Mittwoch, 2. Juni 2010

WURZEL-BAUMGETALTEN EINHORN, BÜFFEL & BÄR

DIE WURZEL-BAUMGESTALTEN
EINHORN & WASSERBÜFFEL & BRAUNBÄR
vom Hundekehlefenn I Grunewald I Berlin


Die BaumWurzelGestalten -Formen
und -Gesichter
aus den Tiefen des Erdreiches erscheinen nie grundlos. Immer wenn sie sich aufrichten, gibt es eine Ursache dafür. Ihrem Erscheinen, ihrer Entstehung gehen oft gewaltige Kräfte oder Umwälzungen voraus. Manchmal sind es Naturgewalten, die diese Formen hervorbringen. Manchmal aber auch werden sie von anderen Lebewesen ausgegraben, ausgebuddelt, ausgerissen oder umgestoßen und gelangen so ans Licht. Gelegentlich bilden sie sich langsam heraus, durch ein stetiges Einwirken von Kräften über einen langen Zeitraum, wie zum Beispiel durch ein kontinuierliches Ausspülen oder durch ein Abrutschen des Untergrundes. Oft sind auch Licht und Schatten von Nöten um ihre Illusion sichtbar zu machen oder zu verstärken.

Wenn Wurzeln ihren Halt verlieren
oder ausgerissen werden, dann hat das fast immer etwas Beunruhigendes. Die Befürchtung den Halt zu verlieren, gehört zu einer der ältesten Ängste. Der Gedanke zu stürzen oder haltlos zu werden führt meist zu großer Beunruhigung, besonders wenn man als flügelloses Wesen auf einen Halt oder auf einen festen Stand vertraut. Träume von in unbekannte Tiefen fallen, haben ihren Ursprung in solcher Urangst.

Beim Betrachten von gefallenen oder gefällten Bäumen sind einige Menschen darum auch bewusst oder unbewusst berührt. Ragen die Wurzeln, die sonst fest verwurzelt waren, gar aus dem Boden und greifen ins Leere oder nach den Sternen um Halt zu suchen, dann schreiben diese mit ihren geschwungenen Wurzelspitzen ein nonvisuelles „WARUM?“ in die Landschaft. Diese Frage wird jedoch nur von sehr wenigen Menschen wahrgenommen. Um auch jene Lebewesen zu erreichen, deren Instinkte verkümmert sind, bilden die haltlosen Wurzeln gelegentlich sogar Gesichtsausdrücke aus oder erscheinen als Gestalten. Viel nachdrücklicher und eindringlicher geben die Wurzelerscheinungen so Zeichen an ihre Umgebung. Ihre Formgebung erzählt oft viel mehr, als der unsichtbare Luftwurzel-Mahn-Schriftzug „WARUM?“

Viele der BaumWurzelFormen sind entstanden aus Verbindungen von Wurzeln mit verschiedenen anderen NaturElementen. Oft ist das Skelett solcher NaturGebilde aus Wurzelholz und der Körper besteht aus Erde, Moos, Gras und anderen Pflanzen, oder die Wurzeln sind verwachsen, verschlungen, durchlöchert oder ausgewaschen. So bringt die Natur die bizarrsten BaumWurzelGebilde hervor. Einige dieser WurzelGestalten sind unglaubliche Gleichnisse für Ereignisse in ihrer Umgebung oder für zeitgeschichtliche Geschehnisse. Nicht selten eröffnen sie einen Zugang zu alten Erzählungen, Märchen und Mythen oder regen die Fantasie an zu neuen Fantastereien um ihre Gestalten und deren Bedeutung.

Die WurzelGestalten sind Mittler
zwischen:
o   tief & hoch
o   unten & oben
o   verborgen & offensichtlich
o   dunkel & hell
o   schwarz & weiß

Dort wo WurzelGestalten erscheinen, ist meist auch ein mystischer Ort, an dem starke Energien fließen.

Eine BaumWurzelGestalt, die ich im Westerwalder Winterwald in Kirchen-Katzenbach entdeckt hatte,
habe ich ja schon im Februar 2010 
auf dem Blog 
BAUMGESICHTER I TREEFACES 
vorgestellt.



Gleich drei BaumWurzelGestalten an einem Ort
begegneten mir, oder besser gesagt uns an einem ausgesprochen schönen Frühlingstag im April 2010.
Wie erstaunlich ist das!


Meine Tochter, Janine, und ich waren gemeinsam durch den Berliner Grunewald geschlendert. Da sahen wir auf einem abgezäunten Gelände in einem Waldstück am Hundekehlesee die Silhouetten von zwei großen Tieren, die friedlich nebeneinander ruhten. Aus der Ferne schon erkannte ich ein Einhorn und einen Büffel und auch Janine bemerkte sofort: „Tatsächlich ein Einhorn, ja ein Büffel …“. Erst als ich näher kam so nah, wie das eben möglich ist, wenn ein Zaun ein Nähertreten unmöglich macht, bemerkte ich noch eine dritte Gestalt zwischen diesen beiden liegenden aber wachsamen Märchenfiguren. Es war ein kleiner Braunbär, der sich an das Einhorn anschmiegte.

"Im Grunewald,
im Grunewald ist Holzauktion …"
der Altberliner-Gassenhauer kam mir in den Sinn, denn die Waldfläche, auf der Einhorn, Büffel und Bär da ruhten, sah ziemlich wild aus und viel Bruchholz lag herum.


 Wir befanden uns im Naturschutzgebiet „Hundekehlefenn“, unweit des Kanales, der den Hundekehlesee mit dem Grunewaldsee verbindet. In dem weitgehend trockengelegten Moorgebiet gerade dort, wo sich noch ein letzter Rest ursprüngliche für solche Gebiete typische Vegetation erhalten hat, ruhen nun weithin sichtbar die WurzelGestalten: ein Wasserbüffel, ein Einhorn und ein Berliner-Bär. Keinen besseren Ort in Berlin hätten sie sich aussuchen können. Viele selten gewordene Tiere und Pflanzen finden im geschützten Moorgebiet ihren Rückzugsraum. Die drei Fabelwesen wählten das Naturschutzgebiet, wo Flora und Fauna ihrer Seltenheit, Vielfalt, Einmaligkeit und ihrer besonderen Eigenarten wegen als erhaltenswert geschützt werden, um Kraft zu tanken. Ohne Fremdeinwirkung wurde im Naturschutzgebiet der Natur Raum gelassen, sich frei nach ihren Gesetzen zu entfalten.


Der kleine Berliner-Bär
bekannt als Berliner Wappentier und durch vielerlei Gestaltungsvarianten, (bislang nicht als naturgebildete WurzelGestalt gesichtet)nahm im Hundekehlefenn im Berliner Grunewald seine WurzelGestalt an. Der Berliner-Grossstadt-Bär, vielerorts geschätzt und geliebt für seine große Toleranz, zeigt seine WurzelGestalt am Rande der großen Stadt, fern ab vom Trubel, in einem Moorgebiet, im Birken- u. Erlenbruchwald. An diesem geschützten Ort kann der kleine Braunbär im Einklang mit der urwüchsigen Natur sein.

In der Gesellschaft seiner beiden engsten Freunde fühlt sich der kleine Braunbär ganz geborgen und sicher.

Das liebste FantasiePferd,
das Einhorn - hell wie das Licht
ist ein Glück-verheißendes Fabelwesen. An seiner Seite fällt alles leicht. Das Einhorn ist eine wahre Lichtgestalt. Es liebt das Leben sehr und kennt viele Geschichten, die das Wunder des Lebens beschreiben. Wie eine sanftmütige doch starke Mutter, wie eine verspielte, verträumte und wissende Schwester ist das Einhorn für den Berliner-Bären. Der Bär schaut bewundernd zu ihm hinauf, wenn es warmherzig für alle Lebewesen um ein lebenswertes Dasein bittet oder wenn es von neuen Pfaden spricht, die es erhobenen Hauptes zu beschreiten gilt, um aus dem Kreislauf des Leidens und der Schmerzen, der Verirrung und der Verwirrung auszubrechen.

Der starke Hoffnungsbringer,
der Wasserbüffel - dunkel wie die Erde
(ein Vertreter einer Tierart, die leider vom Aussterben bedroht ist)
ist der Erde sehr verbunden. Er schöpft Hoffnung aus deren Schöpfungsfreude. Diese Hoffnung trägt er weiter. Gesellig ist der Büffel und hilfsbereit. Doch wehe dem, wenn man ihm drohend oder feindselig entgegen tritt, dann wird der Büffel wild. Richtig wütend wird er auch, wenn er mehr als zwingend nötig, vor einen Karren oder Pflug gespannt wird und wenn sein Fleiß und seine Güte ausgenutzt werden. „Auf ein Nehmen sollte immer auch ein Geben folgen.“ das ist des Büffels feste Überzeugung, das vermittelt er und danach lebt er auch. Darum klagt er nicht, wenn er auch manchmal schwerste Arbeit verrichten muss, um sein und das Überleben seiner Freunde zu sichern. Wer wie das Einhorn und der Berliner-Bär zu des Büffels Freunden zählt, der kann sich wirklich glücklich schätzen. Einen bodenständigeren und hilfsbereiteren Freund als einen Wasserbüffel kann man sich kaum denken. Die drei Wurzelwesen pflegen ihre Freundschaft und enge Verbundenheit, durch Gedankenaustausch, Nähe, Sorge und Hilfsbereitschaft.


Mit Würde und Ehrfurcht,
einsgeworden mit der umgebenden Natur, ruhen die drei Kraftwesen in ihrem magischen Erdenkreis (der nicht durchbrochen ist) und richten hingebungsvoll ihre Aufmerksamkeit auf das große Geheimnis des Lebens.

Als Janine und ich die KraftWesen entdeckt hatten, dämmerte es schon leicht, bald würde die Sonne untergehen und die WurzelFabelWesen, in eine ihnen aus der ErdenTiefe vertraute Dunkelheit hüllen. Die WurzelTiere lieben die Abendstimmung ganz besonders. Endlich war auch im Hundekehlefenn Ruhe eingekehrt. Die vielen Waldspaziergänger, wollten vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein, sie hatten fast alle den Wald verlassen, als wir noch über die WurzelGestalten staunten. Das Kläffen der vielen Hunde, die das Gebiet um den Hundekehlesee im Grunewald tagsüber zahlreich durchstreiften, war nur noch vereinzelt aus weiter Ferne zu hören. Wir genossen diese Stille, die ab und an vom Abendlied eines Vogels durchdrungen wurde. Die Abendstimmung im Wald brachte die nötige Besinnlichkeit, um das Tagwerk zu überdenken, und um den Tag bewusst ausklingen zu lassen. Wir nahmen den starken Eindruck, den der Anblick der drei WurzelGestalten bei uns hinterlassen hatte, mit uns.
Immer wieder, wenn ich die Fotos von den WurzelWesen Einhorn, Bär und Büffel ansehe, verneige ich mich im Geiste vor diesem Werk der Natur.


text & fotos 2010: © johanna zentgraf