ist, der kennt der Menschen Hinterlist und denkt:
„Maskiert euch ruhig, rollt rasselnd durch die Straßen auf euren bunten Wagen, peitscht und knallt, dass laut es schallt, ich lass mich nicht vertreiben. Zündet ihr auch noch so viele Feuer an - erschreckt, wen ihr wollt - mich jedenfalls nicht. So schnell gebe ich nicht auf, bin ich auch alt.“
Aus frostigem Herzen hasst Drumb den ganzen Mummenschanz.
Als sie den WinterRiesen schlafen sahen, glaubten die Frühlingsboten Väterchen Frost schliefe endlich tief und fest. Die Krokusse, Schnee- und Osterglöckchen und viele andere Frühlingsblumen reckten erwartungsvoll ihre Köpfchen den Sonnenstrahlen entgegen und erste Knospen zeigten sich. Doch unerwartet erwachte der verbissene Alte nach kurzem Schlaf. Als er erwachte, atmete er schwer. Der Riese Drumb war widerwillig eingeschlafen und hatte auch noch schlecht geträumt. Die rauen Nordwinde tobten in seiner Brust. Er blies die Wangen auf und ohne Rücksicht auf die frischen Triebe atmete der Riese die eisigen Winde durch seine Zähne pfeifend aus.
Hauch um Hauch bedeckte sich das kaum enteiste Land erneut frostig mit Reif und Eis.
Väterchen Frost riss die Augen auf, entschlossen, sich noch lange nicht in den jahreszeitlich verordneten Ruhezustand verbannen zu lassen. Da zogen am Horizont mit jedem seines Augenaufschlags prall gefüllte Schneewolken auf. Es schneite, und über Nacht war alles wieder weiß. Das Winterwetter, das im Frühjahr unerwünscht ist, es war zurück.
Der Riese triumphierte. Er hatte furchtlos seinen Starrsinn durchgesetzt, womit er demostrierte, wie stark er ist.
Beim Anblick der erfrorenen Knospen und Frühblüher aber reute es ihn. Aus freiem Willen ist er nun bereit zu gehen.
Er atmet ein den kalten Wind und endlich wird er müde von seinem Machtgehabe. Väterchen Frost packt sein Bündel und füllt es mit glitzernden Eis-Kristallen.
Langsam löst er sich aus der Verbissenheit und macht dem Frühling endlich Platz.
Gebettet in weißen Flockenpflaum verschläft der Riese Drumb den Frühling und den Sommer meist. Erst am Jahresende wacht Vater Frost wieder auf, dann wenn der Herbst ihn nicht mehr schlafen lässt.
Schlaf wohl Väterchen Frost, schlaf endlich tief und fest und wache bitte nicht mehr auf vor deiner Zeit.
fotos 2011-03-01 & 2013: © johanna zentgraf
text 2013: © johanna zentgraf
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