Montag, 29. Oktober 2012

KETTENRAUCHER - BAUMGESTALT


KETTENRAUCHER - VERKOHL-MICH-NICHT
Ohne Zigarette sah man den Kettenraucher so gut wie nie, und mit der Fluppe war er vor lauter Rauch auch kaum zu sehen. 
Doch wer ihn zu Gesicht bekam, dem war schnell klar: Gesund kann dieser Typ nicht sein. 
Vom Nikotin gezeichnet waren seine Finger gelb verfärbt. Er hatte braune Stummel-Zähne und seine Haut war grau und fahl. 

Man sah 's ihm wahrlich an, dass er von seinem selbstzerstörerischen Tun nicht lassen konnt'.

Das Rauchen aufzugeben hatte er nie ernsthaft versucht.
Sprach man ihn auf seine Gesundheit an, konterte er plump:
"Wer raucht, der stirbt, wer nicht raucht auch."
Da bleibt nur noch zu sagen: "Verkohl mich nicht!"



Der Kettenraucher wurde sehr nervös, war keine Stange mehr im Haus. Bei der Letzten angebrochenen Schachtel, da rannte er, es musste schnellstens Nachschub her. War eine Zigarette aufgeraucht, zündete er auch schon die Nächste an. Der Stängel musste immer glimmen und Zug um Zug in kürzester Zeit verräucherte er den ganzen Raum. Dort wo er stand und ging umgab und folgte eine graue Wolke ihm. Es stank. Er selbst, er roch das nicht, wie vieles Andere auch seit Langem schon nicht mehr.
So süchtig war der Raucher, dass selbst im Bette er noch saugte an der Zigarette. Achtlos brannte er schon viele Löcher in Kissen, Laken, Decke.

SEINE ALLERLETZTE ZIGARETTE, DIE RAUCHTE ER IM BETTE. 

Als ich des Kettenrauchers-Baumgestalt auf einem Friedhof wieder fand,
am Glimm-Stängel in seinem Mundwinkel hab' ich ihn erkannt,
hielt dieser noch einen Zipfel des verbrannten Lakens in seiner Hand.
Er winkte mir zum Abschied. Verkohlt hatte er sich letzten Endes selbst. 


BAUMGESTALT KETTENRAUCHER VERKOHL-MICH-NICHT
mit der letzten Zigarette
 D - Heddesheim / Friedhof
foto 2011-02-14 © johanna zentgraf
text 2012 © johanna zentgraf